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Valentino Rossi darf sich nun endlich in den Ducati-Farben präsentieren © Ducati

Endlich in Rot: Im Rahmen des Wrooom-Events spricht Valentino Rossi erstmals als Ducati-Fahrer über seine Vergangenheit und Zukunft in der MotoGP

Madonna di Campiglio - Valentino Rossi und Ducati, das ist eine Kombination, von der die italienischen MotoGP-Fans schon seit Jahren träumen.

Die Tifosi werden toben, wenn der "Doktor" in Mugello die lange Start- und Zielgerade runterdonnert - und sollte die italienisch-italienische Kombination auch noch Erfolg haben, ist der nächste Rossi-Hype vorprogrammiert. (Jetzt auch um 12 und 13 Uhr: die SPORT1 News)

Heute stellte sich der MotoGP-Rekordchampion im Rahmen des von Marlboro organisierten Wrooom-Events in Madonna di Campiglio erstmals in Rot den Fragen der Medien.

Frage: Valentino, wie geht es dir nach deiner Operation, wie fühlst du dich körperlich?

Valentino Rossi: Zunächst einmal möchte ich alle hier begrüßen und allen ein gutes neues Jahr wünschen. Ich muss zugeben, dass ich eigentlich erwartet hatte, mich zu dieser Zeit im Januar schon ein bisschen besser zu fühlen. Was die Schulter angeht, ist noch eine Menge zu tun. Alles läuft gut, ich respektiere den Zeitplan, der sogar etwas schneller verläuft als erwartet, aber es ist für mich ein kleines Rennen, bis 1. Februar fit zu werden. Das wird nicht einfach.

Frage: Nach Valencia konntest du aus vertraglichen Gründen nicht darüber sprechen, aber jetzt trittst du erstmals als Ducati-Fahrer vor die Presse. Was also sind deine Eindrücke von deinem neuen Motorrad?"

Rossi: Der Test war extrem wichtig, denn wir konnten uns so ein präzises Bild von vielen wichtigen Dingen machen, die verbessert werden müssen. Leider konnte ich in Valencia nicht länger fahren, denn ich hatte keine Kraft mehr im Arm, war nicht in Form. Wir müssen also noch mal testen, wenn es mir wieder besser geht und ich körperlich hundertprozentig fit bin.

Frage: Du sagst, du konntest das Motorrad nicht optimal evaluieren, aber was muss deiner Meinung nach verbessert werden?

Rossi: Da gibt es vieles. Das trifft auf die Desmosedici zu, aber das Wichtigste ist jetzt einmal, dass es mir selbst gut geht. Ich werde in Malaysia sicher nicht hundertprozentig fit sein, aber wir arbeiten daran, zumindest die Beweglichkeit der Schulter so hinzubekommen, dass ich gut fahren und auf den Geraden innerhalb der Verkleidung bleiben kann. Ich hoffe, dass ich gut fahren kann, auch wenn ich kräftemäßig vielleicht noch nicht ganz auf der Höhe sein werde. Für die Kraft brauche ich mehr Zeit. Es ist ein Wettlauf gegen die Zeit. Es wäre einfacher gewesen, wenn ich von Anfang an in Topform wäre, aber das wird leider nicht der Fall sein. Meine Schulter war aus medizinischer Sicht stärker verletzt als angenommen. Basierend auf den Untersuchungen während des Jahres schien es das Ergebnis eines normalen Sturzes zu sein, aber in Wahrheit war es ein größeres Problem, also haben mir die Physiotherapeuten gesagt, dass es etwas länger dauern wird, bis die Schulter wieder hundertprozentig in Schuss ist. Insofern müssen wir nicht nur an der Desmosedici arbeiten, sondern ich muss auch wieder fit werden. Das ist mein erstes Ziel.

Frage: Du hast schon in Valencia um radikale Änderungen des Motorrads gebeten, obwohl du nicht hundertprozentig fit warst. Kann es nicht sein, dass du das Fahrverhalten ohne den Vollbesitz deiner körperlichen Kräfte falsch interpretiert hast? Oder anders gefragt: Musst du deinen Fahrstil ändern oder Ducati das Motorrad? Hast du nach dem ersten Test schon darüber nachgedacht, dass du diese Herausforderung auch verlieren könntest?

