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Nasser Al-Attiyah und Timo Gottschalk führen die Rallye Dakar 2011 an © getty

Das VW-Duo Gottschalk und Al-Attiyah steht kurz von dem Sieg bei der Rallye Dakar. Der Vorsprung beträgt fast eine Stunde.

San Juan - In den letzten Jahren sind sie mehr und mehr gereift, am Samstag wollen der Berliner Co-Pilot Timo Gottschalk und VW-Werksfahrer Nasser Al-Attiyah aus Katar endgültig ihre Reifeprüfung ablegen.

Auf dem Weg zum ersten Dakar-Sieg ihrer Karriere können sich die beiden eigentlich nur noch selber schlagen - und dafür haben sie sich bei dieser Rallye bislang viel zu clever präsentiert.

"Man darf immer nur so schnell fahren, wie es das Auto erlaubt", sagt Gottschalk, der nach Andy Schulz (München/zuletzt 2003) und VW-Kollege Dirk von Zitzewitz (Karlshof) am Samstag als dritter deutscher Beifahrer innerhalb von neun Jahren den Dakar-Pokal in Empfang nehmen könnte.

Während sich Al-Attiyah und Gottschalk kaum Fehler leisteten, riskierte der eigentlich erfahrenere Vorjahressieger und Teamkollege Carlos Sainz (Spanien) am Donnerstag bei der Aufholjagd zuviel.

Nissen ist "sehr stolz"

Er übersah ein Loch und beschädigte damit so stark die rechte Vorderrad-Aufhängung seines VW Touareg, dass er durch die nötige Reparaturpause insgesamt 1:14:50 Stunden und damit die ganze Rallye verlor.

Ein bisschen Mitleid hatte Gottschalk mit den Team-Rivalen, dennoch sprach er von einer sportlichen Entscheidung: "Wir haben das auch schon oft genug erlebt, dass wir an der Spitze liegend ausgefallen sind."

Dieses Mal nicht, mit ihrer neuen Zuverlässigkeit machen Al-Attiyah und Gottschalk, die auf den letzten beiden Etappen am Freitag und Samstag nur noch 736 Wertungskilometer vor sich haben, VW-Motorsportdirektor Kris Nissen "sehr stolz".

Al-Attiyah will Olympia-Gold

Noch im vergangenen Jahr war Al-Attiyah, der als Olympiavierter von Athen 2004 auch noch von der Goldmedaille im Tontaubenschießen bei den Olympischen Spielen 2012 in London träumt, eher mal zu schnell unterwegs.

"Was ihm gefehlt hat, war das Vertrauen in die Strategie, dass langsam manchmal schneller ist", sagt Nissen über den 40-jährigen Araber.

Inzwischen setze er sich jeden Abend mit den beiden zusammen und berate die beste Strategie, sagte Nissen: "Es ist sehr schön, dass sie das auch umgesetzt haben."

[kaltura id="0_fx0ktfzu" class="full_size" title="Ein Tag hinter den Kulissen"]

"Dakar-Sieg bedeutet alles"

Al-Attiyah sei inzwischen "wild und kontrolliert zugleich", beschreibt Gottschalk seinen schnellen Chauffeur, der in diesem Jahr anscheinend genau die richtige Dosierung gefunden hat.

"Die Dakar zu gewinnen, würde für mich alles bedeuten. Das ist mein Traum, seit ich 15 Jahre alt war", sagt Al-Attiyah: "Damals habe ich meinem Vater gesagt, eines Tages gehe ich zur Dakar und werde sie gewinnen."

Trotz des beruhigenden Vorsprungs von 51:49 Minuten auf die ebenfalls für VW fahrenden Sieger von 2009, Giniel de Villiers (Südafrika) und von Zitzewitz, wollten die Spitzenreiter nicht zu viel Tempo rausnehmen.

Gottschalk warnt vor Schlendrian

"Wir müssen aufpassen, dass wir nicht die Konzentration verlieren. Wenn man nicht schnell genug unterwegs ist, macht man Fehler", sagte Gottschalk vor dem Start in das vorletzte Teilstück am Freitag von San Juan nach Cordoba, bei dem bei großer Hitze 555 Wertungskilometer auf dem Programm standen.

Diese Ankündigung setzten sie perfekt um und büßten lediglich 3:28 Minuten ein und gehen jetzt mit 48:21 Minuten Vorsprung auf die letzten 181 Wertungskilometer beim letzten Teilstück am Samstag nach Buenos Aires.

Etappensieger wurde Vorjahressieger Carlos Sainz mit einen Vorsprung von 2:43 Minuten auf De Villiers/Von Zitzewitz und 6:11 Minuten auf Al- Attiyah/Gottschalk. Für den Spanier war es der sechste Etappensieg.

Doktor schimpft auf Al-Attiyah

Die Gefahr, leichtsinnig zu werden, sieht Al-Attiyah bei sich nicht, die nötige Nervenstärke und Konzentrationsfähigkeit holt er sich beim Schießen.

"Ich gebe immer alles, vom Start bis in Ziel. Manchmal vergesse ich dabei sogar, genug zu trinken, und werde von unserem Doktor ausgeschimpft", sagt Al-Attiyah: "Ich antworte ihm dann immer: Sorry, ich habe zu tun."

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