Weltmeister! Cortese am Ziel
Sepang - Als Sandro Cortese am Ziel seiner Träume angekommen war, spielte selbst das Wetter verrückt.
Im strömenden Regen stand der neue Weltmeister auf dem Siegerpodest und ließ sich am schönsten Tag seiner Karriere gebührend feiern.
Bis auf die Haut durchnässt jubelten Papa Antonio und Mama Karin ihrem Sohn in Sepang zu, kurz zuvor hatte der 22-Jährige durch seinen Sieg beim Großen Preis von Malaysia den vorzeitigen Titelgewinn in der Moto3 perfekt gemacht. ( DATENCENTER: WM-Stand der Moto3)
"Ich weiß gar nicht, was ich sagen soll. Das Rennen war so überwältigend, ich bin fix und alle", sagte Motorrad-Pilot Cortese nach der Rückkehr in die Box am SPORT1-Mikrofon.
Eltern eilen auf die Strecke
Auf dem Visier seines neuen Helms, den der Schwabe noch auf der Ehrenrunde gegen das alte Modell getauscht hatte, prangte der Schriftzug "Champion".
Ausgelassen war der Jubel direkt nach der Zieldurchfahrt, selbst die Eltern waren auf die Strecke hinaus geeilt und hatten den ersten Weltmeister der neuen Moto3-Klasse in die Arme geschlossen.
Danach riss der Mann des Tages eine Fahne mit seiner Nummer 11 in der Mitte durch und hielt stolz die 1 in die Höhe. Auch die Maschine war bereits mit der neuen Ziffer dekoriert worden.
Cortese fängt Lokalmatador ab
Vor dem Startschuss zur Familienfeier hatte Cortese den Matchball souverän verwandelt. Der Berkheimer fuhr beim drittletzten der 17 WM-Läufe kontrolliert in der Spitze mit, erst in der letzten Runde griff er an und überquerte schließlich als Erster über die Ziellinie.
"Ich hab das Ganze mit dem Sieg gekrönt", sagte der KTM-Pilot. Besser hätte es nicht laufen können.
"Heut Abend wird kräftig die Sau rausgelassen. Das haben wir uns verdient", betonte Cortese im Volkswagen Doppelpass.
Dass der Himmel nur wenige Minuten nach dem großen Coup seine Pforten öffnete, passte allerdings eher zur Gefühlslage der Zuschauer nach dem letzten Überholmanöver. Cortese entriss Lokalmatador Zulfahmi Khairuddin (KTM) auf der Zielgeraden den erhofften Sieg, Dritter wurde Jonas Folger (Kalex).
Folger und Salom gratulieren
Cortese hätte gar nicht gewinnen müssen, ergriff aber seine Chance und schlug aber wie so oft in dieser Saison eiskalt zu. "Gratulation an Sandro", sagte Folger.
Auch der Spanier Luis Salom (Kalex), der den WM-Triumph nach dem überraschenden Rückzug des bisherigen WM-Zweiten Maverick Vinales (FTR) als einziger Fahrer zumindest rechnerisch noch hätte verhindern können, gönnte Cortese den Erfolg:
"Er hat die meisten Rennen dominiert".
Vierter Saisonsieg
Der langjährige 125ccm-Pilot Cortese, Sohn eines italienischen Vaters und einer deutschen Mutter, führt nach 15 Rennen mit 280 Punkten vor Salom (207), der nur Vierter wurde.
Die beiden ausstehenden Grand Prix in Australien und Valencia kann Cortese völlig entspannt angehen.
Der Titelgewinn ist die logische Konsequenz eines fast perfekten Jahres. Cortese stand 13 Mal auf dem Podium und sechsmal auf der Pole Position. Viermal wurde er Erster, viermal Zweiter und fünfmal Dritter. Die Zielflagge sah der konstant schnelle Cortese immer.
Nachfolger von Raudies
Cortese, der seit dem Debüt 2005 sieben Jahre lang in der Achtelliterklasse gefahren war und zur nächsten Saison in die Moto2 wechselt, machte den Titelgewinn mit dem sechsten Grand-Prix-Sieg beim 131. Start perfekt.
"Ich wollte das Rennen heute unbedingt gewinnen, um zu zeigen, dass ich kein Fahrer bin, der nur auf Sicherheit fährt", erklärte Cortese im Volkswagen Doppelpass.
Nach Werner Haas (1953), Dieter Braun (1970) und Dirk Raudies (1993) ist er der vierte deutsche Weltmeister in der leichtesten der drei Klassen.
Dazu machte es Cortese seinem Freund Stefan Bradl nach. Der gleichaltrige Zahlinger war im vergangenen Jahr Moto2-Champion geworden und danach ebenfalls aufgestiegen.
Die Parallelen sind unverkennbar, MotoGP-Pilot Bradl ist seinem Kumpel nur noch eine Klasse voraus.


