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Blickt Kawasaki nur noch auf die wenig erfolreiche MotoGP-Historie zurück? © getty

Die Finanzkrise wirft weiter ihren dunklen Schatten auf den Rennsport. Nun soll es auch die MotoGP getroffen haben.

Von Peter Schmieder

München - Nach Medienberichten steht Kawasaki vor einem Ausstieg aus der MotoGP. Zuerst hatte das italienische Fachblatt "Tuttosport" den Rückzug der Japaner verkündet. Nun scheint sich das Gerücht zu bestätigen.

An Silvester berichtete "Motorsport-Total.com", die Mitarbeiter hätten bereits schriftliche Kündigungen erhalten.

Unruhe bei Hopkins und Melandri

Und Pilot John Hopkins ließ sich von "MCN" mit dem Satz zitieren: "Ich habe gehört, dass dies (d. Ausstieg, d. Red.) diskutiert wird." Er habe mehrere Anrufe von Teammanager Michael Bartholemy erhalten, in denen dieser ihm mitteilte, dass Kawasaki 2009 nicht mehr in der Motorrad-Königsklassen starten könnte. Noch sei angeblich alles offen. ad

Zuvor hatte "GPOne.com" auf seiner Webseite einen Brief von Kawasaki-Boss Kawamura zitiert, der an Marco Melandri, einer der Kawasaki-Piloten, adressiert gewesen sei.

In besagtem Schriftstück drückt der Japaner seine Hoffnungen aus, dass Kawasaki und Melandri vielleicht zu einem späteren Zeitpunkt noch einmal zusammenarbeiten könnten.

Handelte es sich dabei um eine betriebsbedingte Kündigung? Melandri hatte erst zu Beginn der neuen Saison bei den Grünen angeheuert.

Teamchef dementiert nicht

Ein offizielles Statement aus der Zentrale in Japan hat es bisher nicht gegeben.

Teamchef Michael Bartholemy und Sprecher Ian Wheeler gaben auf Anfrage des Motorsport Magazin "adrivo" an, dass sie keinerlei Informationen aus Japan hätten und deshalb keinen Kommentar abgeben könnten. Ein striktes Dementi sieht wohl anders aus.

Bartholemy hatte zwar zuletzt Budget-Kürzungen eingestanden, aber das sei seiner Meinung nach völlig normal. Sollte sich das Gerücht bestätigen, stehen die beiden Piloten John Hopkins (USA) und Marco Melandri (ITA) 2009 ohne Motorrad da.

MotoGP vor Zerreiß-Probe

Und die MotoGP vor einer Zerreißprobe: Ähnlich wie in der Formel 1 hatten enorme Kostenexplosionen dafür gesorgt, dass immer mehr Privat-Teams aus der MotoGP rausgedrängt wurden.

Das Fahrerfeld hatte sich bereits in der letzten Saison auf 19 Starter verdünnt. Ohne Kawasaki würden im Grid nur noch 17 Motorräder stehen. Die Verträge der FIM, dem Zweirad-Pendand zur FIA, stellen den Rennstrecken aber mindestens 18 Fahrer in Aussicht.

Gründe für den Rückzug

Als Gründe für den vermuteten Rückzug tauchen ähnliche Erklärungen auf wie bei Hondas Rückzug aus der Formel und denen von Suzuki und Subaru aus der Rallye-WM: Die weltweite Wirtschaftskrise und ihr Folgen.

Allerdings, die "Motorsport-Flüchtigen" hatten in den letzten Jahren eines gemeinsam: den fehlenden Erfolg. Ist die Finanzkrise nur ein Alibi, um sich still und heimlich vom eigenen Scheitern zu distanzieren?

Denn Honda hatte in der Formel 1 Millionen verpulvert, nur um im letzten Jahr das zweitschlechteste Team zu werden. Subaru fährt in der Rallye-WM seit 2004 nur hinterher. Kawasaki bemühte sich seit dem Einstieg in MotoGP um halbwegs erträgliche Ergebnisse.

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