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Stefan Bradls Vorbilder sind Valentino Rossi und sein Vater Helmut © getty

Die Teamvorstellung der deutschen Motorrad-Hoffnung gerät zum Kaltstart. Doch Youngster Stefan Bradl nimmt die WM ins Visier.

Hockenheim - Die Teamvorstellung wurde bei Schneefall und glatter Piste im wahrsten Sinne des Wortes zum Kaltstart, doch auf dem Weg zum ersten deutschen Weltmeister-Titel seit 16 Jahren will sich Stefan Bradl von nichts und niemandem aufhalten lassen.

"Der Titel ist natürlich ein Thema, und er ist möglich", sagte der WM-Vierte des Vorjahres in der Motorrad-Klasse bis 125 ccm bei der Präsentation seines Teams Kiefer am Freitag auf dem Hockenheimring.

"Zwar hängt der Erfolg von vielen Dingen ab. Man muss verletzungsfrei bleiben, die Technik muss stimmen, aber ich bin optimistisch", so Bradl.

Nächtlicher Auftakt in Katar

Dem Saisonstart fiebert der zweimalige Grand-Prix-Sieger des Vorjahres entgegen.

"Es kribbelt und brodelt wie wahnsinnig, und es wird Zeit, dass es los geht", sagte er: "Ich will im nächsten Jahr einige Siege folgen lassen. Aber den Titel holt man letztlich durch Konstanz." Bisher letzter deutscher Weltmeister war 1993 Dirk Raudies, ebenfalls in der Achtelliterklasse.

Die Saison 2009 beginnt am 12. April mit einem Nachtrennen in Katar. "Wir wollen besser abschneiden als bei Platz vier im Vorjahr", sagte Teamchef Stefan Kiefer.

Präsentation unter keinem guten Stern

Die Teampräsentation - bezeichnenderweise an Freitag, dem 13. - diente aber keinesfalls als gutes Omen. Als Bradls rot-weiße Aprilia mit der gold-blauen Nummer 17 am Hockenheimring enthüllt wurde, fielen dicke Schneeflocken vom Himmel.

Beim Posieren für die drei Kamerateams und das halbe Dutzend Fotografen bibberte der 19-Jährige in seiner orangeroten Fahrerkombi vor Kälte.

Und als er auf dem minus sechs Grad kalten Asphalt zur Präsentationsrunde ausrollen wollte, wurde der Motor durch einen Akkuschaden zunächst zweimal abgewürgt.

Stars setzten auf Bradl

Doch Bradl hat im vergangenen Jahr bewiesen, dass er sich durchbeißen kann. In dieser Saison ist er auch für die Ex-Weltmeister Casey Stoner (Australien) und Nicky Hayden (USA) der absolute Favorit auf den Titel.

Zumal in Weltmeister Mike di Meglio (Frankreich) und dem 2007er-Champion Gabor Talmacsi (Ungarn) zwei der drei im Vorjahr vor Bradl platzierten Piloten in die 250er-Klasse aufgestiegen sind.

2008 verhinderten nur ein Motorschaden und ein Sturz in den letzten beiden Rennen die Vize-Weltmeisterschaft für den Bayern, der plötzliche Ausstieg des Hauptsponsors wurde umgehend kompensiert.

Aufstieg verschoben

Dem gewünschten, aber geplatzten Sprung in die 250er-Klasse trauert der aufsteigende deutsche Star "nullkommanull" nach.

Zusätzliche Motivation erhielt er durch Livio Suppo, Stoners Chef bei Ducati. Dieser erklärte Bradl, dass er seine Entwicklung bereits genauestens verfolge und ihm zu einem weiteren Jahr in der 125er-Klasse rate.

Stoner sei einst zu früh aufgestiegen, habe so nicht genug Zweikampf-Erfahrung sammeln können und wohl deshalb den Titelkampf der MotoGP 2008 gegen Superstar Valentino Rossi verloren.

Waldmann hat große Hoffnungen

Deutschlands letzter Weltklassefahrer Ralf Waldmann glaubt daran, dass Bradl die deutschen Motorrad-Fans dieses Jahr erlösen kann.

"Ganz klar, er kann es schaffen", sagte der zweimalige Vize-Weltmeister: "Die Zeit ist reif, und Stefan hat sich hervorragend entwickelt."

Auch Vater Helmut Bradl, 1991 selbst Vize-Weltmeister, glaubt an den Junior: "Es gibt einige Kandidaten für den Titel, aber Stefan zählt ganz sicher dazu."

Teamkollege aus Russland

Der Russe Wladimir Leonow wird in der kommenden Saison Bradls Teamkollege. Der 21 Jahre alte Debütant wird aber in der Klasse bis 250 ccm für das deutsche Kiefer-Team starten.

Der bisherige zweite Kiefer-Fahrer Robin Lässer (Isny) fand nach seiner Premieren-Saison mit nur zwei Punkten nicht ausreichend Sponsoren für ein weiteres Jahr.

Traum vom Formel-1-Test

Ein Traum für den 19-Jährigen Bradl wäre übrigens eine Testfahrt in einem Formel-1-Boliden: "Da würde ich keine einzige Sekunde zögern. "

Um den am Mittwoch mit dem Motorrad gestürzten Formel-1-Rekordweltmeister Michael Schumacher macht er sich keine Sorgen. "Er geht kein Risiko ein. Und bewusstlos war ich schon ein paarmal. Das passiert eben mal."

Aus dem Holz sind Weltmeister geschnitzt.

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