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Stefan Bradl führt nach der Nullrunde immer noch komfortabel die WM an © Honda

Stefan Bradl ist beim Großen Preis der Niederlande zum ersten Mal in der laufenden Saison leer ausgegangen - Das Kapitel Assen hat der 21-Jährige schon abgehakt

Assen ist für Stefan Bradl keine Reise wert, daran hat sich auch nach seinem steilen Aufstieg nichts geändert. "Da bleibt man lieber daheim",sagte der 21-Jährige nach dem Großen Preis der Niederlande mit Blick auf dieschwierigen Bedingungen in der "Kathedrale des Motorradsports". Auf dem rutschigen Kurs landete Bradl drei Runden vor Rennende im Kiesbett, zum ersten Mal in der laufenden Saison ist der WM-Spitzenreiter leer ausgegangen.

Bradl gingen auf dem Traditionskurs nicht nur WM-Punkte verloren, vor allem der Spaß blieb auf der Strecke. "Da kann man sich's echt abgewöhnen", sagt der Moto2-Pilot nach seiner Rückkehr in die Box: "Es war nicht trocken, es war nicht nass. Die falschen Reifen hatte sowieso jeder drauf, das Setup war total daneben."

Die Wetterkapriolen hatten den Fahrern das Leben am gesamten Wochenende schwer gemacht, besondere Probleme gab es aber im Moto2-Rennen. Schon kleine Fahrfehler hatten große Folgen. "Es war nur ein Streifen auf der Ideallinie trocken", erklärt der zum Zeitpunkt des Sturzes siebtplatzierte Bradl, und genau das wurde dem Zahlinger zum Verhängnis. Das Hinterrad seiner Kalex rutschte am Kurveneingang weg, die Maschine war nach dem harmlosen Sturz nicht mehr fahrtüchtig.

Sauer hatte Bradl auf die Panne reagiert, mit den Händen gegen den Helm geschlagen und später im Fahrerlager wütend die Tür des Motorhomes zugeknallt. Der WM-Dominator war bedient, von vier Saisonsiegen verwöhnt, musste Bradl die Enttäuschung erst einmal verkraften. Schwer fiel das nicht, schließlich reicht schon ein kurzes Studium des WM-Klassements, um ein solches Missgeschick schnell abhaken und nach vorn blicken zu können.

57 Punkte liegt Bradl (127) nach sieben von 17 Läufen vor Marc Marquez (70), dem amtierenten 125ccm-Weltmeister, der in Assen gewann und sich nach einem missglückten Start in die neue Klasse inzwischen zum gefährlichsten Gegner entwickelt hat. Der Spanier ist trotz seines Erfolges aber in weiter Ferne, deshalb bleibt Bradl ("Ich führe noch komfortabel") ganz entspannt. Ein einziger Ausrutscher kann den derzeit besten deutschen Motorrad-Piloten nicht in Unruhe versetzen.

Viel Zeit zum Grübeln bleibt ohnehin nicht, schon am Sonntag geht es im italienischen Mugello weiter. "Das ist Jammern auf hohem Niveau", sagt Bradl und schlug das Kapitel Assen ganz schnell zu. Sechsmal ist der deutsche Hoffnungsträger bei der Dutch TT an den Start gegangen, ein Podiumsplatz sprang dabei nie heraus. Kummer im niederländischen Regen ist Bradl gewöhnt.

Auch im kommenden Jahr wird sich der Schwabe wieder ins Nachbarland aufmachen, vermutlich aber nicht mehr in der Moto2 um den Titel fahren. Der Wechsel in die Königsklasse MotoGP steht bevor. "So wie es momentan aussieht, kann man damit rechnen", sagt Bradl am späten Samstagabend bei seinem ersten Besuch im Aktuellen Sportstudio des 'ZDF': "Es gibt Gespräche, ich will aufsteigen und habe das Potenzial."

Ob Bradl das Abenteuer mit seinem Kiefer-Team in Angriff nimmt oder zu einem etablierten Rennstall geht, ist weiterhin offen. "Es ist geplant, mit Stefan in die MotoGP aufzusteigen", sagt Teamchef Stefan Kiefer: "Wir versuchen alles, um ihn zu halten."

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