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Anthony West meisterte die Bedingungen in Assen besser als seine Gegner © QMMF

Der Assen-Sieger blickt auf das denkwürdige Rennen zurück und erklärt, was er vor dem Start eines Regenrennens anders macht als seine Konkurrenten

Elf Jahre nach dem Sieg des 250er-Rennens konnte Anthony West in Assen seinen zweiten Grand-Prix-Sieg holen. Erneut konnte der Australier bei schwierigen Bedingungen sein Fingerspitzengefühl beweisen und sich dank einer fehlerfreien Fahrt als Sieger feiern lassen. "Ich kann immer noch nicht aufhören, zu lachen. Es war unglaublich und sorgt für ein sehr gutes Gefühl", erklärt er den Kollegen von 'Crash.net' und blickt auf den Renntag in Assen zurück.

"Da unser Qualifying so schlecht lief, erwartete ich nicht, irgendwo in der Nähe der Spitze zu landen. Ich hoffte auf einen Platz in den Top 10, aber sicher nicht den Sieg", gesteht West, der nach einigen Runden die Führung von Simone Corsi erbte und sie bis ins Ziel verteidigen konnte. "Die wechselnden Bedingungen waren ein Problem. Es trocknete ab und war in jeder Runde anders. Selbst eine Zielankunft wäre eine Leistung gewesen."

"Ich musste immer härter pushen, um Akzente zu setzen. Gleichzeitig musste ich mich erinnern, wo die nassen und trockenen Stellen sind. Ich musste in jeder Runde die Linie finden. Es war, als ob ich in jeder Runde die Strecke neu lerne. Das kostete sehr viel Konzentration", schildert der Speed-Up-Pilot, der von Startplatz 23 ins Rennen ging. Bereits in der ersten Runde konnte West zahlreiche Positionen gutmachen.

"In der ersten Runde konnte ich bereits einige Fahrer überholen. Ich denke, ich lag auf Position zehn oder elf. Ich weiß nicht wie mir das gelang. Ich war sehr entschlossen", erklärt der QMMF-Pilot, der durch den Sieg in Assen seinen Ruf als Regenspezialist gefestigt hat. Um bei schwierigen Bedingungen einen Vorteil zu haben, setzt West auf eine besondere Taktik. Beim Weg in die Startaufstellung lässt sich der zweifache Grand-Prix-Sieger auf mehr Risiko ein.

"Wenn es nass ist und ich für die Besichtigungsrunden auf die Strecke gehe, pushe ich sehr hart. Andere Fahrer steigern sich Stück für Stück. Von der ersten Kurve der Besichtigungsrunde versuchte ich, das Knie auf den Boden zu bekommen, um abschätzen zu können, wie es ist, wenn ich pushe", berichtet West, der durch seine riskante Technik spürte, wie sich seine Moto2-Maschine am Limit verhält.

"Da ich so hart pushte, konnte ich in der Startaufstellung eine Änderung an den Federelementen machen, die für das Rennen eine große Verbesserung war. Wir fuhren ein viel weicheres Setup, weil ich keine Haftung hatte, wenn ich ans Gas ging", bestätigt der Moto2-Routinier, der 0,318 Sekunden vor Rookie Maverick Vinales ins Ziel fuhr und mit dem Triumph in Assen die Kalex-Siegesserie beendete.

"Es war mein erster Sieg seit Assen 2003", hält West fest, der sich freute, dass sein Vater beim Sieg vor elf Jahren und auch in diesem Jahr in Assen anwesend war: "Es war merkwürdig, weil damals mein Vater vor Ort war und meinen Sieg sah. Mein Vater ist nicht besonders oft bei Rennen. Doch dieses Mal kündigte er sich auch an und meinte vor dem Rennen, dass es regnet und ich wie 2003 gewinnen werde. Ich schenkte ihm keinen Glauben - jetzt aber schon. Weil er anwesend war, wurde der Sieg noch spezieller. Ich denke, ich muss ihn jetzt zu allen Rennen mitbringen, weil er Glück bringt."

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