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MotoGP-Weltmeister Jorge Lorenzo vor den gefüllten Tribünen am Sachsenring © dpa Picture Alliance

Mit über 230.000 Fans stellt der Sachsenring einen neuen Rekord auf. Doch die Tage scheinen gezählt. Es geht ums liebe Geld.

Hohenstein-Ernstthal - Es ist wieder Ruhe eingekehrt in Hohenstein-Ernstthal, die schweren Maschinen donnern nicht mehr durch die Straßen, die Showbühnen sind abgebaut, der Alltag kehrt allmählich in das kleine Städtchen in der Nähe von Chemnitz zurück.

An der einen oder anderen Stelle sieht man noch die Spuren der Motorrad-Fans, die den 16.000-Seelen-Ort in liebgewordener Tradition übernommen, in einen Ausnahmezustand versetzt und zur Party-Hochburg umgewandelt hatten.

Rund um den Grand Prix am Sachsenring herrschte auch in diesem Jahr eine einzigartige Atmosphäre, dennoch droht der Kultveranstaltung ein jähes Ende.

Verhandlungen ohne Erfolg

Man kann sich nur schwer vorstellen, dass im kommenden Sommer keine Motorradfahrer in Sachsen einfallen, ihre Zelte in den Vorgärten und am legendären Ankerberg aufschlagen, um am Rennwochende mit heißen Öfen, Druckluft-Hupen oder Megafonen einen Höllenlärm zu verbreiten.

Doch genau das muss befürchtet werden, in Hohenstein-Ernstthal kann man nächstes Jahr Mitte Juli eventuell nachts tatsächlich bei offenem Fenster schlafen. (DATENCENTER: MotoGP)

Monatelang hat der ADAC Sachsen als Veranstalter mit dem spanischen MotoGP-Vermarkter Dorna um die Verlängerung des ausgelaufenen Vertrages gerungen, bisher ohne (durchschlagenden) Erfolg.

Der einzige deutsche WM-Lauf wird zwar vorerst in den Rennkalender 2012 aufgenommen, eine Garantie ist das aber nicht. (Der GP der USA in Laguna Seca ab Freitag, 19 Uhr LIVE im TV auf SPORTund SPORT1+)

Rekordverkauf bei Tickets

Aus allen Himmelsrichtungen pilgern die Zuschauer seit 1998 zum Sachsenring. Auf der Autobahn ziehen Maschinen mit Nummernschildern aus Süd-, Nord-, West- und natürlich Ost-Deutschland vorbei, auch Niederländer, Briten und Schweizer nehmen hunderte - auch gerne mal ungemütliche - Kilometer auf sich, um das alljährliche Spektakel miterleben zu dürfen.

Natürlich geht es am Sachsenring nicht nur um hochklassigen Motorsport. Bis tief in die Nacht legt in der Party-Zone DJ "Hyperactive" auf, Live-Bands sorgen für ausgelassene Stimmung und Stripperinnen für Atemlosigkeit.

Das Gesamtpaket Sachsenring funktioniert erstklassig, das belegt allein die Rekordkulisse der diesjährigen Auflage.

230.133 Eintrittskarten wurden für die drei Renntage verkauft, so viele wie nie zuvor. Eigentlich soll man ja aufhören, wenn es am Schönsten ist, doch das kommt hier absolut nicht in Frage.

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Vier statt bisher zwei Millionen

"Drücken Sie dem Sachsenring die Daumen, auch für das nächste Jahr", sagte Sachsens Ministerpräsident Stanislaw Tillich bei seiner Begrüßungsrede am Sonntag. Wirklich Zuversicht verbreitet hat der CDU-Politiker aber nicht. (DATENCENTER: Moto2)

Beim Ringen um die Zukunft ist viel Geld im Spiel, vier statt bisher zwei Millionen Euro an jährlichen Lizenzgebühren will die Dorna anscheinend künftig aus Deutschland kassieren. Ein kräftiger Batzen, der erst einmal aufgebracht werden muss.

Immerhin ist die Fortsetzung der Verhandlungen abgemachte Sache.

Ein neuer Vertrag wäre ungemein wichtig für den Motorsport in Deutschland und für die Region, die dem Grand Prix riesige Umsätze verdankt.

Ein Umzug, beispielsweise zum Nürburgring, wo vor dem Standortwechsel nach Sachsen gerade mal 20.000 Zuschauer kamen, wäre mitten im Motorrad-Boom um Titelkandidat Stefan Bradl ein großer Rückschritt. (DATENCENTER: 125ccm)

Karl May statt Valentino Rossi

Der Motorenlärm am Sachsenring ist vorerst verstummt - es bleibt offen, für wie lange.

Sollte die kleine Gemeinde ihr großes Volksfest tatsächlich verlieren, muss der berühmteste Sohn der Kreisstadt die Touristen wieder alleine ranholen.

Schriftsteller Karl May wurde in Hohenstein-Ernstthal geboren.

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