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Ben Spies konzentriert sich vor allem darauf, konstante Fortschritte zu machen © Yamaha

Tech-3-Yamaha-Pilot Ben Spies über seinen ersten Podiumsplatz, das Fehlen von Valentino Rossi, seine Heimrennen und die Ziele für die restliche Saison

Ben Spies ist weiter auf dem Weg nach vorn. In Silverstone holte er im fünften Rennen seiner ersten vollen MotoGP-Saison seinen ersten Podiumsplatz in der Königsklasse. Der Tech-3-Pilot arbeite sich vom siebten Startplatz nach vorn und verdrängte Landsmann Nicky Hayden mit einem sensationellen Last-Minute-Manöver noch vom dritten Platz. Im Rahmen einer Telefonkonferenz sprach Spies mit Reportern über den Podiumsplatz, seine Saison in der MotoGP, seine Ziele, die Heimrennen in den USA und das Fehlen von Superstar Valentino Rossi.

Frage: "Ben, hast du schon realisiert, dass du bereits deinen ersten MotoGP-Podiumsplatz geholt hast? Kommst du so voran, wie du dir das vorgestellt hast oder kam dieser Erfolg früher oder später als erwartet?"

"Er kam ganz klar früher. Und ich habe es noch gar nicht richtig realisiert, denn nach dem Silverstone-Rennen ging es direkt nach London und dann weiter nach Assen. Mein Ziel ist in diesem Jahr, in jedem Rennen in die Top 10 zu kommen. Ein Platz in den Top 5 ist für mich wie ein Sieg. Von daher war es ein unheimlicher Schub für mein Selbstvertrauen, dass ich auf das Podium gefahren bin. Und es kam zu einem wirklich guten Zeitpunkt, da wir jetzt auf Strecken fahren, die ich kenne. Ich fühle mich also recht gut."

Frage: "Gab es jemals ernsthafte Gespräche darüber, dass du Valentino Rossi auf der Werks-Yamaha vertreten sollst oder war das reine Spekulation?"

"Da wurde ein bisschen mehr spekuliert als tatsächlich dahinter steckte. Ich denke, dass ich für Yamaha wahrscheinlich ein Kandidat gewesen wäre und sie hätten mich vielleicht gern genommen, wenn es möglich gewesen wäre. Aber Regeln sind Regeln und da zählt nicht, was sie wollen. Es war nicht möglich."

"Ich denke, dass einige Leute die Geschichte wesentlich größer gemacht haben, als sie eigentlich war. Aber wir wussten nach ein paar Tagen, dass es unmöglich ist. Es gab für mich keinen Weg, es zu machen. Ich habe mich einfach um mein eigenes Zeug gekümmert und das getan, was ich tun musste. Mehr nicht. Wir konnten da nicht viel tun."

Frage: "Was sagst du dazu, dass nun ab Barcelona Testfahrer Wataru Yoshikawa für Rossi einspringt?"

"Die Buschtrommeln haben ja schon seit Längerem weitergetragen, was passieren wird. Von daher wusste ich gleich nach Rossis Unfall, dass ich nicht der Ersatzfahrer sein werde und es war für mich kein großes Thema. Ich kenne ihn nicht persönlich. Aber vielleicht leistet er ein bisschen Entwicklungsarbeit, vielleicht lernen sie etwas dazu. Es ist wichtig, dass jemand auf dem Bike sitzt. Aber wir konzentrieren uns so gut es geht auf meine eigenen Sachen, auf das Team, mich und Colin. Mehr können wir nicht tun."

Frage: "Ändert das Fehlen Valentinos deine Strategien oder Pläne für die nächsten Rennen?"

"Nein, überhaupt nicht. Wir haben dasselbe Paket wie davor. Es ist nur ein Fahrer weniger in der Serie. Das ist schlecht für die Meisterschaft und schlecht für Yamaha. Aber ich bin sowieso noch nicht gegen Valentino und Jorge Lorenzo gefahren. Also ändert sich für mich nichts. Und außerdem war in der ganzen Saison bisher Lorenzo derjenige, den es zu schlagen galt. Es ist schade, dass wir einen weniger im Feld haben. Aber ich war noch nicht nah genug an ihm dran, um ein direkter Gegner zu sein. Also ändert sich mein Plan nicht: Ich will lernen und einfach so gut wie möglich abschneiden."

Frage: "Wieviel von dem, was du 2008 in Indy gelernt hast, kannst du in diesem Jahr im dortigen Rennen umsetzen?"

"Ich kenne das Layout der Strecke, das hilft schon einmal ungemein. Okay, als ich dort getestet habe, war es trocken, das Rennen selbst war dann bei ziemlich widrigen Bedingungen. Aber es ist eine weitere Strecke, die ich wenigstens schon kenne. Von daher muss ich sie nicht erst lernen. Ich war seit zwei Jahren nicht mehr dort, aber ich habe noch das Basiswissen und freue mich darauf, dort zu fahren. Es ist ein US-Rennen. Für uns ist es eines der beiden wichtigsten Rennen der Saison, deshalb freue ich mich definitiv schon darauf."