Rossi: Zuerst haben wir an den grundlegenden Dingen des Motorrads gearbeitet. Die Ducati ist ganz anders als die anderen Motorräder, ganz anders als die Yamaha, aber auch ganz anders als die Honda. Das ist wahrscheinlich so, weil wir unser Motorrad als Prototypen betrachten, während die japanischen Motorräder sozusagen auf die MotoGP umgetunte Straßen-Motorräder sind. Die Desmosedici ist vom Konzept her ganz anders. Daran muss ich mich erst gewöhnen. Bisher haben wir nach den ersten Tests nichts Radikales verändert, sondern nur die Fahrposition umgestellt und einige Komponenten geändert, damit ich mich wohler fühle und ein bisschen mehr so fahren kann, wie ich das will. Danach werden wir uns in der Mitte treffen müssen. Sprich: Die Desmosedici soll konstanter zu fahren sein, aber auch so schnell bleiben, wie sie jetzt ist. Wo möglich, sollten wir die Fahrbarkeit verbessern. Andererseits muss auch ich dem Motorrad vertrauen und meinen Fahrstil so anpassen, dass ich das Maximum herausholen kann. Ob ich diese Herausforderung bewältigen werde oder nicht, weiß ich nicht. Wir werden natürlich unser Bestes geben und wir werden sehen, inwiefern es mir gelingt, körperlich wieder auf die Höhe zu kommen, bis die Weltmeisterschaft beginnt. Das ist sehr wichtig.

Frage: Wann wird deine Schulter vollständig in Ordnung sein? Zum dritten, vierten Rennen?

Rossi: Normalerweise dauert es fünf oder sechs Monate, um hundertprozentig fit zu werden und die Kraft wieder aufzubauen. Aber mir wurde erklärt, dass die Regenerationszeit variieren kann und dass wir Rennfahrer auf dem Gebiet Unfälle Experten sind, sehr austrainiert, und dass es daher auch etwas schneller gehen kann, bis wir wieder auf dem Motorrad sitzen. Wenn du aber eine Sehne kurieren musst, geht das eben nicht allzu schnell - da gilt auch für uns der gleiche Zeitrahmen. Die Sehne darfst du fünf oder sechs Wochen gar nicht belasten, erst dann kannst du wieder an der Muskulatur arbeiten. Ich hoffe, dass ich am 20. März halbwegs in Form bin und spätestens im April oder Mai hundertprozentig fit.

Frage: In welcher Position fällt dir das Fahren besonders schwer? Auf den Geraden, beim Bremsen? Wann tut es am meisten weh?

Rossi: In Valencia konnte ich die Schulter bewegen und ich konnte auch innerhalb des Windschutzes bleiben. Ich war aber nicht stark genug. Am zweiten Tag fehlte mir die Kraft zum normalen Bremsen, also brachte ich die Reifen nicht auf Temperatur. Heute funktioniert die Schulter mechanisch gesehen wieder, aber ich habe beim Fahren auf den Geraden noch nicht die volle Bewegungsfreiheit. Mich hinter dem Windschutz klein zu machen, daran muss ich arbeiten, damit ich am 1. Februar wenigstens die richtige Position einnehmen kann.

Frage: Kam dein Wechsel zu Ducati spontan oder hast du darüber schon lange nachgedacht?

Rossi: Ehrlich gesagt war ich mir am Anfang des vergangenen Jahres ziemlich sicher, dass ich noch ein paar Jahre bei Yamaha bleiben oder zumindest meine Karriere dort beenden würde. Dann entwickelte sich das Szenario aber recht rasch. Wir sprachen früh in der Saison mit Filippo (Preziosi, Ducati-Sportchef; Anm. d. Red.), denn ich wusste, dass Ducati Interesse an mir hatte. Das Angebot war extrem positiv und von dem Punkt an dachte ich darüber nach. Es entwickelte sich Schritt für Schritt.

