vergrößernverkleinern
Stefan Bradl hat in der Moto2-WM 23 Punkte Vorsprung auf Verfolger Marc Marquez © getty

Quasi-Weltmeister Stefan Bradl traut den Meldungen über WM-Rivale Marc Marquez nicht. Er versucht, konzentriert zu bleiben.

München - Stefan Bradl wollte die Glückwünsche lieber nicht annehmen.

"Ich traue dem Ganzen nicht", sagte der Motorrad-Pilot, als ihn die Nachricht vom angeblichen Startverzicht seines einzigen Titelkonkurrenten Marc Marquez vor dem Abflug nach Valencia (Training, Fr., ab 13 Uhr LIVE im TV auf SPORT1) erreichte. (476076DIASHOW: Stefan Bradls Karriere)

Der 21-Jährige tat gut daran, die vermeintliche Entscheidung im Rennen um die WM-Krone in Frage zu stellen, denn schnell sah die Sache schon wieder ganz anders aus.

Marquez ist das Thema

Hinter dem Einsatz des Spaniers steht vor dem Saisonfinale in seiner Heimat zwar weiter ein großes Fragezeichen, eine kleine Chance gibt es aber noch.

Marquez war das große Thema unmittelbar vor dem Start ins Rennwochende, nicht etwa Bradl.

Schließlich spielt der amtierende 125ccm-Champion bei der Vergabe des Moto2-Titels ein ganz entscheidende Rolle. Nur das Supertalent kann noch verhindern, dass Deutschland den ersten Motorrad-Weltmeister seit 18 Jahren feiert.

[kaltura id="0_j31mbzm9" class="full_size" title="Weltmeister ja oder nein Verwirrung um Bradl"]

Marquez: Sehkraft bei 35 Prozent

Dass es anders kommt, scheint nahezu ausgeschlossen. Laut spanischen Medienberichten soll eine Untersuchung ergeben haben, dass Marquez die Sehkraft auf seinem verletzten Auge zu 35 Prozent wiedererhalten hat (nach seinem Trainingssturz beim Malaysia-GP waren es acht Prozent, d. Red.). Für einen Rennstart würde der Wert nicht reichen, vor allem in Kurven wäre die Gefahr zu groß.

Marquez Resthoffnung: Eine Heilung quasi über Nacht, die laut den Ärzten nicht völlig auszuschließen sei.

"Ein anderes Gefühl"

Muss Marquez am Sonntag zuschauen, gehört der Titel Bradl. (VIDEO: Toni Mang im SPORT1-Interview)

Der Spitzenreiter beschäftigt sich nur nebenbei mit den Problemen seines spanischen Rivalen, in erster Linie konzentriert sich Bradl wie immer auf sich selbst. Vor allen Dingen, weil er sein Schicksal selbst in der Hand hat.

Trotz der ausgezeichneten Ausgangslage versucht der Kalex-Pilot, sich auf einen ganz normalen Grand Prix einzustellen, auch wenn es diesmal schwer fällt. "Ich verspüre nicht mehr Druck als vor einem anderen Rennen, aber es ist schon ein anderes Gefühl als sonst", gibt Bradl zu.

Platz 13 reicht

Der Grund dafür ist einfach, der Titel liegt für den Zahlinger auf dem Präsentierteller.

Bradl hat vor dem möglichen Showdown 23 Punkte Vorsprung auf seinen Verfolger Marquez, schon ein 13. Platz würde dem Sohn des früheren Vizeweltmeisters Helmut Bradl beim Griff nach der Trophäe reichen.

Suter-Pilot Marquez hat nur dann eine Chance, wenn Bradl weniger als drei Punkte holt und er selbst das Rennen vor seiner Haustüre gewinnt. Dass dieses Kunststück dem Wunderkind aus Katalonien im derzeitigen Gesundheitszustand gelingt, darf angezweifelt werden.

Raudies drückt die Daumen

Alles spricht für Bradl. Die Aussichten, als erster deutscher Pilot nach Dirk Raudies wieder einen WM-Titel nach Deutschland zu holen, könnten kaum besser sein. Raudies hatte 1993 in der 125ccm-Klasse triumphiert, am Wochenende drückt er kräftig die Daumen. "Stefan wird am Sonntag hoffentlich neuer Weltmeister", sagte der heute 47-Jährige dem "kicker"

Bradl steht vor dem Höhepunkt seiner bisherigen Karriere, die beherrschende Figur rund um den Grand Prix wird aber eine andere sein. In Spanien steht das erste Rennen nach dem tödlichen Unfall des Italieners Marco Simoncelli an. (Bradl: "Sehr spezielles Rennen")

Bradl ist froh darüber, dass es nach der Tragödie von Malysia weitergeht: "Ich denke, es ist auch im Sinne von Marco, dass wir uns wieder unseren Sport konzentrieren. Ich denke, er hätte das auch so gewollt. Wenn wir dann am Sonntag auf eine erfolgreiche Saison anstoßen können, werden unsere Gedanken sicher auch mit bei ihm sein." Zum Forum - hier mitdiskutieren!Zurück zur Startseite

teilentwitternE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel