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Kris Nissen (l.) und Jutta Kleinschmidt arbeiteten zwischen 2003 und 2006 zusammen bei VW © getty

Der VW-Motorsportchef wehrt sich gegen die Vorwürfe. Er vermutet eine inszenierte Kampagne. Aber er gesteht auch Fehler ein.

München - VW-Motorsportdirektor Kris Nissen hat sich in der Affäre um angebliche sexuelle Nötigung erstmals selbst zu Wort gemeldet und die gegen ihn erhobenen Vorwürfe zurückgewiesen.

"Die Vorwürfe gegen mich wegen sexueller Belästigung sind komplett haltlos. Es gibt nicht im Entferntesten einen Sex-Skandal. Dafür gibt es mehrere Zeugen, die den ganzen Abend mit mir in der Bar verbracht haben und dies auch bestätigen", sagte der Däne der "Braunschweiger Zeitung".

Das "Focus" hatte von Vorfällen nach dem Formel-3-Saisonfinale im November in Macau berichtet. Dort soll Nissen in der Hotelbar einen weiblichen Gast beleidigt und an die Brust gefasst haben.

Außerdem sei der frühere DTM-Pilot noch gegen einen Audi-Mitarbeiter handgreiflich geworden, weil der sich geweigert habe, ihm ein Bier zu zahlen.

"Das ist Rufmord"

Einen Streit mit einem Audi-Mitarbeiter räumte Nissen ein. "Richtig ist, dass mir in einer Bar ein Audi-Mitarbeiter seinen Cocktail ins Bierglas gekippt hat. Daraufhin wollte ich, dass er mir ein neues bezahlt. Er lehnte ab, und es kam zum Disput. Das bedaure ich."

Nissen vermutet eine "inszenierte Kampagne". "Das, was gegenwärtig über mich kolportiert wird, ist Rufmord. Da denkt man schnell an eine inszenierte Kampagne, insbesondere zu einer Zeit, in der wir mit Nachdruck unseren Job am anderen Ende der Welt machen und unsere Siegesserie fortsetzen wollen. Für mich ist spannend, wer hinter der Intrige steckt. Der Schaden für mich persönlich, aber auch für Volkswagen ist enorm."

Sainz gewinnt auch zweite Dakar-Etappe

Der VW-Konzern hat eine interne Untersuchung eingeleitet (VW hält an Nissen fest - vorerst).

Sportlich scheinen die Vorwürfe das VW-Team bislang nicht zu beeinträchtigen. Titelverteidiger Carlos Sainz gewann am Montag auch die zweite Etappe von Cordoba nach San Miguel de Tucuman über 324 Wertungskilometer mit 1:03 Minuten Vorsprung vor Teamkollege Nasser Al-Attiyah (Katar) mit dem Berliner Beifahrer Timo Gottschalk.

In der Gesamtwertung führt Sainz jetzt mit 3:05 Minuten Vorsprung vor Rekordsieger Stephane Peterhansel (Frankreich) im BMW X3 des X-raid-Teams aus dem hessischen Trebur. Al-Attiyah/Gottschalk sind Dritte (3:19 Minuten zurück).

Nissen contra Kleinschmidt

Nissen äußerte sich auch zu Vorwürfen der früheren VW-Co-Pilotin Tina Thörner und der ehemaligen VW-Werksfahrerin Jutta Kleinschmidt, die seinen Umgang mit Teammitgliedern angeprangert hatten.

"Wir betreiben Motorsport auf höchstem Niveau, da sind klare Ansprache und klare Führung notwendig, wenn man sportlich erfolgreich sein will. Motorsport ist kein Bürojob, da fallen auch schon mal härtere Töne. So ist das in dieser Welt", sagte Nissen.

Dass sich zwei Frauen, die früher bei VW unter Vertrag standen, kurz vor der Dakar zu Wort melden würden, finde er "gelinde gesagt, sehr bemerkenswert", meinte Nissen: "Mit beiden ist die Zusammenarbeit von mir als Motorsportdirektor aus guten Gründen ja nicht fortgesetzt worden. Wir konnten uns über die Vertragsmodalitäten nicht einigen. So etwas ist im Sport normal."

Kleinschmidt: "Für die Übergriffe gibt es Zeugen"

Jutta Kleinschmidt, Dakar-Siegerin von 2001 und von 2002 bis 2006 Werkspilotin bei VW, hatte in der "Welt" Vorwürfe gegen Nissen erhoben.

"Für die sexuellen Übergriffe gibt es zahlreiche Zeugen. Alle diese Anschuldigungen sind korrekt. Es scheint unglaublich, dass niemand etwas davon mitbekommen haben will. Viele haben davon gewusst. Aber was sollten sie denn machen? Da hängen ganze Existenzen dran", sagte die 48-Jährige.

"Viele haben unter Nissen ihren Job verloren. Es reichte schon, wenn man zum falschen Zeitpunkt eine Zeitung gelesen hat. Er war unantastbar. Irgendwann haben alle nur noch den Mund gehalten und versucht, unbeschadet ihrem Job nachzugehen."

Sie habe sich als eine der wenigen Personen gewagt, ihm zu widersprechen. Das habe oft zu Ärger und schließlich zu ihrem Abschied geführt.

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