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Superstar Valentino Rossi hat sich schon viele harte Duelle geliefert © Ducati

Renndirektor Paul Butler nimmt drei kontroverse Kollisionen von Valentino Rossi unter die Lupe - Als Verursacher kam der Superstar immer straffrei davon

Valentino Rossi war in seiner langen Karriere in viele Kämpfe verwickelt. Einige Manöver des neunfachen Champions waren an der Grenze und sehr hart. Strafen bekam der Italiener in seiner langen Karriere wenige. Renndirektor Paul Butler nimmt drei kontroverse Manöver Rossis unter die Lupe und erklärt die Sicht der Rennleitung. Den Anfang macht das Überholmanöver gegen Sete Gibernau in der letzten Kurve in Jerez im Jahr 2005. Anschließend spricht Butler über das Duell in Laguna Seca gegen Casey Stoner 2008 und schließlich über die Kollision mit dem Australier in Jerez in dieser Saison.

Beim Saisonauftakt 2005 kämpften Gibernau und Rossi um den Sieg. Bis zur letzten Runde dauerte das Duell. In der letzten Kurve bremste Rossi sehr spät, stach auf die Innenseite und berührte Gibernau. Der Spanier wurde ins Kiesbett gedrängt und wurde trotzdem Zweiter. Die spanischen Fans waren über dieses Manöver nicht glücklich, doch Rossi blieb straffrei und startete mit 25 Punkten seine Mission Titelverteidigung.

"Die Entscheidung fiel damals ganz knapp", wird Butler von 'SpeedTV' zitiert. "Es war die letzte Runde und in der letzten Kurve ging es um den Sieg. Es war ein aggressives Manöver. Man kann aber nicht sagen, dass Rossi in die Lücke gestoßen ist, und bereits im Kopf hatte, dass er Sete als Stütze brauchen würde. Er ist einfach zu schnell in diese Kurve hinein gestochen und hat Sete nach außen gedrückt."

"Es ist schwierig zu sagen wo man die Linie ziehen soll. Denn einerseits will man, dass die Leute gegeneinander kämpfen, auf der anderen Seite darf es nicht vorsätzlich geplant und gefährlich sein. Es war ein ambitioniertes Manöver - zu ambitioniert vielleicht, aber er hatte es durchgezogen und geschafft." Deshalb hat Rossi damals keine Strafe bekommen.

Rossi vs. Stoner in Laguna Seca 2008

Im Jahr 2008 fand in Laguna Seca das Duell gegen Stoner statt. Mittlerweile zählt dieses Rennen zu einem Klassiker der Renngeschichte. Beide Piloten fuhren hart und agierten nach dem Motto " Sieg oder Sturz ". Schließlich rutschte der Australier in der letzten Kurve ins Kiesbett und verlor das Duell.

In einer der ersten Runden berührten sich die beiden beinahe ausgangs Kurve sechs. Stoner lag auf dem Weg zur berühmten Corkscrew an der Spitze. Rossi probierte es auf der Innenseite, berührte den Randstein und fuhr mit beiden Reifen über den Sand, bevor er wieder auf die Strecke zurückkehrte. Prinzipiell hatte Rossi das Überholmanöver neben der Strecke begangen. Das ist nicht erlaubt. Eine Strafe gab es trotzdem nicht.

"Okay, die Regeln besagen, dass man auf der Strecke fahren muss. Die Strecke ist von den Randsteinen begrenzt. Wir haben keine Absperrungen rund um die Strecke", sagt Butler zu dieser Situation. "Wir sind noch nicht soweit. Wir sind nicht bei der Leichtathletik und nicht beim Schwimmen", spricht der Brite die genau abgesteckten Bahnen für Läufer und Schwimmer an.

"Man muss eine Entscheidung aufgrund der Beurteilung einer Situation treffen, ob das Manöver gerecht oder illegal war. Valentino ist zwar über die weißen Linien hinausgefahren, aber er ist zu schnell in die Kurve gefahren und hätte leicht stürzen können. Er hat sich sicher nicht gedacht, dass er durch das Abkürzen der Kurve einen Vorteil gewinnen würde. Er wäre nicht absichtlich mit Slicks durch den Sand gefahren."

"Er war wieder einmal zu ambitioniert, aber hat es geschafft. Man könnte natürlich sagen, dass Casey ihn am Kurvenausgang gerettet hat, aber der Vorfall wurde als Rennzwischenfall angesehen. Es war hartes Racing, aber es war Racing! Es gab einige Leute die gedacht haben, dass wir die Regel, wonach ein Fahrer die Strecke nicht verlassen darf, hätten anwenden sollen, aber Rossi hat keinen Platz gewonnen."

"Als er den Randstein berührt hat, ist ihm offensichtlich ein Fehler unterlaufen, aber er ist wie andere Fahrer davon gekommen. Es war aufregend und ein toller Kampf zwischen zwei großartigen Fahrern. Rossi ist mit dem Fehler durchgekommen, aber es war klar ein Rennzwischenfall."

Rossi vs. Stoner in Jerez 2011

Auch in dieser Saison sind Rossi und Stoner bereits aneinander geraten. In Jerez verpasste der Italiener den Bremspunkt in der ersten Kurve und räumte Stoner ab. Beide lagen neben der Strecke. Das war klar ein Rennunfall, aber die Diskussionen drehten sich nach dem Rennen darum, ob Rossi von den Streckenposten bevorzugt wurde. Während der neunfache Weltmeister das Ziel noch als Fünfter sah, musste Stoner aufgeben.

"Die Kollision war ein Rennunfall", sagt Butler klar. "Rossi ist ein Fehler unterlaufen, ist gestürzt und hat dabei Stoner erwischt, der ein unschuldiges Opfer war. Was die Streckenposten betrifft, wir hatten in Portugal Vertreter der Jerez-Strecke vor Ort, wo wir das Verhalten der Streckenposten untersucht haben. Dabei wurden TV-Bilder, Streckenkameras und andere Videos zur Hand genommen."

"Sogar Fotos haben gezeigt, dass die Marshals ihre Aufgabe ohne Bevorzugung eines Piloten durchgeführt haben. Wir werden uns die Prozeduren und Instruktionen für die Streckenposten in Zukunft ansehen, um ihre Prioritäten festzulegen. In Jerez haben sie sich korrekt verhalten."

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