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Livio Loi fuhr in Assen auch mit einer KTM hoffnungslos hinterher © Marc VDS

Auch der Wechsel von Kalex-KTM auf KTM brachte für Livio Loi nicht den erhofften Umschwung - Marc VDS erhöht den Druck auf den jungen Belgier

Das Marc-VDS-Team hat sich in den vergangen Jahren verstärkt auf die Förderung des Nachwuchses konzentriert, egal ob im Motorradrennsport oder im Automobilsport in der GT-Szene. Seit 2013 fährt Livio Loi in der Moto3-Klasse. Belgier waren in der jüngeren Vergangenheit nicht mit vielen Motorradtalenten verwöhnt. Xavier Simeon hat sich in der Moto2 etabliert, auf seinen ersten WM-Sieg wartet er allerdings noch. Loi beendete seine erste WM-Saison mit acht Punkten auf dem 22. Platz. Zum Vergleich: Philipp Öttl sammelte im Vorjahr 37 WM-Punkte. Beide saßen auf einer Kalex-KTM.

Bisher konnte die Kalex-KTM in der kleinsten Klasse nicht überzeugen. Lediglich in Argentinien mischte Loi in der Spitzengruppe mit und eroberte mit Platz vier sein mit Abstand bestes Ergebnis. Es sollte bis heute aber eine Eintagsfliege sein. Loi konnte nach Argentinien keinen einzigen WM-Punkt erobern. Das Marc-VDS-Team erhöhte den Druck auf den 17-Jährigen. Dieser wiederum schob es auf das Material.

Somit besorgte Marc-VDS für Assen eine KTM. Damit konnte sich Loi aber auch nicht in Szene setzen. "Es stimmt, dass sich unsere Erfolge in der Moto2 nicht in der Moto3 widerspiegeln, aber das liegt nicht am Einsatz des Teams", erläutert Teammanager Michael Bartholemy. "Livio hat die Kalex-KTM lautstark kritisiert. Deshalb haben wir für Assen die Entscheidung getroffen, auf eine KTM zu wechseln, damit wir sehen, ob Livio damit die erwarteten Fortschritte schaffen kann."

"Wir brachten eine Standard KTM RC250R am Mittwoch nach Assen und arbeiteten über Nacht, um sie aufzurüsten. Wir bauten den WM-Motor von KTM ein, die neuesten WP-Dämpfer und praktisch den kompletten KTM-Katalog an Werksteilen. Als das Motorrad am Donnerstag für das Freie Training aus der Box rollte, entsprach es mehr oder weniger der Werksspezifikation. Ich bezweifle, ob KTM den Unterschied feststellen hätte können, ohne die Teile zu zerlegen und sie zu vermessen."

Bartholemy stellt Moto3-Engagement in Frage

Allerdings lag Loi mit diesem Motorrad noch weiter zurück als mit der Kalex-KTM. "Erst im Qualifying verbesserte Livio seine Rundenzeit, aber es war zu spät. Er qualifizierte sich als 30. und kam im Rennen als 25. ins Ziel. Es war eine Enttäuschung für ihn und das Team." Loi fehlten im Qualifying 1,6 Sekunden auf KTM-Speerspitze Jack Miller. Nun besteht im Marc-VDS-Team die Gewissheit, dass nicht das Material ausschlaggebend für den Misserfolg ist.

"Noch enttäuschender ist, dass das Team nach Assen kritisiert wurde. Wir wurden dafür kritisiert, dass wir mit Kalex-KTM gefahren sind. Dann wurden wir dafür kritisiert, dass wir die KTM probieren und damit versuchen wollten, dass Livio sein Selbstvertrauen wieder findet", zählt Bartholemy das Dilemma auf. "Es scheint, dass wir es in den Augen einiger Leute nicht richtig machen können."

Trotzdem ist klar, dass Loi Leistung zeigen muss, wenn er seine Karriere in der WM fortsetzen will. "Die Situation ist klar. Wir sind in der Moto3, um Rennen zu fahren. Livio muss gute Resultate holen, die für ihn, das Motorrad und das Team möglich sind", hält Bartholemy fest. "Wenn keine Ergebnisse kommen, dann müssen wir uns überlegen, ob wir in der Moto3 weitermachen, wenn wir an jedem Wochenende außerhalb der Punkteränge ins Ziel kommen. Leider ist das die Realität. Der Rennsport auf diesem Level kostet mehr als eine halbe Million Euro pro Saison."

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