Frage: Du gehörst zu den erfahrensten MotoGP-Piloten, auch zu den ältesten. Wie bewertest du die Erfolge von Casey Stoner auf einem Motorrad, von dem du selbst sagst, dass es erst feingetunt werden muss? Was hat Casey, was andere Fahrer nicht haben?

Rossi: Am Ende des vergangenen Jahres war er mit diesem Motorrad sehr stark. Sein Fahrstil ist speziell und damit kann er die Stärken dieses Motorrads gut ausschöpfen. Er ist bei allen Bedingungen sehr stark, ist ein außergewöhnliches Talent, was die Anpassung an ein bestimmtes Setup und an bestimmte Bedingungen angeht. Aber er fuhr auch schon seit 2007, seit vier Jahren, für Ducati, also hatte er genug Zeit, um daran zu arbeiten. Am Ende hatte er ein tolles Feeling für das Motorrad, was mir im Moment noch abgeht. Das Motorrad mit vielen Kilometern auf der Strecke abzustimmen, das dauert eben eine Weile.

Frage: Ist dies die größte Herausforderung deiner Karriere? Und: 95 Prozent aller MotoGP-Fans haben sich deinen Wechsel zu Ducati gewünscht, aber die echten Ducatisti sehen deine Ankunft kritisch. Wie schätzt du das ein?

Rossi: Was die Herausforderung angeht: Ja, eindeutig. Das jetzt ist wie mein Wechsel zu Yamaha, aber doch aus vielen Gründen ein bisschen anders. Damals war ich hundertprozentig fit und es lag am Motorrad, besser zu werden. In diesem Fall, mit der Ducati, ist das Motorrad schon stark - es muss sozusagen nur feingetunt werden -, aber ich muss erst wieder in Form kommen. Normalerweise trainiere ich im Winter hart, aber diesen Winter konnte ich gar nichts tun. Das bedeutet, dass ich erst wieder das Fahrgefühl zurückerlangen muss - und zwar so früh wie möglich. Die zweite Frage halte ich auch für wichtig. Wenn wir gute Ergebnisse holen, wenn wir Ducati zu Siegen führen, dann werden die fünf Prozent auch weniger skeptisch sein.

Frage: "Als du zu Yamaha gegangen bist, warst du in einer ähnlichen Position, wie man in deiner Biografie nachlesen kann. Wer hat mehr Vertrauen ins Motorrad, du oder dein Renningenieur Jeremy Burgess?

Rossi: Jeremy hat mit dieser Herausforderung, mit dieser Erfahrung begonnen. Er bringt große Entschlossenheit und große Vorfreude mit. Er hat auch gesehen, dass das Team im Vergleich zu Yamaha hart arbeiten muss, denn bei Yamaha läuft aufgrund der Arbeit, die dort vor vielen Jahren erledigt wurde, alles rund. Jetzt müssen wir wieder hart arbeiten. Die Desmosedici ist heute ein bisschen wie die M1, als ich bei Yamaha angefangen habe. Meine Erfahrung, Jeremys Erfahrung und die Erfahrung des Teams sollen dazu beitragen, dieses Motorrad zu verbessern, sodass ich es mag, sodass ich ihm vertrauen kann. Ich nehme diese Herausforderung an und glaube an dieses Projekt.

Frage: In der Vergangenheit schienst du immer unverwundbar zu sein, denn du bist an die Rennstrecke zurückgekehrt, wenn andere Fahrer längst aufgegeben hätten. Im vergangenen Jahr hattest du aber zwei sehr ernsthafte Unfälle. Glaubst du, dass das ein Zeichen ist, dass du älter wirst? Hast du darüber nachgedacht, alles hinzuschmeißen und aufzugeben?

Rossi: Ich bin natürlich keine 20 mehr, leider. Aber so etwas kann halt passieren. Die Unfälle hätten auf jeder anderen Strecke und in jedem anderen Jahr genauso passieren können - das war einfach Zufall. Natürlich, wenn man jünger ist, erholt man sich schneller, und wenn man älter ist, muss man härter trainieren, um wieder in Form zu kommen. Ich habe aber nie an Rücktritt gedacht, denn ich denke, in mir stecken noch ein paar konkurrenzfähige Jahre. Ich spüre das Feuer noch lodern und der Teamwechsel motiviert mich ebenfalls sehr. Ich hoffe, dass ich noch ein paar Jahre an der Spitze fahren kann.

