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Über 120.000 Fans feuern die Piloten entlang der Rennstrecke von Jerez an © Honda

Über 120.000 leidenschaftliche Fans verwandeln Jerez alljährlich in einem Hexenkessel - Auf der andalusischen Strecke ist viel Fahrkönnen gefragt

Valentino Rossi und seine MotoGP-Kollegen freuen sich schon auf die "Mega-Party", die sie an diesem Wochenende im spanischen Jerez erwartet. Die andalusische Rennstrecke ist ein Mekka der spanischen Motorradfans, hierher pilgern alljährlich so viele Zuschauer wie nur an wenige anderen Rennstrecken der Welt. Über 120.000 leidenschaftliche Fans füllen die einem Amphitheater ähnelnde Anlage und sorgen für eine einmalige Stimmung.

Die Strecke selbst fordert von den Piloten, die beste Rennenlinie zu finden. Es gibt wenige Punkte, an denen richtig hart gebremst werden muss und auch wenige Gelegenheiten, voll aufs Gas zu gehen. Der 4,423 km lange Kurs enthält regelmäßige und schnelle Richtungswechsel. Deshalb muss ein guter Kompromiss bei der Abstimmung und guter Grip in den Schräglagen gefunden werden.

Die Rennstrecke in Jerez wurde 1986 gebaut, ein Jahr später fand dort der erste Grand Prix statt. Seitdem gastiert die Weltmeisterschaft in jedem Jahr auf dem südspanischen Kurs. Viele der 13 Kurven gehen flüssig ineinander über. Jerez ist eine Rennstrecke im "alten Stil" mit vielen Kurven, die im zweiten, dritten und vierten Gang gefahren werden. Hier ist Fahrkönnen gefragt. Mehrere der Kurven bieten Überholmöglichkeiten, vor allem Kurve eins, die hart angebremst wird, Kurve sechs und die letzte Haarnadel, die auf die Start-Ziel-Gerade führt. Auf dieser Strecke ist weniger die pure Power gefragt, sondern eher eine Maschine mit gutem Handling und Stabilität beim Bremsen.

"Jerez ist eine Strecke, die mit einem MotoGP-Bike sehr schwierig ist. Es gibt nur wenige Geraden und wenig Zeit, sich einmal zu erholen", erklärt Honda-Pilot Dani Pedrosa, der hier im vergangenen Jahr gewonnen hat. Von der kurzen Start-Ziel-Geraden geht es recht schnell in die erste Kurve, "Expo 92". Es ist wichtig, gut aus dieser ersten Kurve herauszukommen, denn Kurve zwei, "Michelin", ist einer der Punkte auf der Strecke, an dem gut überholt werden kann. In dieser Rechtskurve braucht man die ideale Linie, um perfekt in die nächsten Kurvenkombinationen zu kommen.

Die Einfahrt in Kurve drei erfordert einen schnellen Richtungswechsel, denn die Piloten lehnen sich ausgangs von Kurve zwei noch nach rechts und müssen dann schnell nach links wechseln. Nach der dritten Kurve folgt eine kurze gerade, die recht bald in die schnelle vierte Kurve übergeht.

Lauern im Windschatten

In der fünften Kurve, "Sito Pons", geht es zunächst bergauf und dann bergab auf die längste Gerade der Strecke. Auch hier gilt es, gut aus der Kurve zu kommen, sonst könnte man auf den folgenden 300 Metern oder beim nächsten Bremspunkt aus dem Windschatten heraus überholt werden. Nach dieser langen Bergabgeraden folgt die "Dry Sack" benannte sechste Kurve. "Hier geht es um alles oder nichts", berichtet Pedrosa. "Man muss sehr gut bremsen und dabei aufpassen, dass die anderen nicht innen an einem vorbeigehen. Allerdings findet man hier auch eine gute Möglichkeit, seine Rivalen selbst zu überholen."

Kurve sieben bietet den Piloten die Gelegenheit, den Zustand ihrer Reifen zu überprüfen. In dieser schnellen Kurve wird fast Vollgas gefahren. Und sollten die Reifen zu abgefahren sein, bekommen die Piloten Probleme, wenn sie Gas geben. Die achte Kurve ist eine Haarnadel nach links, in der die Piloten enorme Schräglage bekommen und nur sehr sanft Gas geben dürfen. Auch hier ist wieder wichtig, die richtige Linie zu finden, um die nächsten Kurven ideal anfahren zu können.

Die Kurven neun und zehn, "Nieto" und "Peluqui" sind zwei ineinander übergehende Rechtskurven. Sie müssen sehr präzise angefahren werden, denn wenn man schon in der ersten Kurve einen Fehler macht, kommt man auch nicht mehr gut durch die zweite Kurve. Zudem könnte der Randstein in dieser Kombination manchen Piloten gefährlich werden.

Danach folgen die beiden wichtigsten Kurven der Strecke in Jerez - Kurve elf, "Crivillé", und Kurve zwölf, "Ferrari". Überholen ist hier kaum möglich, denn die Piloten fahren schneller als 200 km/h und wollen dabei wirklich keinen Crash riskieren. Die letzte Herausforderung ist Kurve 13, "Ducados". Hier gibt es mehrere Ideallinien und die Wahl hängt davon ab, ob man einen Piloten vor sich oder hinter sich hat. Das Herausbeschleunigen aus dieser Kurve, die eine sehr schwierige Einfahrt und Ausfahrt hat, kann in der letzten Rennrunde entscheidend sein. Wenn man aus dieser letzten Kurve nicht optimal herauskommt, kann es passieren, dass man auf der Ziellinie noch überholt wird.

Die schnellste Rennrunde in Jerez hält Pedrosa, der im vergangenen Jahr mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 159,053 Km/h eine Rundenzeit von 1:40.116 Minuten gefahren ist. Die schnellste Pole-Zeit stammt ebenfalls aus der Saison 2008. Sie wurde von Yamaha-Pilot Jorge Lorenzo gefahren und liegt bei 1:38.189 Minuten (Durchschnittsgeschwindigkeit 162,164 Km/h). Das Rennen geht über 27 Runden und hat damit eine Länge von 119,421 Kilometern. Im vergangenen Jahr siegte Pedrosa vor Rossi und Lorenzo.

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