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Timo Gottschalk wurde mit Nasser Al-Attiyah bei der Dakar 2010 Zweiter © getty

Der Berliner kann als dritter deutscher Beifahrer innerhalb von neun Jahren die Dakar-Rallye gewinnen. Der Weg dahin war steinig.

Copiapo - Vielleicht ist es die "deutsche Gründlichkeit", die deutsche Co-Piloten bei der Dakar-Rallye so stark macht. Mutmaßt Timo Gottschalk.

Möglicherweise hat aber auch ein kleiner Glücksbringer den Berliner Beifahrer und seinen Piloten Nasser Al-Attiyah auf den richtigen Weg gebracht.

Bevor nämlich das ungleiche Duo aus Berlin und Katar am Montag mit dem zweiten Tagessieg in Folge VW-Kollege Carlos Sainz von der Spitze der Gesamtwertung verdrängte, hatte ein Kameramann des Teams Gottschalk ein kurz zuvor gefundenes Hufeisen geschenkt.

"Nasser hat es genehmigt, denn eigentlich ist es ja zusätzlicher Ballast", sagte Gottschalk augenzwinkernd: "Und dann haben wir es halt mitgenommen."

Gottschalk, der Pizzabote

Nun also schickt sich der 36-Jährige an, als dritter Deutscher nach Andy Schulz, der nach dem Triumph mit Jutta Kleinschmidt 2001 zwei Jahre später auch mit Hiroshi Masuoka siegte, und Dirk von Zitzewitz (2009 mit Giniel de Villiers) innerhalb von neun Jahren die Dakar zu gewinnen.

Hufeisen hin, Aberglaube her - eigentlich verlässt sich Gottschalk ja doch lieber auf seine penible Vorbereitung.

"Eine bis anderthalb Stunden pro 100 Kilometer" - so lange brütet er am Abend vor einer Etappe über dem Roadbook, um seinem Fahrer den perfekten Weg zu weisen. Bei Etappenlängen von teilweise mehr als 600 Kilometern ein abendfüllendes Programm.

Genauso zielstrebig hat Gottschalk auch seinen Traum, Rallye-Beifahrer zu werden, wahr werden lassen. Als Pizzabote finanzierte er sich einst das Ingenieurstudium der Fahrzeugtechnik, um das nötige Hintergrundwissen zu erlangen.

"Da nehmen wir uns nicht viel"

Nach Einsätzen in der klassischen Rallye-WM, die immer noch seine eigentliche Liebe ist, wechselte er 2007 zu VW in den Marathon-Sport.

2009 wurde er mit Dieter Depping Sechster, 2010 verpasste er mit Al-Attiyah nur um 2:12 Minuten den Dakar-Sieg. In diesem Jahr soll es nun endlich klappen, zumal Fahrer und Co-Pilot immer besser harmonieren.

"Man muss ein Vertrauen zueinander aufbauen, das geht über viele Kilometer", sagt Gottschalk, der dem impulsiven Araber im Cockpit auch schon mal deftig Kontra gibt.

"Da nehmen wir beide uns nicht viel", sagt der Blondschopf, der nach vielen Jahren in Berlin inzwischen mit seiner Freundin und deren zwei Kindern im brandenburgischen Rheinsberg lebt.

[kaltura id="0_fx0ktfzu" class="full_size" title="Ein Tag hinter den Kulissen"]

Zuversicht bei Gottschalk

An der Seite von Al-Attiyah gibt es immer wieder Neues zu erleben. Wie beispielsweise die spektakuläre Fahrt von der Riesendüne in Iquique in der ersten Rallye-Woche, bei der Gottschalk nach eigenem Bekunden schon "die Arschbacken zusammenkneifen" musste: "Ich hab mehrmals geguckt, ob da wirklich eine 200 auf dem Tacho stand."

Al-Attiyah fühlt sich im Sand einfach zu Hause. Deshalb ging Gottschalk am Dienstag auch zuversichtlich in die kurzfristig um 28 auf 207 Kilometer verkürzte Schleife durch die Dünenfelder rund um die seit der spektakulären Rettung der chilenischen Bergarbeiter weltberühmte Minenstadt Copiapo.

6:36 Minuten Vorsprung hatten die beiden, ein bisschen mehr sollte es gerne noch werden. Dann könnte man nach der zweiten Anden-Überquerung am Mittwoch den zweimaligen Rallye-Weltmeister Sainz auf den flacheren letzten Teilstücken in Richtung Ziel in Buenos Aires vielleicht kontrollieren.

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