Frage: Hast du Angst, dass es dich bei starken Gegnern wie Lorenzo, Stoner und Pedrosa den WM-Titel kosten könnte, wenn du im ersten Rennen nicht fit bist? Und du sitzt heute zum ersten Mal in Rot in Madonna di Campiglio. Ist es nach vielen Diskussionen dein erstes Treffen mit Fernando Alonso?

Rossi: Leider hat sich unser Sport verändert, denn als ich 2004 zu Yamaha wechselte, begannen wir im Januar zu testen. Ich hatte vor dem ersten Rennen schon fünf Tests mit der M1 hinter mir und war körperlich fit. Jetzt habe ich nur drei Tests mit der Desmosedici und wie erwähnt muss ich erst wieder fit werden. Aufgrund meiner Schulter ist es unmöglich, von Anfang an 100 Prozent abzurufen. Das stimmt. Natürlich ist das schlecht für die Weltmeisterschaft, aber ich kann das nicht ändern - so ist die Situation nun einmal. Wir müssen ruhig arbeiten und wir wissen, dass wir Zeit brauchen werden, aber wir glauben, dass wir es dennoch schaffen können. Fernando habe ich im Vorjahr getroffen. Ich war an einem Nachmittag im Sommer bei Ferrari und er war auch dort. Wir sind aber kein Rennen gegeneinander gefahren und das wird auch hier bei der Wrooom-Ice-Challenge nicht der Fall sein, denn ich glaube nicht, dass ich mit einem Kart oder einem Rallyeauto fahren kann. Aber hoffentlich können wir ein andermal gegeneinander antreten - vielleicht kann er ja mein MotoGP-Motorrad testen und ich sein Formel-1-Auto. Fernando ist sehr nett und ich habe ihm im Vorjahr die Daumen gedrückt. Es tat mir für Ferrari und Domenicali sehr leid, dass sie den Titel im letzten Rennen verloren haben, aber ich bin mir sicher, sie können 2011 zurückschlagen.

Frage: Du hast gesagt, dass die Heilung länger dauert als erwartet. Bereust du es im Nachhinein, nicht früher aufgehört zu haben, um dich früher operieren zu lassen? Haben die Renneinsätze deiner Schulter geschadet?

Rossi: Als die Ärzte die Schulter von innen gesehen haben, sahen sie, dass der Schaden größer als erwartet war. Nach der Operation sagten sie mir also, dass die Heilung länger dauern würde. Hatte ich im Vorjahr zwei Möglichkeiten? Ich hätte mich nach der Verletzung meines Beins operieren lassen können, aber während der Regeneration des Beins an der Schulter operiert zu werden, war nicht möglich. Ich hätte einen Monat im Bett liegen müssen, hätte nicht einmal mit Krücken gehen können, daher war das kein Thema. Die andere Möglichkeit wäre gewesen, die letzten zwei Saisonrennen auszulassen, mich also nach Australien operieren zu lassen. Sicher wäre ich dann in besserer Form zum ersten Februar-Test gekommen, aber ich wollte nicht zu Hause bleiben, denn ich hatte schon vier Rennen ausgelassen. In Portugal und Valencia hatte ich zwei gute Rennen, zwei Podestplätze drauf. Außerdem konnte ich mich wieder mit anderen Fahrern messen und ich hatte Gelegenheit, die Desmosedici zu testen, auch wenn ich körperlich nicht hundertprozentig fit war. Es gab also keine perfekte Situation, aber die Entscheidung, die ich getroffen habe, war die beste.

Frage: Jorge Lorenzo und Yamaha oder Casey Stoner und Honda: Welche dieser beiden Kombinationen schätzt du als gefährlicher ein?

