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Enge Duelle: Im ausgeglichenen Moto2-Feld entscheiden Nuancen © FGlaenzel

In der Moto2 entscheiden teilweise Tausendstelsekunden über Erfolg oder Niederlage: Routinier Anthony West gibt einen Einblick in die Tricksereien der Teams

Seit der Saison 2010 ersetzt die Moto2 die 250er-Klasse und sorgt seitdem für spannenden Rennsport. Dank Einheitsmotoren und Einheitselektronik sind die Möglichkeiten der Teams begrenzt, sich einen technischen Vorteil zu erarbeiten. Entsprechend gering sind die Abstände zwischen den Piloten. Meist werden die Top 15 von weniger als einer Sekunde getrennt. Doch hinter den Kulissen ist die Welt nicht immer so heil, wie es nach außen den Anschein erweckt.

Die Teams sind bei der Manipulation der 600er-Honda-Einheitsmotoren kreativ. "Es ist möglich, die Regeln ein bisschen auszudehnen", bestätigt Routinier Anthony West gegenüber 'Crash.net'. "Es gibt Wege und Möglichkeiten, durch den Sprit und das Öl auf die Motoren einzuwirken. Die Leute finden immer wieder einen Weg. Ich habe gehört, dass im Qualifying ein dünneres Öl verwendet wird, durch das der Motor freier hochdreht. Vor einer Kontrolle kann man das Öl ablassen."

Doch nicht nur die Betriebsflüssigkeiten verführen die Teams dazu, in die Grauzonen des Reglements abzutauchen: "Der Motor hat eine Lichtmaschine, mit der die Batterie geladen wird. Es gibt die Möglichkeit, die Lichtmaschine vom Motor zu entkoppeln. Dadurch macht man ein oder zwei PS gut", berichtet QMMF-Pilot West, der mit seiner Speed Up das Rennen in Assen gewinnen konnte.

Besonders in den Anfangsjahren der Moto2 gab es immer wieder Teams, die sich mit der einheitlichen Elektronik beschäftigten und versuchten, die Mappings der Einspritzung so anzupassen, dass die Motoren mehr Leistung abgeben. "Zu Beginn bekam ich mit, dass es jemanden gelang, die ECU zu hacken und dadurch schneller zu werden. Die ECU erlaubt nur eine genau definierte Einspritzung, durch die der Motor keinen Schaden nimmt. Ich hörte, dass einige Leute die ECU hacken und dadurch extremere Einstellungen fahren konnten, um mehr Leistung zu generieren", erklärt West.

Und auch bei der Verlosung der Motoren gab es laut West Unregelmäßigkeiten: "Anfangs beschwerten sich viele Teams über die Motorvergabe. Es war geplant, die Motoren per Zufall zu verlosen, doch es wirkte damals nicht besonders willkürlich. Man konnte einen Motor aus dem vergangen Jahr, dem aktuellen Jahr oder dem Jahr davor bekommen. Wir zählten zu den Teams, die ziemlich oft einen älteren Motor bekamen. Das ist nun anders", vergleicht der Speed-Up-Pilot. "Es scheint, als ob es ein bisschen fairer läuft als in der Vergangenheit. Ich würde behaupten, dass 90 Prozent des Feldes mit ähnlichem Material fahren."

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