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Nasser Al-Attiyah wechselte im Jahr 2009 von BMW ins VW-Team © getty

Trotz der internen Querelen dominiert das VW-Duo weiterhin die Rallye Dakar. Al-Attiyah holt sich den zweiten Tagessieg.

Antofagasta - Von den Querelen um VW-Motorsportdirektor Kris Nissen lassen sich seine beiden Top-Piloten Carlos Sainz und Nasser Al-Attiyah nicht beeindrucken.

Während sich Nissen bei der Dakar-Rallye in Argentinien und Chile öffentlichen Vorwürfen der sexuellen Nötigung ausgesetzt sieht, dominieren Titelverteidiger Sainz und Al-Attiyah das sportliche Geschehen und können das Herzschlagfinale vom Vorjahr sogar noch toppen.

Nach dem zweiten Tagessieg von Al-Attiyah und seinem Berliner Beifahrer Timo Gottschalk auf der aus Sicherheitsgründen verkürzten siebten Etappe am Sonntag von Arica nach Antofagasta trennen die beiden VW-Heißsporne nur noch 1:22 Minuten.

Fünf von sechs Tagessiegen an VW

"El Matador" Sainz, der bislang vier Tagessiege verbuchte, am Sonntag aber 1:20 Minuten langsamer war, lag vorigen Jahr im Ziel 2:12 Minuten vor seinem Teamkollegen aus Katar. Es war die knappste Dakar-Entscheidung aller Zeiten.

Keine Frage, dass Gottschalk und Al-Attiyah den Einlauf in diesem Jahr gerne umdrehen würden.

"Der Kampf an der Spitze ist extrem hart. Das nötige Tempo bei kalkuliertem Risiko zu gehen, ist keine leichte Aufgabe", sagte Gottschalk schon vor dem Tagessieg am Sonntag: "Die zweite Woche wird nicht weniger interessant. Jetzt kommen die Tage, an denen wir uns einen Vorsprung erarbeiten müssen, wenn wir die Rallye gewinnen wollen."

Peterhansel noch nicht raus

Für Al-Attiyah ist es allerdings kein Zweikampf nur mit Sainz, sondern ein Dreikampf, auch wenn Dakar-Rekordgewinner Stephane Peterhansel (Frankreich) im BMW X3 des X-raid-Teams aus dem hessischen Trebur weitere 7:40 Minuten verlor und jetzt schon 21:11 Minuten Rückstand auf Sainz hat.

"Denn nur scheinbar haben mein Teamkollege Carlos Sainz und ich uns etwas abgesetzt. Doch diese Rückstände sind für eine Rallye Dakar extrem knapp", sagte der schnelle Araber, der 2004 in Athen Olympiavierter im Tontaubenschießen war.

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Vier Reifenschäden

Peterhansel, der sich einmal gegen die VW-Konkurrenz durchgesetzt hatte, war schon auf der sechsten Etappe am Freitag durch gleich vier Reifenschäden ein wenig zurückgefallen.

"Wir hatten nur drei Ersatzräder und deswegen mussten wir anhalten, um den letzten Reifen wieder aufzupumpen", meinte der neunmalige Gesamtsieger (sechsmal Motorrad, dreimal Auto).

Noch nichts gewonnen

Sein Teamchef Sven Quandt hat den Sieg aber noch nicht abgeschrieben. "Es ist jetzt sicher schwierig, aber wir werden unser Bestes geben", sagte Quandt, der nach einem Unfall bei Testfahrten am Ruhetag allerdings Peterhansels Landsmann Guerlain Chicherit aus dem Rennen nehmen musste, weil dessen Mini Countryman zu stark beschädigt war.

Quandts VW-Kollege Nissen hat dagegen mehr Grund zur Freude.

Auch von Zitzewitz hofft noch

"Das Tempo und die Herausforderung sind noch höher als im vergangenen Jahr. Stephane Peterhansel macht einen tollen Job, unsere Volkswagen-Duos Carlos Sainz und Lucas Cruz sowie Nasser Al-Attiyah und Timo Gottschalk einen noch besseren", sagte Nissen.

"Weiterhin gilt: Wir müssen zunächst die Rallye Dakar mit ihren Bedingungen schlagen und in zweiter Linie Peterhansel im Griff behalten."

Gut unterwegs war am Sonntag auch der zweite deutsche VW-Beifahrer Dirk von Zitzewitz (Karlshof), der mit Giniel de Villiers (Südafrika) auf Tagesplatz drei fuhr und trotz 32:45 Minuten Rückstand in der Gesamtwertung den zweiten Sieg nach 2009 ebenfalls noch nicht abgeschrieben hat.

Haltlose Vorwürfe

Nissen unterdessen hat am Ruhetag in Arica die im "Focus" gegen ihn erhobenen Anschuldigungen unter anderem der sexuellen Nötigung noch einmal zurückgewiesen.

"Das sind alle haltlose Vorwürfe", sagte der Däne in der offiziellen Medienrunde seines Teams: "Ich sowie viele Andere halten das für eine gesteuerte Kampagne, um mir und/oder VW zu schaden. Nach der Dakar werden VW und ich die Sache aufklären. Die Anwälte haben bereits gemeinsam angefangen", sagte Nissen.

Der VW-Vorstand war in einem Brief von der Angelegenheit unterrichtet worden.

Abschließendes Urteil in zwei Wochen

"Wir haben die Vorwürfe gegen Kris Nissen zur Kenntnis genommen und prüfen diese nun", sagte Stefan Grühsem, der Generalbevollmächtigte Konzern-Kommunikation bei VW:

"Wir gehen davon aus, dass wir in ein bis zwei Wochen alle Fakten vorliegen und uns dann ein abschließendes Urteil gebildet haben."

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