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In der Moto2 gilt der Spanier Pol Espargaro als heißer Titelfavorit © Ponsracing

Kalex entwickelt für die kommende Moto3-Saison ein komplett neues Motorrad und rüstet mehr Teams aus - Neue Hinterradschwinge für Moto2-Maschine

In den kleinen Klassen hat sich Kalex-Engineering zu einem Top-Chassishersteller entwickelt. 2011 wurde mit Stefan Bradl der WM-Titel in der Moto2 gewonnen und auch in der abgelaufenen Saison zählten Kalex-Motorräder gemeinsam mit dem Konkurrenzprodukt von Suter zu den besten Maschinen im Feld. Die WM-Titel gingen allerdings an die Schweizer-Firma. Pol Espargaro forderte Marc Marquez über die Saison heraus und überzeugte viele Fans durch seine erfrischende und offene Art. So zeigt sich auch Firmenmitgründer Alex Baumgärtel vom Spanier überzeugt. Seine persönlichen Highlights 2012 waren: "Espagaros Dynamik, Lebensfreude und wie der das Motorrad bewegt", verrät Baumgärtel im Gespräch mit 'Motorsport-Total.com'.

"Man hat gesehen, dass er um jede Pole gekämpft hat. Allein der Name war ja schon fast Motto: Pol(e)-Position." Kalex ist im Motorradsport eine noch sehr junge Firma. Das Moto2-Reglement bildete ab 2010 die ideale Plattform für den Einstieg in die WM. "Wir sind eigentlich ohne Erwartungen da eingestiegen. Die einzige Erwartung, die wir an uns selber hatten, war einen möglichst guten Job zu machen", blickt Baumgärtel zurück. "Das haben wir wohl geschafft. Ich denke, das ist ein guter Ramp-Up, den wir haben - auch in der kleinen Klasse im zweiten Jahr."

"Vertrauen von den Teams zu bekommen, zu uns zu wechseln oder beim Neueinstieg auf unser Produkt zu vertrauen. Es ist ja nicht nur die Technik sondern auch die Art und Weise, wie man mit den Teams verhandelt und umgeht. Da haben wir von Anfang an eine klare Strategie gehabt: der offenen Diskussion und Gleichbehandlung. Das hat sich bis dato ausgezahlt. Und das unterstützt mit einem sauberen Technikpaket macht uns erfolgreich."

2012 widmete sich Kalex auch der neuen Moto3-Klasse. Als Triebwerk setzte man exklusiv auf die starken KTM-Motoren. Im Gegensatz zu den KTM-Werksmotorrädern, die einen Stahlrohrgitterrahmen verwenden, setzt Kalex in der kleinsten Klasse auf ein Alu-Chassis. Im ersten Jahr hat man viel gelernt und die gesammelten Erfahrungen fließen in das nächstjährige Motorrad für 2013 ein. "Moto3 ist eigentlich ein neues Motorrad, das heißt neuer Rahmen, neue Schwinge, Kühler, Abgasanlage, Tank, Verkleidung", bestätigt Baumgärtel die Entwicklungsrichtung.

"Da haben wir ausreichend in dem ersten Jahr gelernt, um zu sagen: Okay, da können wir nochmal einen richtigen Schritt machen. Ich bin da ziemlich zuversichtlich, dass wir da mit der Performance auch nachlegen werden. Wir sind weiterhin exklusiv mit KTM in der Moto3 am Start, was uns freut, und auch mit acht Motorrädern sind wir da auch natürlich gut ausgestattet. Da sind wir eigentlich über dem, was wir uns als Minimumziel gesetzt hatten."

In der kleinsten Klasse wurde das Aufgebot für 2013 vergrößert. "Moto3 ist Aspar mit Folger." Sein Teamkollege wird der junge Eric Granado sein. "Dann RW mit Iwema und Kornfeil. Dann haben wir Kiefer mit Alt und Finsterbusch. Zusätzlich dann noch die zwei Ein-Mann-Teams Öttl bei Interwetten und eben Livio Loi bei Marc-VDS", zählt Baumgärtel die Moto3-Teams für 2013 auf. Sollte mit Aspar ein Juniorteam in der spanischen Meisterschaft zustande kommen, dann werden dort 2012er-Chassis eingesetzt.