Rossi: Die beiden sind die Favoriten, aber wer stärker sein wird, ist schwer zu sagen. Lorenzo kennt sein Motorrad sehr gut, hat viel Erfahrung und ist im Vorjahr sehr stark gefahren, hat praktisch nie einen Fehler gemacht. Bei Stoner glaube ich, dass er noch etwas konstanter werden muss, wenn er es mit Lorenzo aufnehmen will. Aber jetzt hat er die Honda, die wirklich stark ist - ein bisschen schneller als die Yamaha, was den Motor angeht. Das könnte ein kleiner technischer Vorteil sein. Es wird sicher ein spannender Kampf zwischen den beiden.

Frage: Du hast gesagt, dass du vielleicht deinen Fahrstil anpassen musst, um das Potenzial der Ducati voll auszuschöpfen. Hast du eine Vorstellung davon, was genau du ändern musst?

Rossi: Die Ducati ist ganz anders als die M1, muss viel schmutziger gefahren werden. Du nimmst die Kurven schärfer, worauf du dich erst einstellen musst. Ich hoffe aber, dass ich auch die Desmosedici besser auf mich abstimmen kann. Sie ist ein Motorrad - und an einem Motorrad kann man alles mögliche ändern. Ich finde daher - und wiederhole mich dabei -, dass wir etwas dafür tun sollten, dass man die Performance von Anfang bis Ende des Rennens konstant abrufen kann. Das erwarte ich mir.

Frage: Wie lange kann sich Lorenzo mit Ducati an der Spitze halten, wo dein Input im Team weg ist? Und musst du nun mutiger werden, wenn du die Ducati fährst? Ist die Ducati für einen jungen Fahrer einfacher zu handlen?

Rossi: Lass mich eines sagen: Ich musste nicht das Messer zwischen die Zähne nehmen, um schnell zu sein. Stoner war immer schnell, aber er hat auch mal vier Fehler in einem Rennen gemacht und trotz der Tatsache, dass ich mir ein Bein gebrochen hatte, lag ich nach vier ausgelassenen Rennen wieder vor ihm. Das ist eine Schwäche der Ducati, an der wir arbeiten müssen. Wir brauchen nicht nur ein brutal schnelles Motorrad, sondern wir müssen das Risiko beim Fahren einschränken. Wir brauchen ein konstantes und konkurrenzfähiges Motorrad, mit dem man vom Start bis ins Ziel konstant fahren kann, ohne alles riskieren zu müssen. Die Ducati war aber historisch betrachtet immer bösartig und schwierig zu fahren - man muss sie mit den Fingernägeln fahren, mit der Kupplung. Aber ich glaube, dass ich das kann.

Frage: Nicky Hayden hat gesagt, dass es keine Trennwand zwischen euren Boxen geben wird. Warum war das dann früher mit Lorenzo der Fall?

Rossi: Im Fall von Nicky brauche nun ich seine Daten, daher hoffe ich, dass es keine Trennwand geben wird (lacht; Anm. d. Red.)! Wir werden zusammenarbeiten, um das Motorrad zu verbessern. Er hat viel Erfahrung mit der Desmosedici, daher kann er mir am Anfang viele hilfreiche Tricks beibringen. Was die Trennwand zwischen mir und Lorenzo angeht, so hatte diese historische Gründe. 2007 und 2008 hatten wir ein problembehaftetes Motorrad, an dem wir viel arbeiten mussten. Von 2007 auf 2008 war nur mein Teamkollege neu, daher habe ich versucht, mich zu schützen und mich auf meine Arbeit zu konzentrieren. Das war natürlich unmöglich. Aber diese Trennwand war nur virtuell, in Wahrheit liefen die Dinge so, wie sie eben liefen.

Frage: Findest du, dass Lorenzos WM-Titel ein bisschen weniger wert ist, weil du vergangenes Jahr nicht ganz fit warst? Und wie lange wird es dauern, um die fünf Prozent der Ducatisti auch noch für dich zu gewinnen? Wirst du im Juni schon gute Ergebnisse haben oder werden sie dich kritisieren? Womit rechnest du?

