Schon seit Jahren leistet sich der ungarische Bauunternehmer Imre Toth Sen. ein Grand-Prix-Team, indem Sohn Imre Jun. sowohl in der 125er- als auch in der 250er-Klasse bisher recht bescheidene Erfolge einfahren konnte. Seit mittlerweile vier Saisonen hat das Team Toth zwei fixe Startplätze in der Viertelliterkategorie. Neben dem 23-Jährigen Imre Jun. aus Budapest wurden seitdem immer wieder große Namen wie Roberto Locatelli, Hector Barbera und zuletzt Mattia Pasini verpflichtet. Meistens jedoch auf Vermittlung von Rennmaschinen-Lieferant Aprilia, damit diese namhaften Piloten dem Grand-Prix-Zirkus nicht verloren gehen würden.

In letzteren Fall hat man für Mattia Pasini sogar eine sündteure Werks-RSA neuesten Jahrgangs loseisen können, obwohl der Deal mit dem 23-Jährigen aus Rimini, der vergangenes Jahr die 250er-WM mit dem Sieg im Auftaktrennen in Katar auf Platz acht im Gesamtklassement beendet hatte, erst kurz vor dem WM-Auftakt zustande gekommen war. Seit geraumer Zeit kursieren im Fahrerlager Gerüchte über finanzielle Engpässe des Teams aus Ungarn, die auch seitens Aprilia bestätigt werden.

"Ja, es stimmt. Team Toth hat bis jetzt keinen Euro an Zahlungen für die zwei Motorräder der beiden Piloten geleistet. Und es gibt auch keinerlei Bankgarantien", sagte ein enger Vertrauter von Giampiero Sacchi in Assen, nachdem Rennsportdirektor der Piaggio Group, zu der die Marken Aprilia, Derbi und Gilera gehören, nach Donington Park zur Superbike-WM weiter gereist war. "Dieses Verhalten entspricht in keinster Weise einer geschäftlichen Beziehung. Ich weiß auch nicht wie lange Aprilia noch zuwarten wird. Vielleicht kann das Team beim nächsten Grand Prix am Sachsenring noch fahren, bevor die Motorräder eingezogen werden. Aber wie gesagt, genauere Details in der weiteren Vorgehensweise kenne ich auch nicht."

Leidtragender in dieser Geschichte ist vor allem Mattia Pasiini, der zuletzt in Mugello bei strömenden Regen für das Team Toth einen grandiosen Sieg eingefahren hatte. Obwohl er zu Gerüchten, dass er bereits demnächst in ein anderes Team transferiert werden sollte, keinen Kommentar abgeben wollte, meinte er dennoch zur Situation in seinem jetzigen Team: "In erster Linie bin ich Rennfahrer. Politik und Geschäftemacherei interessieren mich nicht, das ist die Aufgabe Anderer. Es würde mir ausgesprochen leidtun, wenn ich das Team Toth verlassen müsste. Nach anfänglichen Problemen sind wir jetzt ausgezeichnet aufeinander eingestellt. Wir arbeiten mittlerweile sehr gut zusammen. Der unglaubliche Sieg in Mugello hat dazu immens beigetragen."

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