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Stefan Bradl hat in der Moto2-WM 23 Punkte Vorsprung auf Verfolger Marc Marquez © imago

Stefan Bradl geht trotz Top-Chancen verhalten ins WM-Finale. Simoncellis Tod beschäftigt ihn. Sein Vater hält das für gefährlich.

München - Die Tränen sind getrocknet, doch die Trauer ist geblieben: Nur zwei Wochen nach dem tödlichen Unfall des Italieners Marco Simoncelli sucht die Motorrad-WM den schweren Weg zurück zur Normalität. Doch die Fahnen wehen auch im Fahrerlager von Valencia auf halbmast - zumindest symbolisch gesehen. Denn zu frisch ist die Erinnerung an Simoncelli.

"Es wird nicht alles normal sein"

Auch für Stefan Bradl, der beim Saisonfinale am Sonntag in Valencia (Training, Fr., ab 13 Uhr LIVE im TV auf SPORT1) als erster Rennfahrer seit 18 Jahren wieder einen WM-Titel nach Deutschland holen kann, ist es kein Grand Prix wie jeder andere. "Es wird nicht alles normal sein. Das wird keine Riesenparty", sagt Bradl, dem bereits ein 13. Platz zum Titelgewinn in der Moto2-Klasse reicht. (VIDEO: Toni Mang im SPORT1-Interview)

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Vater Helmut, Vize-Weltmeister 1991 in der damaligen 250er Klasse, hofft, dass der Sohn den Tod des Kollegen zumindest für die Dauer des Rennens ausblenden kann: "Es geht immer lange Zeit gut und dann schlägt das Schicksal eben wieder zu. Du fängst an zu überlegen. Du darfst dich aber nicht verrückt machen lassen", sagte Bradl Senior.

Die Stunde der Wahrheit schlägt für Bradl am Sonntag um 12.15 Uhr, dann startet der letzte WM-Lauf in diesem Jahr. (476076DIASHOW: Stefan Bradls Karriere)

23 Punkte Vorsprung

Vor dem Showdown mit dem spanischen Lokalmatador Marc Marquez hat er 23 Zähler Vorsprung und muss eigentlich nur versuchen, sich beim Rennen auf dem "Circuit de Ricardo Tormo" bis zum Ziel auf dem Motorrad zu halten. Sollte Marquez nicht gewinnen, so stünde Bradl unabhängig vom eigenen Ergebnis als Weltmeister fest.

"Wenn alles normal läuft, müsste er den Sack zumachen können", sagt Bradls Teamchef Stefan Kiefer. Doch Vater Helmut traut der guten Ausgangssituation noch nicht: "Gerade im Motorradsport kann alles sehr schnell gehen, da bist du von der einen Sekunde zur nächsten raus."

Marquez: Sturz in Malaysia

Das weiß auch Marquez nur zu gut. Als WM-Führender reiste er zum Grand Prix von Malaysia. Dann stürzte er im Training und musste auf Anraten der Ärzte auf einen Start im Rennen verzichten. Tatenlos musste er danach zusehen, wie Bradl Zweiter wurde und ihm den Spitzenplatz abjagte.

Letzter deutscher Motorrad-Weltmeister war Dirk Raudies aus Biberach 1993 in der 125er Klasse. "Wir werden erst so richtig feiern, wenn er das geschafft hat", sagt Bradls Onkel Max, der gemeinsam mit Helmut Bradl ein Motorradhaus im bayerischen Dorf Zahling betreibt. Sie könnten dann auch den Werbeslogan "Kaufen Sie bei den Vize-Weltmeistern" in der Werkstatt getrost abnehmen.

Bradl bleibt vorsichtig

"Noch ist nichts gewonnen", sagt Stefan Bradl trotz der scheinbar beruhigenden Führung. Auch der örtliche Fanclub geht die WM-Entscheidung eher ruhig an. "Ich bin die Einzige, die nach Valencia fliegt", sagt Melanie Huster, die stellvertretende Vorsitzende der Fanvereinigung. (Bradl: "Sehr spezielles Rennen")

Der überwiegende Teil des Fanclubs wird sich die WM-Entscheidung im heimischen Feuerwehrhaus auf einer Großbildleinwand ansehen. "Die Vorbereitungen laufen wie immer, da machen wir erstmal nichts anders", sagt Huster.

Die eigentliche Party soll am 26. November steigen. Für diesen Tag plant der Fanclub einen Empfang für den dann hoffentlich frisch gekürten Titelträger. "Aber wir feiern ihn auch, wenn er Zweiter wird", sagt Huster.

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