Rossi: Lorenzo ist es egal, ob ich zu 100 Prozent fit war oder nicht. Es war seine erste Weltmeisterschaft in der MotoGP - und bei Weltmeisterschaften kommt es nicht darauf an, wie man sie gewinnt, sondern ob man sie gewinnt. Nur das zählt. Er hat gewonnen und er ist ein verdienter Weltmeister, denn er war immer sehr schnell. Er hatte in einigen Rennen auch Glück - zuerst verletzte ich mich, dann Pedrosa -, aber er war immer vorne und hat die M1 maximal ausgeschöpft. Er verdient den Titel. Was die zweite Frage angeht: Ja, wir brauchen Zeit - die wir von den Fans vielleicht nicht bekommen werden. Viele wünschen sich, dass ich vom ersten Tag, vom ersten Rennen an schnell sein werde. Leider wird es wahrscheinlich länger dauern. Ich hoffe aber, dass die Tifosi etwas geduldiger sind und dass sie uns die notwendige Zeit geben.

Frage: Du hast schon so viele Weltmeisterschaften gewonnen. Welche bedeutet dir am meisten?

Rossi: Darüber muss ich nachdenken. Vielleicht 2001 auf der Honda 500 und 2004, mein erstes Jahr auf Yamaha - damals habe ich gleich das erste Saisonrennen gewonnen. 2008 war aber auch sehr schön. Ich weiß nicht. An 2008, meinen letzten Titel, erinnere ich mich noch am besten. Insofern würde ich jetzt 2008 antworten.

Frage: Was war das beste Rennen, die beste Leistung deiner Karriere?

Rossi: In meiner Karriere gab es viele fantastische Rennen. Das beste war vielleicht mein erster Sieg auf Yamaha in Südafrika 2004.

Frage: Verstehst du, warum Michael Schumacher in die Formel 1 zurückgekehrt ist? Was hältst du von seinem Comeback?

Rossi: Wer weiß? Michael hatte vielleicht damit gerechnet, etwas konkurrenzfähiger zu sein. Ehrlich gesagt: Nach ein paar Jahren Pause wird es schwierig, wieder anzufangen und Rennen zu gewinnen. Aber er scheint für die nächsten Jahre sehr entschlossen zu sein. Er hofft, dass er wieder an die Spitze kommen und gute Ergebnisse einfahren kann. Das hofft er.

Frage: Ich weiß nicht, ob du noch schläfst, denn du wirkst sehr verändert, viel ruhiger als sonst. Hast du dich als Mensch verändert? Wie wirkt sich dein Alter aus? Und du sagst, dass dein bisher schönster Sieg 2004 war. Glaubst du, dass du das in Katar 2011 noch toppen könntest?

Rossi: Ich schlafe nicht, aber so früh (10:00 Uhr morgens; Anm. d. Red.) habe ich noch nie eine Pressekonferenz gegeben! Ich schließe gar nichts aus. Katar 2011 wird auf jeden Fall schön für mich, genau wie Welkom 2004. Jetzt ist die Situation schwieriger - und ich wiederhole mich: weniger wegen des Motorrads, mehr wegen meines körperlichen Zustandes. Man muss an solche Situationen ruhig herangehen und abwarten. Ich hoffe, dass ich in Katar ein gutes Rennen zeigen kann. Ich werde mein Bestes geben.

Frage: Filippo Preziosi hat gesagt, er betrachtet das Glas als halbvoll. Wir reden hier vom Alter als Negativfaktor, aber wie fühlst du dich? Findest du dich leichter mit Dingen ab als früher? Denkst du mehr nach? Wie fühlst du dich als Fahrer, als Mann?

Rossi: Man kann meine Arbeit für Ducati in zwei Teile teilen. Der erste ist am wichtigsten: Ich will versuchen, zu gewinnen - natürlich. Und ich will so früh wie möglich konkurrenzfähig sein. Aber gemeinsam - und da kommen gemischte Gefühle auf - müssen wir versuchen, uns zu verbessern. Ich muss Filippo dabei helfen, dass sie einen Schritt nach vorne machen, dass so gearbeitet wird wie bei Yamaha, um die Desmosedici an die Spitze zu bringen, sie konkurrenzfähiger und fahrbarer zu machen.

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