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Claudia Pechstein gewann bei den Olympischen Spielen 2006 in Turin Gold © AFP

Die Eisschnelllauf-Olympiasiegerin will in London als Radfahrerin starten. Von der Osaka-Regel fühlt sie sich nicht betroffen.

München - Deutschlands erfolgreichste Winter-Olympionikin Claudia Pechstein will als Quereinsteigerin auch bei Sommerspielen auf Medaillenjagd gehen.

Die fünfmalige Eisschnelllauf-Olympiasiegerin sagte der Sport Bild: "Mein Ziel sind die Olympischen Spiele in London 2012. Dort möchte ich auf der Bahn starten - als Radfahrerin."

Bereits bei der Bahn-DM vom 6. bis 10. Juli in ihrer Heimatstadt Berlin will die 39-Jährige in der Einerverfolgung starten.

"Außerdem plane ich einen Start im Sprint oder im 500-m-Zeitfahren. Ich traue mir das zu, denn als Eisschnellläuferin habe ich viel auf dem Rad trainiert. Ich habe doch nichts zu verlieren", sagte Pechstein.

Vorhaben stößt auf Skepsis

Auf Skepsis stößt ihr Vorhaben bei Detlef Uibel. Der Bundestrainer Kurzzeit sagte: "Ich will Claudia Pechstein nicht zu nahetreten, aber ich halte das für sehr fragwürdig. Für einen Quereinsteiger ist das sehr schwierig und in kurzer Zeit nicht erlernbar, gerade mit Blick auf die Schnelligkeit und die Rennübersicht."

Ohnehin ist fraglich, ob die streitbare Berlinerin im Falle einer sportlichen Qualifikation für London vom Internationalen Olympischen Komitee (IOC) auch eine Startberechtigung erhält.

Laut der sogenannten Osaka-Regel darf ein Athlet nach Ablauf einer Dopingsperre an zwei aufeinanderfolgenden Olympischen Spielen nicht teilnehmen (Machen Sie es wie SPORT1 und Magdalena Neuner: Unterstützen Sie München 2018).

Zweijährige Sperre ist abgelaufen

Claudia Pechstein war wegen erhöhter Retikulozyten-Werte vom Eisschnelllauf-Weltverband ISU für zwei Jahre gesperrt worden, ohne dass es einen positiven Dopingbefund gegeben hatte. Am 8. Februar 2011 war die Sperre abgelaufen.

Im Anschluss nahm die 39-Jährige wieder an Wettkämpfen teil und gewann bei der WM in Inzell Bronze über 5000 m.

"Diese Regel gilt also nicht für mich, denn ich habe nie gedopt. Meine Sperre war ein Fehlurteil, das auf einem einzigen Indiz, meinen erhöhten Retikulozytenwerten, beruht. Diese Werte sind längst durch meine Blutanomalie medizinisch erklärt", sagte Pechstein.

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"Jetzt will ich mir die gestohlenen Spiele von Vancouver zurückholen. Ich werde alles dransetzen, dass die Osaka-Regel für mich außer Kraft gesetzt wird. Denn ich will ja nicht nur in London, sondern auch 2014 in Sotschi im Eisschnelllauf an den Start gehen."

Pechstein kündigt Kampf an

Das IOC behält sich für jeden einzelnen Fall eine Prüfung vor. "Ich werde um meine Chance kämpfen, sportlich, diplomatisch - und, wenn es sein muss, auch juristisch", kündigte Pechstein an.

Über eine zweigleisige Karriere habe sie bereits "einige Male nachgedacht", sagte Claudia Pechstein, "aber irgendwie wollte ich im Sommer nie Wettkämpfe bestreiten."

Inzwischen hat sie auf der Bahn trainiert, "acht Wochen lang, jeweils zweimal die Woche, also 16-mal. Ich habe mich wohl ganz gut angestellt, denn ansonsten hätten die Trainer mit Sicherheit gesagt: 'Lass mal lieber sein'."

Pechsteins Karriere-Fortsetzung ist erst seit Anfang Juni gesichert. Sie einigte sich mit dem Bundesinnenministerium (BMI) darauf, dass die Polizeihauptmeisterin der Bundespolizei bei Wegfall der Bezüge bis auf Weiteres Sonderurlaub erhält.

Rothenburger-Luding als Vorbild

Ein erfolgreicher Spagat zwischen Eisschnelllauf und Radsport ist zuvor erst einmal geglückt.

1988 schaffte Christa Rothenburger-Luding (Dresden) das Kunststück, zunächst bei den Winterspielen in Calgary Gold (1000 m) und Silber (500 m) zu gewinnen und danach bei den Sommerspielen in Seoul Silber im Bahnradsprint zu holen.

Bei den Männern war der US-Amerikaner Eric Heiden nach seinen fünf Eisschnelllauf-Goldmedaillen von Lake Placid 1980 ein erfolgreicher Quereinsteiger und nahm 1986 sogar an der Tour de France teil.

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