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Stefan Bradl grüßt seine Fans nach dem fünften Platz am Sachsenring © imago

Der Sachsenring fordert Stefan Bradl und Sandro Cortese nicht nur sportlich. Drei Tage lang nimmt ihre besondere Rolle sie ein.

Hohenstein-Ernstthal - Als die letzten Sattelschlepper über die Landstraßen um Hohenstein-Ernstthal davon donnerten, kehrte langsam Ruhe ein am Sachsenring.

Nach drei Tagen Ausnahmezustand zog der Motorrad-WM-Zirkus weiter.

Für die deutschen Top-Fahrer, die Fans und die Region war es ein erfolgreiches, ein aufreibendes Wochenende zum 85-jährigen Bestehen des Traditionskurses - und eines, das Hoffnung macht.

Trotz sintflutartiger Regenfälle füllten fast 200.000 Zuschauer die Tribünen und suchten wo sie konnten den Kontakt zu den Stars. "Man sieht diese vollen Ränge und spürt, dass die mitfiebern und alles für einen brüllt", sagte MotoGP-Pilot Stefan Bradl: "Das ist eine große Motivation."

Historischer Sieg von Cortese

Derart unterstützt, hatte er sich in der Königsklasse ein atemloses Duell mit Superstar Valentino Rossi geliefert, es gewonnen und sich einen starken fünften Platz erkämpft (BERICHT: Bradl hält Legende in Schach).

Sandro Cortese sorgte mit seiner taktischen Meisterleistung in der Moto3 für einen historischen Sieg zum Abschluss des Wochenendes (BERICHT: Corteses historischer Sieg).

Tomczyk lobt Sachsenring

Für die Veranstalter war der achte WM-Lauf der Saison eine Bestätigung. Die Vertragsverlängerung bis 2016, so die einhellige Meinung, war die richtige Entscheidung.

"Es ist herrlich am Sachsenring. Das ist eine Fangemeinde, auf die man zählen kann", sagte ADAC-Sportpräsident Hermann Tomczyk zufrieden am Rennwochenende.

Auch in aus deutscher Sicht sportlich weniger erfreulichen Jahren waren die Zuschauerzahlen seit der Wiederaufnahme in den WM-Kalender 1998 stetig gestiegen.

Stresstest für die Stars

Nun sind auch die Erfolge wieder da. Mit 22 Jahren ist Bradl der vielversprechendste deutsche Pilot in der Königsklasse seit Gründung der MotoGP, Cortese kämpft sogar um den Titel (DATENCENTER: Ergebnisse der MotoGP).

Das öffentliche Interesse erreichte dadurch am Sachsenring einen neuen Höhepunkt. Ein Stresstest für die Stars.

"Man kommt mit dem Winken gar nicht mehr nach", sagte Bradl, dem die Fans während einer Autogrammstunde ein spontanes Ständchen hielten: "Ja, mir san mit'm Bradl da."

Vorfreude auf das eigene Bett

Doch der Besungene war schnell wieder weg.

Autogramme, Sponsorenwünsche und Interviews sorgten für Terminhatz. "Es war ein anderer Rhythmus hier", sagt Bradl, "sehr stressig".

Glücklich, aber müde war er am Ende: "Die Luft ist ein bisschen raus. Ich freue mich, heute in meinem Bett schlafen zu können."

[kaltura id="0_cnonqm7m" class="full_size" title="Bradl immer besser"]

Viele Autogramme ein Risiko

Auch Cortese sieht die Risiken des vollen Terminkalenders. "Natürlich freuen sich die Fans, wenn ich viele Autogramme gebe", sagte der 22-Jährige.

"Aber wenn ich dann das Rennen verhaue, heißt es: Cortese war abgelenkt."

Es gelte, die richtige Mischung zu finden.

Cortese glänzt mit taktischem Kalkül

Beiden Piloten ist das offensichtlich gelungen.

Cortese beeindruckte mit taktischem Kalkül. Wegen eines heftigen Unwetters war das Moto3-Rennen verschoben worden, noch beim Start stand auf der Strecke das Wasser.

Der Italo-Schwabe, von der Pole Position gestartet, fuhr auf Sicherheit, fiel gar auf Rang acht zurück. Doch der KTM-Pilot arbeitete sich auf der trocknenden Strecke vor - und holte den umjubelten ersten deutschen Sieg am Sachsenring seit 1971.

Pushen bis zum Maximum

"Ich musste über das gesamte Rennen ruhig bleiben, bei solchen Bedingungen macht man schnell Fehler", sagte Cortese. Zur Belohnung gab es die Führung im WM-Klassement vor seinem spanischen Rivalen Maverick Vinales.

Auch Bradl hatte sich zuvor "bis zum Maximum pushen" müssen, um den neunmaligen Weltmeister Rossi hinter sich zu halten. "Der fünfte Platz ist ein fantastisches Ergebnis", sagte der MotoGP-Neuling.

Zukunft Cortese, Bradl und der Sachsenring

Die Hoffnungsträger der deutschen Motorradfans, sie haben am Wochenende bestens funktioniert.

"Vielleicht", sagt Cortese, "können wir zusammen den deutschen Rennsport in Zukunft wieder annähernd dahin bringen, wo er mal war."

Der Sachsenring bleibt bei diesem Projekt eine verlässliche Größe.

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