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3.600 Lampen sorgen dafür, dass es in Katar zum Rennen wieder taghell wird © Dorna

Wenn es Nacht wird in Katar ... gehen die Flutlichter an und die MotoGP-Asse jagen in die neue Saison: Nach fünf Monaten Pause geht es wieder rund

Fünf lange Monate mussten sich die MotoGP-Fans gedulden, jetzt können sie ihre Helden endlich wieder in Aktion erleben. In der Zwischenzeit konnten sie ihren Hunger zwar mit Appetithäppchen in Form von Wintertests stillen, doch jetzt folgt das Gala-Menü. Am kommenden Osterwochenende startet die MotoGP in die Saison 2009. Wie schon im Vorjahr hat man sich für den Auftakt einen ganz besonderen Rahmen ausgesucht: ein Nachtrennen in der Wüste, auf dem Losail Circuit in Katar.

Wenn es Nacht wird in Katar - gehen die Flutlichter an. Die Zahlen beeindrucken: Damit die MotoGP Piloten eine taghelle Strecke vorfinden, sind 3.600 Lampen mit 250-, 1.500- und 2.500-Watt-Birnen nötig. Insgesamt 13 Generatoren sorgen für die erforderliche Stromleistung von 5,4 Millionen Watt - mit dem erzeugten Licht kann man ein Areal erhellen, das 70 Fußballfeldern entspricht. Die Lampen sind an insgesamt 1.000 Masten montiert, die zwischen drei und 36 Metern hoch sind. Sie alle sind durch fast 500 Kilometer Kabel miteinander verbunden, im Boden verankert ist das Lichtsystem mit 300.000 Kilogramm Beton.

Die Rennstrecke von Losail befindet sich etwas außerhalb von Doha, der Hauptstadt von Katar. Eröffnet wurde sie am 2. Oktober 2004. Rund 1.000 Arbeiter haben die Strecke in einer Bauzeit von etwas mehr als einem Jahr aus dem Boden gestampft. Die Kosten beliefen sich auf 58 Millionen US-Dollar. Die 5,4 Kilometer lange Strecke ist recht flüssig mit einer mehr als einen Kilometer langen Start-Ziel-Geraden und einer Mischung aus ultraschnellen und langsameren Kurven. Damit mitten in der Wüste nicht zu viel Sand auf den Kurs geweht wird, wurde rund um die Strecke künstliches Gras angelegt.

Die MotoGP bestreitet in diesem Jahr zwar erst zum zweiten Mal ein Nachtrennen in Katar, die Strecke ist jedoch schon zum dritten Mal der Schauplatz des Saisonauftakts. Beim ersten Flutlichtrennen im vergangenen Jahr konnte sich Ducati-Pilot Casey Stoner den Sieg holen. Der Australier bezeichnet den Wüstenkurs als eine seiner Lieblingsstrecken. Das ist kein Wunder, schließlich holte er dort bei seinem MotoGP-Debüt 2007 gleich seine erste Pole und seinen ersten Sieg in der Königsklasse.

Diese Bilanz und die Tatsache, dass Stoner in der Vorsaison der schnellste Mann war, machen ihn auch für den kommenden Sonntag zu einem der großen Favoriten. Darin, dass er wegen seiner Handgelenksverletzung im Winter noch keine Longruns fahren konnte, sieht der Ducati-Pilot keinen Nachteil. Doch sein Erzrivale Valentino Rossi könnte Stoners Hoffnung auf einen Katar-Hattrick zunichte machen. Der Yamaha-Star konnte auf dem Wüstenkurs auch schon zweimal gewinnen, 2005 und 2006. Ein Nachtrennen konnte der "Doktor" jedoch noch nicht für sich entscheiden. Im vergangenen Jahr belegte er beim Saisonauftakt in Katar den fünften Rang.

