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Sandro Cortese hat sein Heimrennen auf dem Sachsenring gewonnen © KTM

Sandro Cortese gewinnt das Regenrennen auf dem Sachsenring und übernimmt die WM-Führung - Es ist der erste Sieg eines Deutschen auf dem neuen Kurs

Das Moto3-Rennen auf dem Sachsenring musste aufgrund eines heftigen Wolkenbruchs um 25 Minuten nach hinten verschoben werden. Die Strecke war zu Rennbeginn komplett nass, doch die Sonne kam heraus und trocknete den Asphalt rasch wieder ab. Bei schwierigen Bedingungen lieferte Sandro Cortese eine starke Leistung ab. Zunächst ging es der KTM-Werksfahrer vorsichtig an und drehte dann in der zweiten Rennhälfte auf. Cortese überholte Gegner um Gegner und setzte sich an die Spitze. Mit der schnellsten Rennrunde machte er den Sieg perfekt.

Es war der erste Triumph für einen Deutschen auf dem neuen Sachsenring. Sein WM-Konkurrent Maverick Vinales (FTR-Honda) fuhr blass und ging als 17. leer aus. Dadurch hat Cortese nun auch wieder die Führung in der WM-Wertung übernommen und hat 18 Punkte Vorsprung auf den Spanier. Das Podium komplettierten Alexis Masbou (Honda) und Luis Salom (Kalex-KTM). Luca Grünwald (Honda) und Toni Finsterbusch (Honda) sammelten als Achter und Elfter ebenfalls Punkte. Marcel Schrötter (Mahindra) und Jonas Folger (Ioda) schieden aus.

Kurz bevor die Motorräder in die Startaufstellung fuhren, ging ein heftiger Regenguss nieder. Die Strecke war komplett unter Wasser und die Bikes wurden an die Box geschoben. Es ließ wieder nach, aber die Piste war überflutet. Der Start wurde um 25 Minuten nach hinten verschoben. Als die Fahrer schließlich in die Startaufstellung fuhren, rutschte Luigi Morciano ins Kiesbett. Zudem musste er zehn Sekunden nach dem Erlöschen der Startampel aus der Box starten, weil er schon mehr als die acht pro Saison erlaubten Ioda-Motoren verwendet hat.

In der Aufwärmrunde tasteten sich die Fahrer langsam um den Kurs, um die Bedingungen einzuschätzen. In der Starttaufstellung ging bei Hector Faubel der Motor aus und auch er musste mit seiner Kalex-KTM aus der Box starten. Schließlich wurde das Rennen mit 25 Minuten Verspätung gestartet. Alle kamen gut durch die ersten Kurven. Adrian Martin (FTR-Honda) übernahm vor Jack Miller (Honda), Louis Rossi (FTR-Honda) und Folger die Führung.

Cortese ging es vorsichtig an und war nach der Startphase Achter. Sein WM-Konkurrent Vinales musste von Startplatz 24 losfahren und war in der Anfangsphase im Bereich von Platz 20. Trotz der schwierigen Bedingungen gab es in den ersten Runden keine groben Unfälle. Es bildete sich eine sechsköpfige Spitzengruppe bestehend aus Miller, Rossi, Martin, Salom, Folger und Brad Binder (Kalex-KTM). Cortese lag in der zweiten Gruppe, die nach vier Runden rund acht Sekunden Rückstand hatte.

Eine starke Leistung zeigte Miller, der aus seiner Zeit in der IDM den Sachsenring gut kennt. Der Australier führte das Rennen in der ersten Hälfte souverän an. Am Ende der sechsköpfigen Spitzengruppe fuhr Folger, der im Nassen die Nachteile des unterlegenen Ioda-Materials kompensieren konnte und sein Talent zeigte. Nach acht Runden zog Cortese das Tempo an und fuhr mehrmals die schnellste Rennrunde, um die Lücke zur Spitzengruppe zu schließen. Nach neun Runden betrug sein Rückstand sieben Sekunden.

Die Strecke trocknete zusehends und es spritzte immer weniger Gischt von den Rädern auf. Die Sonne kam wieder heraus und es bildete sich eine trockene Ideallinie. Cortese fuhr weiterhin die schnellsten Rennrunden und schloss 13 Runden vor Schluss auf die Spitzengruppe auf. Während Miller immer noch führte, arbeitete sich Cortese kontinuierlich nach vor. Folger konnte das Tempo nicht mehr gehen und fiel in die zweite Gruppe zurück.

