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Valentino Rossi wird frühestens im August wieder an der Strecke zurück erwartet © Yamaha

Die Teamführung von Yamaha nimmt Stellung zum Unfall von Valentino Rossi und den Folgen der Beinverletzung des italienischen Superstars

Die weiteren Geschehnisse des MotoGP-Wochenendes von Mugello gerieten für viele Fans zur Nebensache: Yamaha-Fahrer Valentino Rossi hatte sich bei einem Trainingssturz einen Bruch des rechten Schien- und Wadenbeins zugezogen und musste erstmals in seiner langen WM-Karriere ein Rennen auslassen. Nun befindet sich der italienische Rennfahrer bereits auf dem Weg der Besserung.

Das Yamaha-Team hat sich inzwischen intensiv mit dem Unfall und dessen Folgen auseinander gesetzt und stand den Medien ausführlich Rede und Antwort. So erläutert Crewchief Davide Brivio noch einmal die genauen Umstände des Sturzes: "Valentino legte etwa ein Viertel der Runde bei niedriger Geschwindigkeit zurück, wobei sich der Hinterreifen abkühlte und plötzlich an Grip verlor."

Der 31-Jährige hatte einigen Fahrerkollegen Platz gemacht, um diese auf ihren schnellen Runden nicht zu behindern. Als Rossi sein eigenes Tempo schließlich wieder forcierte, passierte das große Malheur: "Valentino verlor das Heck seines Motorrades", berichtet Brivio und schildert weiter: "Dabei war er ungefähr 180 km/h schnell. Sein Sturz erfolgte anschließend bei etwa 150 km/h."

Diesen gewaltigen Kräften war der Knochen im Schien- und Wadenbein des mehrmaligen Motorrad-Weltmeisters nicht gewachsen - nun ist Rossi erst einmal verletzungsbedingt außen vor. Wie lange dieser Zustand andauern wird, ist noch offen: "Das ist aktuell schwer zu sagen. Wir müssen sehen, wie seine Genesung verläuft", kommentiert Brivio die Zwangspause seines MotoGP-Schützlings.

Rossi soll sich in Ruhe auskurieren

"Etwa 45 Tage nach seinem Unfall werden wir ein klareres Bild von seinem Zustand haben. In der Zwischenzeit wird Valentino sehr mit seiner Wiederherstellung beschäftigt sein. Wir sehen es derzeit als unwahrscheinlich an, dass er innerhalb der nächsten zwei Monate zurückkehrt. Wenn alles gut verläuft, wird er im August oder im September wieder in den Rennbetrieb zurückkehren."

Zumindest einen Ortswechsel hat Rossi bereits vollzogen, wie sein Crewchief berichten kann: "Er hat das Krankenhaus von Florenz verlassen und ist nach Cattolica gereist, um in der Nähe seiner Heimat auf weitere Ärzte zu treffen. Möglicherweise wird er während seiner Genesung ständig zuhause sein. Wir wollen, dass er sich voll und ganz darauf konzentriert", erläutert der Yamaha-Angestellte.

"Aus diesem Grund werden wir ihn nicht in irgendwelche Aktivitäten einbinden, bis er körperlich wieder in Topform ist. Bis dahin wird er keine Rennen besuchen. Wenn er wieder an der Strecke auftaucht, dann bedeutet das, dass er wieder rennbereit ist", gibt Brivio zu Protokoll. Die Rennauszeit von Rossi komme darüber hinaus auch dessen lädierten Schulter zugute, wie der Italiener hinzufügt.

Die Genesung hat Priorität

"Seine Ärzte werden sich auch darum kümmern. Aufgrund des jüngsten Unfalls muss sein Genesungsprogramm aber leicht angepasst werden. Er muss nun andere Übungen durchführen. Schon am Freitag wird er damit beginnen", meint Brivio. Professor Roberto Buzzi attestiert Rossi allerdings eine bis zu sechs Monate währende Genesungszeit. Erst danach ist der "Doktor" wieder fit.

Diesen Augenblick sehnt Yamaha-Chef Lin Jarvis regelrecht herbei: "Ich freue mich darüber, dass Valentino das Krankenhaus verlassen hat und in seine Heimat zurückgekehrt ist. Das ist ein gutes Zeichen, denn es bedeutet, dass seine Genesung voranschreitet. Jetzt beginnt für ihn das Reha-Programm, was ihn körperlich vollkommen wiederherstellen wird", hält das Yamaha-Oberhaupt fest.

Eine Vertretung wird es vorerst nicht geben - doch Yamaha möchte nicht dauerhaft auf einen zweiten Piloten verzichten, wie Jarvis erläutert. "Wir werden ab dem Grand Prix in Barcelona einen Ersatzfahrer an den Start bringen. Wir haben dieses Rennen ausgewählt, um die Verpflichtungen unseres Teams gegenüber der MotoGP zu wahren und auch, um etwas Zeit zu haben", so Jarvis.

Für die Fans: Rossis Motorräder sind vor Ort

"Wir möchten den Fahrer dafür auszuwählen, der am besten dafür geeignet ist. Und wir wollen sicherstellen, bestmöglich für diese neue Situation gerüstet zu sein. Noch ist aber keine definitive Entscheidung gefallen, daher kann ich den Fahrer auch noch nicht nennen", sagt der Yamaha-Chef. "In der kommenden Woche oder spätestens in Silverstone werden wir es allerdings verkünden."

Obwohl die Rossi-Crew bei den kommenden Rennen in Silverstone und Assen nicht vor Ort sein wird, sollen die Fans dennoch die Möglichkeit haben, das Motorrad des Champions zu bewundern. Jarvis: "Valentinos Box wird aufgebaut und seine Bikes werden da sein, damit die Fans sie sehen können. Valentinos Crew wird indes nach Barcelona zurückkehren und den Ersatzfahrer unterstützen."

Die Abstinenz des "Doktors" trifft Yamaha hart, doch schwappt dem Team eine Welle der Solidarität entgegen, wie Jarvis abschließend betont. "Unsere Sponsoren haben Verständnis. Sie alle freuen sich darauf, Valentino wieder in Hochform zu erleben. Während seiner Genesungszeit wird Valentino aber keine Interviews geben. Yamaha wird zu gegebener Zeit eine Pressekonferenz anberaumen."

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