Die anderen Pfeile in den Werksköchern

Rossis Yamaha-Teamkollege Jorge Lorenzo legte 2008 in Katar ein fast genauso beeindruckendes MotoGP-Debüt hin wie Stoner ein Jahr zuvor. Der Spanier startete sein erstes Rennen in der Königsklasse von der Pole Position und belegte am Ende Rang zwei. In diesem Jahr erlebt Lorenzo wieder eine Premiere: Er wird zum ersten Mal ein Rennen mit Bridgestone-Reifen bestreiten. Für Stoners Teamkollegen Nicky Hayden ist in diesem Jahr mehr neu als nur die Reifen. Der Amerikaner hat vom Honda-Werksteam zu Ducati gewechselt und arbeitet immer noch daran, sich an seine neue Maschine und das für ihn neue Team zu gewöhnen.

Haydens Platz bei Repsol-Honda hat Andrea Dovizioso eingenommen, der damit neuer Teamkollege von Dani Pedrosa ist. Im Winter musste Dovizioso einen Großteil der Testarbeit allein erledigen, da sich Pedrosa bei einem Sturz bei Testfahrten Anfang März schwer verletzt hatte. Der Spanier zog sich einen Speichenbruch und eine tiefe Fleischwunde am Knie zu. Er wurde am Handgelenk und am linken Bein operiert, dabei musste am Knie eine Gewebetransplantation vorgenommen werden. Pedrosa musste lange darum zittern, am Saisonauftakt überhaupt teilnehmen zu können. Aber heute konnte er verkünden, dass er in Katar fahren kann. Er ist jedoch noch nicht zu 100 Prozent fit. Pedrosas Ziel ist deshalb nur, ein paar Punkte zu holen, um gegenüber der Konkurrenz nicht zu sehr in Rückstand zu geraten.

Aufwärtstrend bei Suzuki, Comeback von Gibernau

Hoffnungen auf Plätze auf dem Podium oder sogar auf den Sieg macht man sich im wieder erstarkten Suzuki-Werksteam. Den Japanern ist es gelungen, über Winter eine konkurrenzfähige Maschine auf die Strecke zu stellen. Entsprechend wollen die beiden Piloten Loris Capirossi und Chris Vermeulen in dieser Saison ganz vorne mitmischen.

Sein Comeback in der Königsklasse gibt Sete Gibernau. Der Katar-Sieger von 2004 bestreitet am Sonntag sein erstes MotoGP-Rennen seit Portugal 2006. Der Spanier geht mit einer Ducati des Grupo-Francisco-Hernando-Teams an den Start. Die Debütanten sind in diesem Jahr die Pramac-Piloten Niccolo Canepa und Mika Kallio sowie Scot-Honda-Fahrer Yuki Takahashi. Ein "neues" Team ist auch dabei: Hayate, das aus dem früheren Kawasaki-Werksteam hervorgegangen ist und damit Marco Melandri eine neue Heimat bietet.

Neue Regeln: Einheitsreifen und weniger Training

Beim Saisonstart in Katar haben sie alle die Möglichkeit, denen neuen Einheitsreifen von Bridgestone unter Rennbedingungen auszuprobieren. Die Einführung des Einheitsreifens ist eine der wichtigsten Regeländerungen für die kommende Saison. Zudem wurde die Anzahl der Reifen, die ein Pilot pro Rennwochenende zur Verfügung hat, auf 20 reduziert (acht Vorderreifen, zwölf Hinterreifen). Die Fahrer haben pro Rennveranstaltung nur zwei unterschiedliche Mischungen zur Auswahl. Sollte es regnen, bekommt er jeder Fahrer acht Regenreifen einer Mischung. Ein Extra-Reifen wird ausgegeben, wenn es in jeder Session regnet.

Eine weitere wichtige Regeländerung ist, dass die Trainingszeit im Zuge der Sparmaßnahmen gekürzt wurde. Damit müssen Teams und Piloten noch schneller arbeiten, um das optimale Setup für jede Rennstrecke zu finden. Das Training am Freitagmorgen wurde gestrichen, die Trainings am Freitagnachmittag und Samstagmorgen sowie die Qualifikation am Samstagnachmittag wurden von einer Stunde auf 45 Minuten gekürzt.

Das erste Training in Katar beginnt am Freitagabend um 22:30 Uhr Ortszeit (21:30 MESZ), das Rennen startet am Sonntag um 23:00 Uhr Ortszeit (22:00 Uhr MESZ).

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