Cortese überholte Gegner um Gegner, ging an Rossi, Salom und Miller vorbei und war elf Runden vor Schluss Zweiter. Masbou lag zu diesem Zeitpunkt in Führung. Der Franzose hatte dem KTM-Werkspiloten aber nichts entgegenzusetzen und der Deutsche übernahm erstmals die Führung. Cortese konnte sich aber nicht absetzen, denn Masbou klebte am Hinterrad der KTM. Aus der Spitzengruppe verabschiedete sich Martin durch einen Sturz.

Ein Problem war auch, dass viele Fahrer überrundet wurden. Dazu war eine schmale Ideallinie trocken. Einige Fahrer steuerten deshalb auf die noch nassen Streckenteile, um die Regenreifen zu kühlen. Um den Sieg kämpften in der Schlussphase drei Fahrer. Neben Cortese waren das Masbou und Salom. Vier Runden vor Schluss übernahm der Deutsche die Führung und versuchte die Flucht nach vorne. Cortese brannte auch gleich die schnellste Rennrunde in den Asphalt.

Salom verpasste zwei Runden vor Schluss den Bremspunkt in Kurve eins und nur noch Masbou konnte Cortese am Heimsieg hindern. Der KTM-Pilot verbesserte die schnellste Runde noch einmal und hatte für den letzten Umlauf eine halbe Sekunde Vorsprung auf Masbou. Der Franzose hatte noch nicht aufgegeben, konnte aber nichts mehr machen. Cortese fuhr den Sieg mit der schnellsten Rennrunde ins Ziel.

Zum ersten Mal in der Neuzeit gewann ein Deutscher auf dem Sachsenring. Es war der zweite Saisonsieg für Cortese und da Vinales überhaupt nicht zurecht kam, eroberte er auch die WM-Führung zurück. Der Spanier verpasste als 17. die Punkteränge. Somit führt Cortese nun mit 18 Punkten Vorsprung. Die Fans auf den Tribünen wurden nach dem Regenschauer belohnt und feierten Cortese.

"Ich bin unvorstellbar glücklich. Das Team hat an diesem Wochenende extrem gut gearbeitet. Ich denke, ich habe bewiesen, dass ich nicht nur im Training sondern auch bei diesen Bedingungen schnell bin", sagt Cortese. Masbou freute sich ebenfalls über ersten Podestplatz in seiner WM-Karriere. Salom setzte sich am Ende knapp gegen Miller durch und komplettierte das Podium.

Vazquez fuhr alleine den fünften Platz ins Ziel. Dahinter kämpften drei Fahrer um die Plätze sechs bis acht. An der Spitze dieser Gruppe war Zulfahmi Khairuddin (KTM). Faubel zeigte ein starkes Rennen und wurde von der Boxengasse aus Siebter. Beindrucken konnte auch Wildcard-Starter Grünwald, der sich mit seiner Honda des Freudenberg-Teams als Achter in Szene setzte.

Arthur Sissis (KTM) und Jakub Kornfeil (FTR-Honda) komplettierten das Podium. Auch MZ-Pilot Finsterbusch glänzte vor heimischer Kulisse und eroberte als Elfter wieder WM-Punkte. Die letzten Zähler gingen an Rookie Niccolo Antonelli (FTR-Honda), Alan Techer (TSR-Honda), Niklas Ajo (KTM) und Simone Grotzkyj (Suter-Honda). Auf der Zielgeraden wurde Vinales noch aus den Punkten verdrängt und kam als 17. über die Linie.

Die starke Anfangsphase von Folger wurde nicht belohnt. Es gab wieder einen defekt an seiner Ioda und er rollte aus. Für Schrötter endete sein letztes Rennen für Mahindra nach einem Sturz im Kiesbett. Auch das Racing-Team-Germany konnte sich nicht über einen Erfolg freuen. Louis Rossi (FTR-Honda) mischte zwar in der Spitzengruppe mit, doch er stürzte in den letzten Runden. Das nächste Rennen findet am kommenden Wochenende im italienischen Mugello statt.

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