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Sandro Cortese feierte 2011 in Tschechien seinen ersten Grand-Prix-Sieg © getty

"Sandrissimo" wird nach seinem Sieg in Misano von der Familie gefeiert. Der WM-Titel ist zum Greifen nah, doch der 22-Jährige warnt.

Misano/Köln - Sandro Cortese blickte in vertraute Gesichter, als nach dem Coup von Misano (Bericht) der Glückwunsch-Marathon begann. (DATENCENTER: San-Marino-Ergebnis)

Erst fiel Schwester Sarah dem Mann des Tages um den Hals, dann gab es Küsschen von Oma Teresina.

Mutter Karin, Vater Antonio und Freundin Anna standen bei "Sandrissimo" ebenfalls schon Schlange für die große Familienfeier.

Mit einer weiteren Glanzvorstellung und seinem dritten Saisonsieg hat der Motorrad-Pilot aus Berkheim die Weichen endgültig Richtung WM-Titel gestellt.

46 Punkte Vorsprung

Fünf Rennen vor dem Saisonende liegt der Italo-Schwabe 46 Punkte vor seinem spanischen Verfolger Maverick Vinales. (DATENCENTER: WM-Stand Moto3)

Alles sieht danach aus, als würde der 22-Jährige ein Jahr nach seinem Kumpel Stefan Bradl ebenfalls Weltmeister werden.

In der Premierensaison der neuen Moto3 ist das große Ziel ganz nah.

"Einfach ruhig bleiben"

Cortese ist sich der glänzenden Ausgangslage bewusst, dennoch tritt der Favorit auf die Bremse.

"Natürlich war das ein großer Schritt. Aber wir müssen einfach ruhig bleiben und schauen, was passiert."

Gerade im Rennsport kann ein Sturz alles verändern und die Arbeit der gesamten Saison zunichte machen.

Doch der gereifte Cortese ist in diesem Jahr ein Muster an Beständigkeit.

Elfmal auf dem Podest

Kein einziges Mal ist Cortese ausgefallen, stand in zwölf Rennen elfmal auf dem Podest, dazu sechsmal auf der Pole Position.

Der KTM-Pilot funktioniert in seinem bereits achten WM-Jahr wie ein Uhrwerk.

Egal, wie die Bedingungen sind. Egal, an welchem Kurs gerade Halt gemacht wird.

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"Das war ein Traumwochenende"

Cortese hat nach der Rückkehr zum Team des Finnen Aki Ajo viele Höhepunkte gefeiert, doch der Triumph beim Großen Preis von San Marino in seiner zweiten Heimat Italien war etwas ganz Besonderes.

"Das war ein Traumwochenende", sagte Cortese und dachte dabei nicht nur an den sportlichen Erfolg.

Dass die ganze Familie mit dabei war, gab der Reise an die Adria eine spezielle Note.

Der Mama zittern die Hände

Alle fieberten mit, der italienische Vater litt genauso mit dem Sohn wie die deutsche Mutter.

"Es ist unbeschreiblich, mir zittern noch die Hände", sagte Karin Cortese kurz nach dem Rennen: "Wir haben noch fünf Rennen, aber es sieht gut aus."

Die Zahlen unterstreichen das, der Vorsprung ist beruhigend. Selbst wenn Cortese zweimal ausfällt, müsste der erst 17 Jahre alte Vinales beide Rennen gewinnen, um im Klassement vorbeizuziehen.

Zudem hat der junge Spanier im Gegensatz zu Cortese große Probleme im Regen.

Cortese praktisch fehlerfrei

Es gibt derzeit gar keinen Grund, an Cortese zu zweifeln. Der WM-Spitzenreiter tritt selbstbewusst auf und hat gelernt die Ellbogen auszufahren.

Oft genug war der frühere 125ccm-Pilot sich seiner Überlegenheit so sicher, dass er es zunächst vorsichtig angehen ließ, um dann in der entscheidenden Rennphase zuzupacken.

Anders als früher ist Cortese praktisch fehlerfrei unterwegs, genau wie sein Freund Stefan Bradl.

Cortese in Bradls Fußstapfen?

Der hatte im vergangenen Jahr als erster deutscher Pilot seit Dirk Raudies 1993 einen WM-Titel geholt.

Cortese könnte in die Fußstapfen des in die MotoGP aufgestiegenen Bradl treten. Auch in Sachen Aufstieg.

Der Zahlinger war nach fünf Jahren auf einer Achtellitermaschine in die Moto2 aufgestiegen und Weltmeister geworden, inzwischen ist der 22-Jährige in der Königsklasse angekommen.

Folgt der nächste Schritt?

Der logische nächste Schritt für Cortese wäre ein Wechsel in die zweitschwerste Serie.

Cortese will aufsteigen, allerdings nur wenn ein Team anklopft, das ihm Erfolgsaussichten bieten kann.

In der Bewerbungsmappe sind mittlerweile fünf Grand-Prix-Siege aufgeführt, jeder weitere hilft beim Vorstellungsgespräch.

Nichts wäre aber natürlich so wertvoll wie der Weltmeistertitel.