vergrößernverkleinern
Wer ersetzt Rossi? James Toseland, Ben Spies oder sogar Cal Crutchlow? © Yamaha

Die Rookie-Regel in der MotoGP wirft mehr Fragen auf als sie beantwortet - Wer darf Valentino Rossis Platz bei Yamaha überhaupt einnehmen?

Valentino Rossis verletzungsbedingter Ausfall stürzt nicht nur das Yamaha-Werksteam, sondern auch die Regelhüter der MotoGP in ein Dilemma. Der Grund dafür liegt in den Tiefen des sportlichen Regelwerks der Motorrad-Weltmeisterschaft. Dort findet sich seit dieser Saison folgender Artikel 1.11.11: "Fahrer, die zum ersten Mal an der Meisterschaft teilnehmen (Rookies), müssen in einem Nicht-Werksteam eingesetzt werden."

Dies bedeutet im Klartext, dass Neulinge in der "Königsklasse" zunächst für ein Kundenteam starten müssen. Damit sollen die Privatteams gegenüber den Werksmannschaften aufgewertet werden, indem verheißungsvolle Nachwuchstalente nicht gleich von den oftmals zahlungskräftigeren direkt eingesetzt werden können.

So landete zu Saisonbeginn Superbike-Champion Ben Spies bei Tech 3 - obwohl er vertraglich direkt an Yamaha gebunden ist. Gleiches widerfuhr auch dem 250er-Weltmeister von 2008, Marco Simoncelli. Der Italiener steht bei HRC unter Vertrag und startet in seiner Debütsaison in der MotoGP für Gresini-Honda. Einzige Ausnahme bildet Álvaro Bautista, der als Rookie für Suzuki antritt. Begründung: Suzuki hat kein Satellitenteam, weshalb die Regel für Hellblauen nicht gilt.

Doch wen soll Yamaha nun an Rossis Stelle nominieren? Auf Spies hätte man rein vertraglich gesehen zwar Zugriff, allerdings gilt der Amerikaner mit seinen bislang acht absolvierten MotoGP-Starts noch als Rookie. Denn laut Reglement gilt ein Fahrer als Rookie, wenn er "nicht an neun oder mehr Veranstaltungen" derselben Klasse in einer der vorangegangenen Saisons teilgenommen hat (Art. 1.15.1.1).

Wie lange gilt Spies noch als Rookie?

Yamaha möchte Anfang Juli in Barcelona mit einem Rossi-Ersatz starten. Bis dahin hat Spies voraussichtlich zehn MotoGP-Rennen auf dem Buckel. Zwar hätte er sechs davon nicht in einer vorangegangenen, sondern in der diesjährigen Saison absolviert, doch die Regelhüter könnten in dem Fall durchaus ein Auge zudrücken, schließlich gibt es auch den Artikel 1.11.3.iii: "Außergewöhnliche Umstände werden von IRTA und Dorna/FIM geprüft."

Sollten Yamaha und Spies mit einem vorübergehenden Teamwechsel einverstanden sein, könnte sie wohl auch niemand daran hindern. Denn Alternativen drängen sich kaum auf. Die offiziellen Yamaha-Testfahrer Wataru Yoshikawa und Norihiko Fujiwara gelten laut Rossis Teammanager Davide Brivio als "zu langsam" und sind streng genommen ebenfalls Rookies.

Edwards und Toseland ebenfalls denkbar

Colin Edwards, der zweite Pilot bei Tech-3-Yamaha, hat zuletzt erklärt, dass ein Wechsel zurück ins Werksteam nicht sein "vorrangiges Ziel" sei. Edwards sagte gegenüber 'Motor Cycle News' aber auch: "Ich bin zufrieden wo ich bin. Wenn sie aber meinen Rat brauchen und denken, dass ich der richtige Mann bin, werden wir sehen was passiert."

Der ehemalige Tech-3-Pilot James Toseland, wie Spies direkt bei Yamaha unter Vertrag und derzeit in der Superbike-Weltmeisterschaft unterwegs, wäre ebenfalls ein denkbarer Kandidat. Doch ob Toseland, der in seinen beiden MotoGP-Jahren keine Bäume ausgerissen hat und in dieser Saison auf den Titel bei den Superbikes angesetzt ist, auch ein geeigneter Kandidat ist, darf bezweifelt werden.

Unabhängig davon, für wen sich Yamaha letztendlich entscheiden wird, zeigt das aktuelle Rossi-Dilemma einen Mangel im derzeitigen Reglement auf. Was als Schutz für die Privatteams gedacht war, stellt die Werksteams im Notfall vor große Probleme. Schließlich verfügen neben Yamaha auch Honda und Ducati über keinen MotoGP-erfahrenen Ersatzfahrer.

teilentwitternE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel