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Siegerehrung in Silverstone: Tom Lüthi, Sieger Jules Cluzel und Simón © Interwetten

Tom Lüthi hatte in Silverstone schon den Sieg vor Augen, musste Jules Cluzel aber in der letzten Runde passieren lassen - Stefan Bradl früh ausgeschieden

Die deutschen Fahrer wurden den hohen Erwartungen für das heutige Moto2-Rennen in Silverstone nicht gerecht, aber dafür holte ein Schweizer die Kastanien aus dem Feuer - und das in beeindruckender Manier: Tom Lüthi (Moriwaki) sicherte sich den zweiten Platz, hätte den Grand Prix von Großbritannien aber ebenso gut gewinnen können!

Denn der Interwetten-Pilot, nach der ersten Runde nur 17., legte eine sensationelle Aufholjagd hin, übernahm drei Runden vor Schluss erstmals die Führung und sah bei 0,607 Zehntelsekunden Vorsprung für den letzten Umlauf schon wie der sichere Sieger aus. Doch ein Fahrfehler in der Club-Kurve ermöglichte es Jules Cluzel (Suter), die Spitze zu übernehmen - und die gab der Franzose trotz hartnäckiger Versuche von Lüthi auf den letzten Metern nicht mehr ab.

Sieg in letzter Runde verschenkt

"Es war ein großartiges Rennen", zieht Lüthi angesichts der starken Performance dennoch zufrieden Bilanz. "Kurz vor Rennmitte spürte ich, dass ich schneller bin als die anderen. In der letzten Runde war ich mir nicht sicher, ob sie mich aus dem Windschatten überholen können oder nicht, also habe ich sicherheitshalber gepusht. Eingangs der Schikane habe ich es leider ein bisschen übertrieben, ich verlor das Hinterrad und die Führung."

Die beiden Forward-Teamkollegen Claudio Corti und Cluzel hatten schon am Start die Führung behauptet. In der zweiten Runde sammelte Fonsi Nieto (Moriwaki) seine ersten Führungskilometer in der Moto2-Klasse, doch nach dem ersten Renndrittel konnte sich das Forward-Duo an der Spitze gemeinsam mit Julián Simón (Suter) vom Rest absetzen. Dabei war Yonny Hernández (BQR) recht hilfreich, der sich hinter dem Trio breit machte.

Der Vorsprung wuchs zwischendurch auf über drei Sekunden an, doch ab Runde zehn arbeiteten sich Lüthi und Lokalmatador Scott Redding (Suter) gemeinsam an die Spitze heran, sodass es zu einem Fünfkampf um den Sieg kam. Dieser wurde zwei Runden vor Schluss zu einem Vierkampf, denn Polesetter Corti rutschte in der Club-Kurve aus und verschaffte damit Lüthi einen vermeintlich entscheidenden Vorsprung, den der nicht bis ins Ziel verteidigen konnte.

Forward-Teamchef Andrea Dosoli ist mit dem Ergebnis hochzufrieden: "Wir waren schon das ganze Wochenende schnell. Das ist ein verdientes Ende, über das wir sehr glücklich sind", sagt der Italiener und nimmt sogar Pechvogel Corti in Schutz: "Claudio ist ein gutes Rennen gefahren." Zum Beispiel beim Überholmanöver in der Chapel-Kurve zu Beginn des Rennens, mit dem er zum zweiten Mal in Führung ging. Insgesamt gab es heute sieben Führungswechsel.

Redding knapp am Podium vorbei

Redding wurde hinter Cluzel, Lüthi und Simón Vierter. Auf den erhofften Podestplatz fehlten dem Lokalmatador schlussendlich 0,198 Sekunden. Möglicherweise wäre für ihn heute sogar mehr drin gewesen: "Ich wurde am Start im Gerangel getroffen und verlor viele Plätze, habe dann aber gut gekämpft. Einmal dachte ich, ich würde abfliegen, aber ich habe alles gegeben - Vollgas eben", erklärt der Brite.

Stefan Bradl (Suter) spielte leider keine Rolle. Der Deutsche, der sich nach dem dritten Startplatz ein Topergebnis ausgerechnet hatte, fiel schon auf den ersten Metern aus den Top 10 raus - und gut zwei Minuten später war sein Arbeitstag ganz beendet: Bradl kollidierte im Kampf um Rang 14 eingangs der Club-Kurve mit Simone Corsi (Motobi), wollte nach dem Sturz zwar noch weiterfahren, musste dann aber doch aufgeben.

Dominique Aegerter (Suter) lieferte ein unauffälliges, aber solides Rennen ab und fuhr nach knapp 40 Minuten mit 10,240 Sekunden Rückstand als Neunter über die Ziellinie. Arne Tode (Suter), der Überraschungsmann des Qualifyings, kam als Neunter aus der ersten Runde zurück, konnte den Speed der Topgruppe dann aber nicht ganz halten und kam 16,062 Sekunden hinter Sieger Cluzel als 14. ins Ziel.

Das bedeutet immerhin zwei WM-Punkte für das Racing Team Germany - und dass WM-Punkte heute gar nicht so leicht zu holen waren, beweist die Tatsache, dass sogar erfahrene Kaliber wie Niccolò Canepa (Force GP210/16.), Anthony West (MZ/17.) und Yuki Takahashi (Tech 3/18.) leer ausgingen. Der Spanier Toni Elias (Moriwaki) belegte Platz zehn und behauptete damit seine Führung in der Weltmeisterschaft.

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