In der Moto2 bleiben einige Teams gleich, andere kommen hinzu. "Pons bleibt mit seinem Dreiergespann Espagaro, Rabat und Pons. Dann Marc-VDS bleibt mit Kallio und Redding. Italtrans mit Nakagami und Simon. Cortese bei Intact und Avintia mit Elias und Kyle Smith." Auch Marcel Schrötter und Xavier Simeon werden im SAG-Team Kalex fahren. Neu ist das Intact-GP-Team mit Moto3-Weltmeister Sandro Cortese. Baumgärtel war bei dessen erstem Test im November in Almeria vor Ort und zog ein positives Fazit.

"Ja, alles soweit prima verlaufen, ohne Probleme. Ausreichend Runden gespult, 50 Runden pro Tag im Schnitt. Mit Sicherheit ist es ne Umstellung vom kleinen Rennmotorrad auf das größere, aber das hat ihm zumindest ein Lächeln ins Gesicht gezaubert. Ich glaube er ist relativ happy mit dem ganzen Thema. Nach Rundenzeiten haben wir nicht wirklich geschaut, sondern nur Runden Runden Runden fahren und dafür hat er sich kontinuierlich gesteigert. Er nimmt das alles recht locker."

In Almeria war Cortese noch mit Dämpfungselementen von White Power unterwegs. Mittlerweile hat sich die Situation allerdings geändert und der Deutsche wird 2013 wie alle anderen Kalex-Fahrer auch mit Öhlins fahren. Auch in der Moto2 schreitet die Entwicklung kontinuierlich voran, aber die Schritte sind im Vergleich zur Moto3 deutlich kleiner. Es wird hauptsächlich Finetuning betrieben. Bei den November-Tests in Valencia und Almeria wurde eine neue Hinterradschwinge ausprobiert, "die sozusagen schon verabschiedet ist", sagt Baumgärtel.

Detailentwicklung in der Moto2

"Wir hatten noch zwei verschiedene Varianten Rahmen dabei, um ne finalisierende Richtung zu bestätigen. Das war alles positiv. Nochmal Linksystem, es werden noch mehr Gabelbrücken kommen. Aerodynamik bleibt so, wie sie ist. Das sind so in der Moto2 eher Feintuning." Personell hat sich bei Kalex wenig geändert. Ein Field-Engineer ist zum neuen Team rund um Cortese abgewandert. Baumgärtel sieht seine Firma personell gut aufgestellt. "Zumindest zum Anfang der Saison wird Klaus (Hirsekorn; Anm. d. Red.) mit dabei sein, mein Teilhaber."

"Wir haben gespürt, jetzt haben wir teilweise eine langfristige Beziehung mit einigen Teams. Das läuft alles viel viel einfacher und reibungsloser ab. Man muss sich am Anfang der Saison viel mehr um die Neueinsteiger kümmern, da personell vor Ort sein, bei der Logistik unterstützend sein und dann werden wir sehen, wie sich das bis Mitte der Saison entwickelt, ob wir da dann nochmal durchziehen. Dann werden wir sehen."

"Eigentlich ist das ein Level an Fahrzeugen, das wir für 2013 haben, das wir nicht zwingend überschreiten wollen, auch für die Zukunft nicht. Somit wird sich jetzt dann in diesem Jahr eigentlich zeigen, wo der Weg personell hingehen muss. Es ist natürlich immer eine Frage der Kosten. Die Reisekosten sind jetzt vernachlässigbar. Wir haben jetzt noch einen Überseelauf mehr mit Austin. Das muss ja das Team zahlen. Wir leben nur vom Rennsport hier im Grand-Prix-Paddock. Und da muss man auch personell eine Balance halten."

Neben der Motorrad-WM ist Kalex auch in Spanien aktiv. "Ich denke da wird Jesko Raffin weitermachen auf Kalex, dazu eventuell Edgar Pons. Es gibt noch Anfragen von anderen Teams, aber da muss man jetzt mal schauen, was man jetzt noch an gebrauchtem Material zusammenkriegt, um die zu versorgen. Schauen wir mal." In der spanischen Meisterschaft wird mit älteren Modellen gefahren. "Das waren 2010er/11er-Varianten jeweils. Also noch nicht auf dem Level jetzt. Also die Dani Rivas wird weiterhin fahren. Dort womöglich der jüngere Bruder von Yonny Hernandez. Das ist ein Guter. Da gibt es womöglich noch eine Möglichkeit für Hafizh Syahrin."

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