Bradls "dummer Fehler": Podium wäre drin gewesen
Assen - In voller Montur lief Stefan Bradl in die Box.
Die Zeit, seinen Helm abzunehmen, hatte er noch nicht gefunden - zuerst musste der MotoGP-Neuling etwas loswerden.
"Ich habe mich bei meinem Team entschuldigt", sagt der Honda-Pilot: "Es hätte ein wirklich tolles Rennen werden können. Leider habe ich diesen dummen Fehler gemacht."
Ein Sturz in der zweiten Runde beim Großen Motorrad-Preis der Niederlande war der Grund für Bradls schlechtes Gewissen.
Keine guten Erinnerungen an Assen
Zuvor hatte es in Assen wirklich gut ausgesehen für den deutschen Shootingstar, der zuvor in jedem Saisonrennen in die Top 10 gefahren war.
Ein sensationeller vierter Platz im Qualifying, der starke Start - "ich kann mich nicht erinnern, wann ich mich auf der Strecke zuletzt so gut gefühlt habe", sagt Bradl. Dann kam der Verbremser.
Wie im Vorjahr also ein Sturz in den Niederlanden, wie im Vorjahr kam Bradl erstmals in der Saison nicht ins Ziel.
Assen und Bradl, das ist wohl einfach nicht der Stoff, aus dem Liebesgeschichten sind.
Paukenschlag in der Quali
Der Moto2-Champion will nicht so recht warm werden mit dem Mekka des Motorradsports, seit 1949 fixer Bestandteil des WM-Kalenders und im Fahrerlager eigentlich einigermaßen beliebt.
"Assen gehört nicht zu meinen Lieblingsstrecken", hatte er schon vor dem Rennen zugegeben.
Auch Platz elf im freien Training hatte nicht unbedingt vermuten lassen, dass Bradl Anlass bekommt, seine Meinung zu ändern.
Das beste Qualifying-Ergebnis seit seinem Aufstieg in die Königsklasse war dann aber ein echter Paukenschlag.
Bradl schnell auf Rang vier
Doch Bradl, möglicherweise schon im Gefühl seiner schwierigen Beziehung zu der Strecke, wollte nicht zu viel versprechen.
Er habe die Befürchtung, sagte der 22-Jährige, "dass ich im Rennen das erste Mal in dieser Saison schlechter als im Qualifying abschneide". Er sollte recht behalten.
Nach starkem Start hielt Bradl seine Position und schnupperte schnell an Rang drei - vielleicht der Grund für einen Funken zu viel Risiko in der frühen Phase des Rennens.
Chance aufs Podium vergeben
"Da muss ich ehrlich sein", sagt Bradl: "Vielleicht habe ich in der Kurve zu aggressiv gebremst, dann ist mir das Vorderrad einfach abgeknickt."
Besonders angesichts des weiteren Rennverlaufs war der Ausfall bitter für Bradl, sein erster Podestplatz wäre wohl möglich gewesen.
"Wenn ich die Zeiten sehe, hatte ich die Chance, um Platz drei mitzufahren", sagt der Zahlinger: "Das ist sehr enttäuschend."
Bautista räumt Lorenzo ab
Schon vor Bradls Missgeschick war das Rennen für den WM-Führenden Jorge Lorenzo (Yamaha) beendet gewesen.
Als das Feld in die erste Kurve einbog, machte der Spanier Alvaro Bautista (Honda) einen Fahrfehler, kollidierte mit Lorenzo und rammte seinen Landsmann von der Strecke - ein spanisches Wortgefecht im Kiesbett und neue Spannung im Titeldreikampf waren die Folge.
Stoner zieht mit Lorenzo gleich
In Lorenzos Abwesenheit sicherte sich der australische Weltmeister Casey Stoner den Sieg vor dem Spanier Dani Pedrosa (beide Honda) und zog mit nun 140 WM-Punkten mit Lorenzo gleich.
Pedrosa (121) liegt in Lauerstellung.
Bradl will das ungeliebte Assen so schnell wie möglich abhaken. "Wir haben uns insgesamt gut verkauft, ich bin auch lange Zeit gut zurechtgekommen. Das Happy End hat einfach gefehlt", sagt der Rookie.
Happy End am Sachsenring?
Nun soll der Blick sich nach vorne richten, schon am kommenden Wochenende folgt der mit Spannung erwartete Heim-Grand-Prix am Sachsenring.
"Wir müssen dafür sorgen, dass es dort besser läuft. Das Potenzial ist da, wir sind wirklich in der Lage, mit den Topfahrern mitzuhalten", versicherte Bradl.
Auf der traditionsreichen Strecke nahe Hohenstein-Ernstthal tritt er erstmals vor heimischer Kulisse in der Königsklasse an - die Gelegenheit, das Happy End nachzuholen.


