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"Uccio" glaubt, dass Valentino Rossi nach dem Sachsenring siegfähig ist © Ducati

Alessio Salucci ist der beste Freund von Valentino Rossi und in alle Entscheidungen involviert - Nach den ersten Tests gab es Zweifel an dem Wechsel zu Ducati

Dieses Duo ist unzertrennlich: Alessio "Uccio" Salucci kennt Valentino Rossi seit Kindheitstagen und begleitet den Superstar auch heute noch zu allen Rennen. Der Italiener kennt den Ducati-Piloten wohl am besten. Gemeinsam besprechen sie auch Renntaktiken und wichtige Entscheidungen. Speziell in den vergangenen zwölf Monaten hat Rossi eine schwere Phase seiner Karriere durchgemacht. Auf "Uccio" konnte er sich immer verlassen.

Wie hat die Freundschaft begonnen? "Das ist schon lange her und ich kann mich kaum noch daran erinnern", sagt Salucci gegenüber 'MotoGP.com'. "Vale ist seit meinen frühesten Erinnerungen da. Unsere Eltern waren befreundet und wir sind zusammen aufgewachsen. Wir stammen aus einer kleinen Stadt, also sind wir in den gleichen Kindergarten und in die gleiche Schule gegangen. Wir waren immer zusammen."

"Ich kann mich erinnern, dass viele Kinder im Kindergarten Fußball spielen wollten. Wir sind allerdings zu einem kleinen Abhang gegangen und sind mit Dreirädern hinuntergefahren. Wir haben das zu viert gemacht. Valentino war auch dabei. Ich kann mich ganz genau daran erinnern. Selbst damals sind wir schon große Risiken eingegangen, denn dort gab es eine scharfe Linkskurve."

Um Motorräder drehte sich schon in der Kindheit alles, denn Rossis Vater Graziano war selbst Motorradfahrer. "Ich bin um Motorräder herum geboren", sagt Salucci. "Ich habe sie schon immer geliebt. Fußball hat mir dagegen nie gefallen. Ich bewunderte Kevin Schwantz. Meinem Vater habe ich das zu verdanken. In Pesaro waren alle Fans von Graziano. Deswegen war Motorradsport wichtiger als andere Sportarten. Mir gefiel die Formel 1, aber ich habe mich für Motorräder entschieden, weil das Vales Weg war."

"Uccio" fährt nicht selbst Rennen und ist auch kein Mechaniker. Was macht er also an den Rennwochenenden? "Ich fahre das Motorhome an die Rennstrecken. In diesem Jahr ist es kein klassisches Motorhome, sondern ein LKW, weil das Motorhome zu klein wurde. Über den Winter haben wir uns um den Truck gekümmert und ich passe darauf auf. Ich kümmere mich auch um die Lederkombis, die Handschuhe, die Helme und die Schuhe, damit sich Vale voll und ganz auf seine Arbeit konzentrieren kann."

Sei vielen Jahren ist der Italiener Stammgast im Fahrerlager. Er kann auch eine Anekdote aus der Kindheit erzählen. "Meine Erfahrungen im Paddock sind sehr positiv. Als Kind war es mein Traum, nur einmal das Fahrerlager zu betreten. Valentino und ich haben einmal vier Stunden lang vor den Toren Mugellos gewartet, nur um Maurizio Vitali zwei Mal an uns vorbeigehen zu sehen. Nun ist das Leben perfekt."

Zweifel nach ersten Testfahrten

Der Wechsel von Yamaha zu Ducati hat viele Schlagzeilen geschrieben. Für die italienischen Fans ist die Traumehe perfekt. Salucci war in die Gespräche involviert, als der Wechsel angedacht war. Es gab auch Zweifel an der Entscheidung. "Ehrlich gesagt, ja. Die meisten Zweifel kamen, als Valentino in Valencia zum ersten Mal mit der Ducati gefahren ist. Er sagte, dass das Motorrad sehr kompliziert sei."

"Meiner Meinung nach hat er dann schnell verstanden, dass die Schulter das größte Problem war. Das war noch vor der Operation. Ich glaube, die Verletzung war das größere Problem und nicht so sehr der Wechsel. Jetzt denkt er, dass das Motorrad nicht so schlecht ist und wir es schaffen können. Aber nach dem ersten Test hatte er sich Sorgen gemacht."

Siegfähig nach Sachsenring?

In Le Mans kletterte Rossi erstmals in Ducati-Farben als Dritter auf das Podium. Wann Rossi zum ersten Mal aus eigener Kraft gewinnen wird, ist die große Frage in dieser Saison. "Ich denke nach dem Sachsenring", schätzt Salucci. "Nach diesem Rennen gibt es einen großen Fortschritt. Ich bin realistisch. Er ist noch nicht zu 100 Prozent fit und um zu gewinnen muss man das sein. Er wird das nach dem Sachsenring sein. Ich denke, dann sind Siege möglich."

Neben "Uccio" ist auch Technik-Guru Jeremy Burgess ein wichtiger Mann in Rossis Leben. "Jeremy spricht kein Wort Italienisch. Das ärgert mich etwas", sagt Salucci. "Ich musste Englisch lernen. Er kennt mich seit ich 20 bin. Jetzt bin ich 32, also hat er mich aufwachsen sehen. Er hat mir viele Ratschläge gegeben und ich habe immer auf ihn gehört. Ich bewundere ihn, er ist eine Legende für mich."

Die Zukunft sieht Salucci positiv. "Ich hoffe, dass ich noch zehn Jahre mit Valentino hier bin. Ohne ihn wäre meine Motivation bei null. Ich bin dank ihm hier und für ihn da. Ich würde gerne für den Rest meines Lebens im Fahrerlager sein, bis ich 60 bin. Deshalb habe ich das Projekt mit Andrea Iannone in der Moto2 gestartet."

"Vielleicht werde ich in Zukunft mit ihm weitermachen. Hoffentlich ist das aber eine entfernte Zukunft, denn abgesehen von der Schulter ist Valentino in toller Form, sowohl physisch als auch mental. Durch die Herausforderung bei Ducati ist die Motivation noch größer."

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