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Stefan Bradl fand in Silverstone im entscheidenden Moment die Pace © Kiefer

Bravo, Stefan Bradl! Nur zwei Wochen nach Mugello ist Vater Helmut wieder da und der Sohn auf der Rennstrecke so schnell wie noch nie...

Stefan Bradl hat bewegte Wochen hinter sich: Erst der schwere Motorradunfall seines Vaters Helmut bei einer privaten Tour im Allgäu, bei der der 48-Jährige schwer verletzt wurde (Arm- und Rippenbrüche sowie Leber- und Milzriss), dann die sportliche Pleite in Mugello - und heute in Silverstone die sensationelle Auferstehung als Dritter des Moto2-Qualifyings!

"Das hätte ich nicht gedacht", gibt Bradl im Interview mit 'Sport1' zu. Dabei hatte er bisher an diesem Wochenende sehr zurückhaltend agiert, was bei einigen Beobachtern Verunsicherung aufkommen ließ. Aber: "Wir haben gegenüber dem Freien Training noch einmal etwas verändert, was wunderbar funktioniert hat. Dafür muss ich mich bei Graham von Öhlins bedanken, der uns viel geholfen hat. Ich bin überrascht, aber umso größer ist jetzt die Freude!"

Erwartungen bei weitem übertroffen

Am Freitag hatte sich der Kiefer-Pilot mit seiner Suter-Maschine noch "ein gutes Ergebnis", genauer gesagt "in den Top 8" vorgenommen, doch die dafür notwendige Steigerung gelang ihm erst in der Schlussphase des Qualifyings. Nun ist freilich auch im Rennen einiges möglich, zumal die Sturzgefahr dank der breiten Fahrbahn gering sein sollte. Bradl schränkt aber ein: "Das kommt drauf an. Es ist natürlich immer eng in dieser Klasse, das wissen wir."

"Man wird sehen", sagt der WM-Elfte im Hinblick auf das Rennen. "Das Wetter ist hier immer sehr wechselhaft, aber wir haben jetzt eine gute Abstimmung und ich bin echt heilfroh, dass es jetzt geklappt hat, denn heute Morgen und gestern habe ich noch gedacht, das wird ein Desaster. Aber jetzt haben wir uns gut aus der Affäre gezogen. Was morgen kommt? Da lassen wir uns überraschen. Auf jeden Fall versuche ich natürlich, mein bestes Ergebnis in der Moto2 einzufahren."

Im Vergleich zu Mugello macht der 20-Jährige, der nach dem Unfall seines Vaters zwischenzeitlich drei Kilogramm verloren hatte, einen wesentlich gesünderen Eindruck. Das hat natürlich mit der Genesung von Bradl sen. zu tun: "Er ist jetzt wieder dabei und das ist einfach etwas anderes. Beim letzten Rennen war es vom Mentalen her ein Chaos, denn es war eine neue Situation für mich - wahrscheinlich die schrecklichste Zeit, die ich bisher durchgemacht habe", so Bradl jun.

"Jetzt ist wieder alles so, wie es sein sollte. Darüber bin ich froh und erleichtert", gibt er zu. Bradl sen. geht es "den Umständen entsprechend gut", wie der Bayer versichert: "Ich kann nicht mehr groß klagen." Seinen Sohn beruhigt er aber: "Ich habe zu ihm gesagt: Wenn irgendwo was passiert, dann eher im Straßenverkehr als im Rennsport, denn hier ist alles abgesichert und alle fahren in dieselbe Richtung. Hier ist er eigentlich am sichersten."

Bradl sen. philosophisch

"Es gibt immer wieder Situationen im Leben, denen kannst du nicht ausweichen. Ich war im Krankenhaus, da hat es zwei Fahrradfahrer geschmissen, die hatten auch einen Serienrippenbruch. Es passiert überall was. Ich hatte halt Pech, was soll ich sagen? Es war nicht allein mein Verschulden, aber ich war sicher auch ein bisschen mit beteiligt dran. Da muss man durch. Es ist überstanden und wir schauen nach vorne", meint der 48-Jährige.

Dass sein Sprössling in den vergangenen Wochen gelitten hat, ist ihm nicht entgangen: "Da war ich noch nicht ganz aus dem Koma raus, aber ich habe schon mitgekriegt, dass er mental total daneben war, er sich nur noch um mich gekümmert hat. Er hat immer angerufen und ich habe gewusst, dass er nicht bei der Sache ist. An Mugello war ich schon auch ein bisschen schuld, weil ich den Unfall verursacht habe. Da hat er sich viel zu viele Sorgen gemacht", meint der Vizeweltmeister von 1991.

Übrigens war der Unfall von Bradl sen. nicht der erste Schicksalsschlag dieser Art in der Familie - bereits im März 2008 verlor sein Bruder und langjähriger Mechaniker Max ein Bein, als er von einem betrunkenen Autofahrer gerammt wurde. Dennoch kommt für Helmut gar nicht in Frage, nicht mehr auf das Motorrad zu steigen: "Das kann ich nicht lassen", winkt der mit dem Motorsportvirus infizierte Familienvater ab...

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