Frage: "Wie geht es deinem Knöchel?"

"Ganz gut. Ich mache einfach Krankengymnastik und es wird besser. Das ist eine der Verletzungen, die einfach eine Zeit brauchen, bis sie verheilen. Aber auf dem Bike ist das kein großes Problem. Es beeinträchtigt mich beim Fahren nicht."

Frage: "In Silverstone haben du und Colin euch über einige Probleme beschwert, die ihr mit der M1 habt. Kannst du das näher erläutern? Gibt es eine Liste von Dingen, die ihr ändern könnt, um den anderen Bikes auf dem Grid näher zu kommen?"

"Aber das Handling des Chassis ist wirklich gut. Manchmal, wenn wir gegen andere fighten, können wir nicht ganz so fahren, weil es uns eben ein bisschen an Speed mangelt. Aber ich könnte jetzt nicht drei konkrete Dinge oder so benennen, die ich geändert haben möchte. Vielleicht hätte ich gern ein bisschen mehr Power, aber das wird sicher noch kommen. Sie wissen es und arbeiten so gut wie möglich daran. Warten wir also ab, was sie bringen werden."

Frage: "In Silverstone hatte Dani Pedrosa einen Topspeed von fast 324 km/h, bei Colin und dir waren es 314, 315 km/h. Das ist doch ein recht großer Unterschied. Kann das aufgeholt werden? Denkst du, dass du regelmäßiger vorn mitfahren könntest, wenn du die Strecken kennst und mehr Erfahrung hast?"

"Wozu das Paket wirklich in der Lage ist? Das findet man wohl nur heraus, wenn man auf ein Werksbike steigt, das Rennen gewinnt und den Unterschied spürt. In Silverstone hatte ich das Gefühl, dass ich das Beste gebe und ziemlich am Limit des Bikes war. Aber man weiß nicht, was passiert wäre, wenn Lorenzo auf das Bike gestiegen wäre. Mit besserem Material sind Rundenzeiten und Ergebnisse immer besser. Aber ich habe das Gefühl, dass unser Paket sehr gut ist. Wir brauchen nur noch ein bisschen mehr Beschleunigung aus der Kurve heraus. Sie müssen daran arbeiten und ich bin sicher, dass sie das tun werden. Das Bike selbst kann nicht schlecht sein, es gewinnt gerade die Meisterschaft mit einem ziemlich deutlichen Vorsprung."

Frage: "Kommen wir zu den US-Rennen: Würdest du zustimmen, dass die Chancen auf einen amerikanischen Sieger in Laguna Seca und Indy gestiegen sind, nachdem Valentino Rossi verletzt ist? Wie wichtig ist ein Sieg dort?"

"Ich freue mich schon darauf, aber man muss realistisch sein, wenn man in das Rennen in Indy oder Laguna startet. Wenn man eine halbe Sekunde hinterherfährt und stürzt, weil man versucht, trotzdem zu gewinnen, steht man da wie ein Idiot. Wenn du nur ein paar Zehntel zurückliegst, dann musst du es beim Heimrennen versuchen. Die Chancen, wenn Rossi fehlt? Ganz ehrlich: Lorenzo wäre in diesem Jahr der Favorit, selbst wenn Rossi dabei wäre. Er ist derjenige, den man versuchen muss, zu schlagen. Es wird also hart, auch wenn Rossi nicht dabei ist."

"Wenn man bei Rennen wie Assen eine gute Pace hat, dann versucht man, ein möglichst gutes Ergebnis zu holen. Wenn man die Chance auf den Sieg oder ein Podium hat, versucht man es natürlich immer. Aber wenn man bei seinem Heimrennen in Laguna oder Indy ist und eine gute Pace hat, mit der man vorn mitkämpfen kann, dann wird es garantiert heiß! Man will natürlich nie sagen: 'Crash oder Sieg', aber es bleibt einem nichts anderes übrig. Ja, ich werde in diesen Rennen fahren, als ob es für mich die entscheidenden Rennen im Titelkampf wären."

"Realistisch gesehen, kämpfen wir in diesem Jahr nicht um einen Titel, aber wir woollen für unsere Fans ein gutes Ergebnis holen. Okay, vielleicht wird es nicht ganz nach dem Motto 'Crash oder Sieg' laufen, aber ich werde dort fahren, als ob es das letzte Rennen der Saison ist. Ich freue mich schon darauf. Ich mag Laguna und Indy sehr. Ich denke, dass das Bike dort sehr gut sein wird und dass wir für dort eine sehr gute Abstimmung haben werden."

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