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Stefan Bradl wechselte 2010 nach fünf Jahren bei den 125ern in die Moto2 © imago

Der gepeinigte Spanier kann bei der Quali in Valencia nicht starten, Bradl steht als erster deutscher Champion seit 1993 fest.

Valencia - Stefan Bradl ist am Ziel: Der 21-Jährige hat als erster deutscher Motorrad-Pilot seit Dirk Raudies einen Weltmeistertitel geholt und damit eine 18-jährige Durststrecke beendet.

Schon vor dem Saisonfinale am Sonntag in Valencia steht der Zahlinger als neuer Champion der Moto2-Klasse fest, weil sein einziger Titelkonkurrent Marc Marquez nicht an den Start gehen kann.

Der Spanier trat wegen der Folgen eines Sturzes nicht zum Qualifying an.

Marquez darf damit am Sonntag (ab 12.15 Uhr LIVE im TV auf SPORT1+ und im SPORT1-LIVESTREAM) beim Heimrennen nicht fahren und muss Bradl den Titel kampflos überlassen.

Keine Feierstimmung

Die Nachricht ließ Bradl und sein Team am Samstag in Valencia allerdings zunächst völlig kalt. Von Feierstimmung war keine Spur, obwohl auch der Veranstalter Dorna Marquez' Verzicht bestätigte.

"Ich glaub's erst, wenn das Qualifying vorbei ist", sagte Bradls Vater Helmut bei SPORT1.

Der ehemalige Vize-Weltmeister konnte seinen Unmut über die andauernde Ungewissheit - am Mittwoch hatte die Dorna Bradl vorschnell zum Weltmeister erklärt - nicht verbergen:

"Ein offener Kampf wäre uns allen lieber gewesen als dieses Schachspiel. Da vergeht einem auch irgendwie die Laune. So oder so: Wenn das Wochenende vorbei ist, wird eine Riesenlast von uns abfallen."

"Wir haben einen Job zu machen"

Auch Bradls Team Kiefer Racing verweigerte zunächst jeden Glückwunsch 476076(DIASHOW: Stefan Bradls Karriere).

"Wir wollen nur ein ganz geiles Rennen fahren, an etwas anderes denken wir nicht. Wir haben einen Job zu machen. Nach dem Sieg im freien Training wollen wir auch das Qualifying gewinnen. Etwas anderes interessiert uns nicht", sagte Team-Sprecher Armin Juppenlatz vor dem Qualifying am Samstagmittag.

ADAC-Sportpräsident Hermann Tomczyk war sich hingegen sicher und gratulierte: "Der deutsche Motorradsport kann nach dem Triumph von Dirk Raudies im Jahr 1993 endlich wieder einen Motorrad-Weltmeister stellen", sagte Tomczyk erleichtert.

Marquez mit Sehproblemen

Bradl und der 125ccm-Weltmeister Marquez hatten sich in den vergangenen Monaten einen erbitterten Kampf um den Titel geliefert, jetzt wurde das Duell abseits der Strecke entschieden.

Marquez plagen weiterhin Sehprobleme, nachdem der 18-Jährige im Training zum Großen Preis von Malaysia schwer gestürzt war.

Durch den Ausfall des Konkurrenten wurde andererseits auch Bradl die Chance genommen, den heiß ersehnten Triumph auf der Piste klar zu machen.

Dabei waren die Aussichten nahezu perfekt. 23 Punkte Vorsprung hat der 21-Jährige vor dem 17. WM-Lauf, beim letzten Start des Jahres hätten ihm schon drei Zähler und damit bereits ein 13. Rang gereicht, um den Titelgewinn perfekt zu machen.

Jetzt sind mit einem Mal alle Rechenspiele überflüssig geworden, Bradl hat es geschafft (VIDEO: Toni Mang im SPORT1-Interview).

Höhepunkt des Jahres

Der Titelgewinn in der zweithöchsten Klasse der Motorrad-WM ist für Bradl der Höhepunkt eines sensationellen Jahres mit reichlich Dramatik.

Der Kalex-Pilot hatte die Anfangsphase der Saison mit vier Siegen in sechs Rennen dominiert, doch danach schlug die Stunde von Marquez.

Nach erheblichen Startschwierigkeiten trumpfte der Moto2-Aufsteiger ganz groß auf, gewann ein Rennen nach dem anderen und zog beim drittletzten Lauf im japanischen Motegi sogar an Bradl vorbei, der zwischenzeitlich mit 82 Punkten geführt hatte.

Nach dem Startverbot für den gestürzten Marquez setzte sich Bradl in Kuala Lumpur wieder an die Spitze. Entscheidend, wie sich im Nachhinein herausstellte.

Raudies letzter Weltmeister

Bradl ist der achte deutsche Motorrad-Pilot, dem auf der Straße ein Titelgewinn gelang (ohne Gespanne).

Zuletzt hatte der heute 47-jährige Raudies im Jahr 1993 die Weltmeisterschaft der 125ccm-Klasse für sich entschieden.

Die Pole Position in der Moto2 holte der Italiener Michele Pirro vor seinem Teamkollegen Yuki Takahashi aus dem Gresini-Team, das vor zwei Wochen MotoGP-Pilot Marco Simoncelli durch den tödlichen Unfall in Malaysia verloren hatte. Bradl wurde Vierter, Max Neukirchner (Stollberg/MZ) belegte Rang 24.

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