Folger schreibt tschechisches Märchen
Brünn/Köln - Jonas Folger hatte keine Ahnung, wie es weitergehen sollte.
Urplötzlich stand der Teenie ohne Maschine da, schuldlos - vier Wochen vor Saisonbeginn.
Fünfeinhalb Monate später ist der Kummer vorbei.
Mit dem Sieg in Brünn hat der 19-Jährige sein ganz eigenes tschechisches Märchen geschrieben ( Bericht).
"Das hätte wirklich keiner erwartet. Es ist ein super Gefühl, ein toller Tag. Ich bin überglücklich über diesen Erfolg", sagte der Bayer.
Bradl beeindruckt
Folger konnte es nach den frustriendenden letzten Monaten kaum fassen. Plötzlich läuft es wieder.
Bei schwierigen Verhältnissen hatte sich Folger den zweiten WM-Sieg seiner Karriere geholt. ( DATENCENTER: Der Tschechien-GP)
Regelrecht durch das Feld war der Moto3-Pilot gepflügt. Total überlegen, einfach unwiderstehlich.
Auch MotoGP-Pilot Stefan Bradl war von der Vorstellung beeindruckt. "Ich bin begeistert. Er hat alles richtig gemacht", sagte der Weltmeister.
Erst Dritter, dann Erster
Von ganz unten nach ganz oben, in atemberaubender Geschwindigkeit hat sich Folger in der Spitze zurückgemeldet.
Und alles, was es dazu brauchte, war eine vernünftige Maschine. Erst vor zweieinhalb Wochen hatte Folger beim spanischen Aspar-Team unterschrieben und war in Indianapolis direkt auf den dritten Platz gerast.
Eine Woche später setzte er in Brünn noch einen drauf. Dabei sah es für den Youngster lange nach einem verlorenen Jahr aus.
Unvorhersehbare Folgen
Im Dezember war Folger zu MZ gewechselt, etwas Besseres war damals nicht möglich.
Und die Entscheidung hatte unvorhersehbare Folgen. Die sächsische Motorradschmiede musste im Frühjahr auf Kurzarbeit umstellen und zog Geld vom Rennteam ab.
Folger wurde von einem Tag auf den anderen vor die Tür gesetzt. Ein Alptraum.
Enttäuschungen ohne Ende
In seiner Zwangslage ging Folger zum Ioda-Rennstall, doch die Enttäuschungen nahmen kein Ende.
Das neue Motorrad war nicht nur langsam, sondern auch noch unzuverlässig. Folger fuhr entweder hinterher oder stand mit einem Schaden am Streckenrand.
Der Oberbayer aus Schwindegg war im WM-Zirkus dabei, mehr aber auch nicht.
Gesundheitliche Probleme
Folger kennt das schon, in seiner Karriere hat es immer wieder Rückschläge gegegeben.
Im vergangenen Jahr hatte er im Regen von Silverstone das Rennen der 125ccm-Klasse gewonnen, im Alter von 17 Jahren, als jüngster deutscher Grand-Prix-Sieger der Geschichte.
Folger mischte kräftig im Titelrennen mit, leider nicht auf Dauer. Auch weil immer wieder gesundheitliche Probleme im Weg standen.
Erst war es eine bakterielle Infektion, dann erlitt er einen Kreislaufkollaps. Vor einem Jahr war das, in Brünn.
Schlechte Erinnerungen ausgelöscht
Die schlechten Erinnerungen an die Rennstrecke in Tschechien hat Folger mit einem Mal ausgelöscht.
Der beeindruckende Sieg macht vieles vergessen. Sicher aber nicht alles, denn Folger weiß ja, wie schnell das Pendel wieder umschlagen kann.
Zwangsläufig wird Folger aber darüber nachdenken, was möglich gewesen wäre, hätte er in diesem Jahr von Anfang an auf der Kalex von Aspar gesessen.
"Nicht perfekt abgestimmt"
Folger will weiter angreifen, der WM-Sechste der vergangenen Saison sieht sogar noch Reserven: "Das Motorrad ist noch nicht perfekt abgestimmt. Wir werden nicht aufhören zu arbeiten."
Folger wird im WM-Klassement wohl noch unter die Top 10 fahren, mehr geht in den ausstehenden sechs Rennen nicht mehr.
Und dann bleibt zu hoffen, dass er auch im kommenden Jahr eine schnelle Maschine fahren darf. Am besten von Beginn an. Die Bewerbungsphase läuft bislang ausgezeichnet.


