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Casey Stoner könnte den bisher ersten 800er-Titel für Honda sichern © Honda

Motorradgigant Honda ist bisher ohne Titel in der 800er-Ära und hat dieses Jahr die letzte Chance, das zu ändern

Im November endet in Valencia die Ära der 800er-MotoGP-Bikes. Unterm Strich fehlte dieser Epoche klar die Dramatik und Aufregung der mächtigen 990er und der spitzen 500er-Zweitakter. Bei den Fans, Teams und Fahrern waren die 800er durch ihre komplizierte Elektronik nicht besonders beliebt.

Geprägt wurde die fünfjährige Phase anfangs von Ducati mit Casey Stoner und später von Yamaha mit Valentino Rossi. Im Vorjahr musste Rossi nach dem Sturz in Mugello seinem Teamkollegen Jorge Lorenzo den Titel überlassen. Damit ist Honda bisher ohne Titel bei den 800ern und hat dieses Jahr die letzte Chance, das zu ändern.

In den ersten drei Jahren konnte Honda-Pilot Dani Pedrosa je zwei Siege einfahren und wurde 2007 und 2010 Vizeweltmeister und dazwischen jeweils WM-Dritter. Damit zeigte der kleine Spanier Konstanz, schlitterte aber immer wieder am großen Triumph vorbei. Auch dieses Jahr stehen die Vorzeichen schlecht für Pedrosa, der durch seinen erneuten Schlüsselbeinbruch in Le Mans drei Rennen pausieren musste.

Der letzte WM-Titel für Honda gelang Nicky Hayden im letzten Jahr der 990er. In der ersten Phase der Viertakter hatte der japanische Motorradgigant mit der RC211V ein absolut konkurrenzfähiges Motorrad, das ohne den Weggang von Rossi zu Yamaha alle Titel geholt hätte. Seit dem Weltmeistertitel 1983 durch Freddie Spencer gelang es Honda, 14 Mal die Königsklasse zu gewinnen.

Die Liste der Weltmeister ist lang und glorreich: Wayne Gardner, Eddie Lawson, Mick Doohan, Alex Criville und Rossi sind Spencers Nachfolger. Im selben Zeitraum gelang es Konkurrent Yamaha acht Meisterschaften zu gewinnen. Suzuki stellte zwei und Ducati einen Weltmeister. Als Rossi Ende 2004 seinen Abgang von Honda bekanntgab, dachten sich die Japaner, dass ihr Motorrad stark genug ist, um gegen das Talent des Italieners anzukämpfen.

Die Verantwortlichen bei Honda irrten und Rossi holte bereits in seinem ersten Yamaha-Jahr den Titel. Ab 2007 war es Ducati, die dominant waren. Die drei Folgejahre gingen wieder an Yamaha. "Honda hat in der 800er-Ära keinen Titel gewonnen", erkennt Rossis langjähriger Chef-Techniker und wertet diese Statistik: "Das ist etwas, was dem durchschnittlichen Kerl auf der Straße nichts bedeutet, aber es ist eine Lange Periode von großer Erfolglosigkeit. Also würde ich sagen, dass sie recht froh wären, die letzte Meisterschaft der 800er-Ära zu gewinnen."

Die Gerüchte um Rossis Wechsel zu Ducati fanden schnell ihren Weg nach außen. Offen war jedoch, ob Burgess seinem Erfolgspiloten folgt. Shuhei Nakamoto von HRC wollte den erfolgreichen Chef-Techniker wieder zu Honda holen. Bis zum Grand Prix von Australien ließ sich Burgess Zeit, um eine Entscheidung zu treffen. Bis dahin glaubten einige an die Rückkehr zu Honda, doch nun stellte sich heraus, dass es nie ernsthafte Gespräche gab.

"Wir haben uns nie richtig unterhalten", berichtet Burgess und gibt einen Einblick in die damalige Situation: "Nakamoto fragte mich, ob ich interessiert bin, zu Honda zurückzukehren oder ob es überhaupt möglich wäre. Es war eine sehr lockere Anfrage. Aber es ist ja immer schön, wenn man gefragt wird."

Nakamoto ist mehr als jeder andere verantwortlich für den Wiederaufstieg von Honda und teilt eine andere Meinung als seine Vorgänger: "Einzig der Fahrer kann eine gute Rundenzeit fahren. Die Maschine kann das nicht, es kommt auf den Fahrer an."

Eine der Erkenntnisse, die der Japaner 2009 machte war, dass die Elektronik in der MotoGP recht simpel ist und viel Potenzial besitzt. Er war der Meinung, dass die Motorräder drei Jahre hinter der Formel 1 liegen. Aktuell sei der Abstand nahezu aufgeholt. In der Saison 2009 holte er zwei Daten-Ingenieure von Yamaha. "Wir wussten, dass sie wissen wollten, was wir bei Yamaha haben", ist sich Burgess sicher und fügt an: "Die zwei Ingenieure haben Yamaha verlassen, weil Honda mehr geboten hatte."

Ende 2009 verpflichtete Honda mit Livio Suppo einen langjährigen Ducati-Mitarbeiter, der für seine strategische Intelligenz bekannt ist. Er war damals verantwortlich für den Wechsel von Michelin zu Bridgestone, der Ducati Vorteile verschaffte. Suppo ist zudem einer der treibenden Kräfte für die Verpflichtung von Casey Stoner gewesenen.

"Wenn man einen starken Fahrer unter Vertrag nimmt, dann bedeutet das in erster Linie, dass man ihm einem Wettbewerber wegschnappt", stellt Suppo gegenüber 'Sport Rider' fest und erklärt: "Das ist der erste Effekt: Jemand anderes hat ihn nicht. Umso mehr man hat, desto einfacher ist es. In den letzten drei Jahren hat man immer nur von den Top-Vier gesprochen: Vale, Casey, Dani und Jorge. Yamaha hatte zwei und Ducati und Honda je einen. Das ist ein großer Vorteil für einen Hersteller. Nun haben wir einen starken Fahrer mehr und die Ergebnisse bestätigen das."

Stoner hat neben seinem Fahrkönnen vor allem eins zu Honda gebracht: Eine neue Herangehensweise, wie man die Dinge angeht. Burgess schildert die Bedeutung: "Wenn man eine Gruppe von Ingenieuren hat, die für den Fahrer arbeiten, ihm vertrauen und glauben, dann bewegt man sich vorwärts. Das ist aber etwas, was der Fahrer kreieren muss. Mick Doohan konnte das bei Honda."

Nakamoto beteuert, dass alle Fahrer den gleichen Input liefern. Die Worte des Siegfahrers haben allerdings größeres Gewicht. Bereits zu den Wintertests dominierte Honda. Als Lorenzo im Regenrennen von Jerez gewann, war es das erste Mal 2011, dass keine Honda die Liste anführt.

Rossi ist sich sicher, dass "die Honda einen klaren Vorteil beim Motor hat, vor allem gegen Yamaha, aber auch vor Ducati". Sie kommt der Yamaha sehr nahe, wenn es ums Fahrverhalten geht, hat aber deutlich mehr Leistung. Diese Zutaten sind optimal, um die letzte Chance auf einen Titel der 800er-Ära zu wahren. Aktuell führt Casey Stoner die WM-Tabelle mit 15 Punkten Vorsprung auf Yamaha und Lorenzo an.

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