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Thomas Bach ist erst der dritte deutsche IOC-Vizepräsident © imago

Der DOSB-Präsident gibt für London 2012 Platz fünf im Medaillenspiegel als Ziel aus und hofft dabei auch auf Dirk Nowitzki.

München - Ein Jahr vor dem Olympia-Auftakt in London am 27. Juli 2012 sieht Thomas Bach den deutschen Sport gut aufgestellt.

"Wir können sehr zuversichtlich sein. Die Entwicklung 2010 und die Ergebnisse dieses Jahres bieten gute Voraussetzungen, wieder in der Weltspitze mitzumischen", sagte der Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB).

Als Ziel nennt Bach die Wiederholung des fünften Platzes von den Sommerspielen 2008 in Peking, warnt aber vor, dass es weniger als die damals 16 Siege und ingesamt 41 Medaillen geben könnte.

"Der internationale Konkurrenzkampf war noch nie so hart", sagte Bach: "In Athen 2004 haben 74 Länder Medaillen gewonnen, 2008 in Peking waren es schon 85. Das ist Ausdruck der Globalität.

Ansprüche sinken

"Wenn sich dieser Trend fortsetzt, müssen wir vielleicht mit weniger zufrieden sein", befürchtet der DOSB-Präsident. "Auch ein sechster oder siebter Platz im Medaillenspiegel könnte gut sein, wenn dabei die Rahmenbedingungen stimmen."

2008 in Peking hatte China (51 Goldmedaillen) erstmals die USA (36) überflügelt. Neben Russland (23) lag auch Großbritannien (19), das bei den Heimspielen 2012 wahrscheinlich noch deutlich erfolgreicher sein wird, vor der deutschen Mannschaft (16).

Dahinter folgten Australien (14) und Südkorea (13). (BERICHT: Bach macht Sommerspiele wieder zum Thema)

Mannschaft "400 plus X"

Bach rechnet mit einer Mannschaft "400 plus X", schließt jedoch nicht aus, dass es durch das Scheitern in etlichen der sechs Mannschaftssportarten am Ende deutlich weniger sein könnten.

2008 in Peking startete Deutschland mit 436 Athleten, 2004 in Athen mit 452 und 2000 in Sydney gar nur mit 428, als das bisher kleinste Team seit der Vereinigung (463 Athleten 1992) antrat.

"Wir haben leider die Situation, dass sich im Fußball weder Frauen noch Männer qualifiziert haben, das ist für ein Fußball-Land schmerzlich, vor allem das Scheitern der Frauen bei der WM im eigenen Land", sagt Bach.

Hoffen auf Nowitzki

Er ist jedoch sehr zuversichtlich, dass es beide Hockeyteams bei der EM in Mönchengladbach schaffen. Bach: "Ich denke da an die Herren vor Peking, ihre Teilnahme stand auf des Messers Schneide, und dann sind sie Olympiasieger geworden."

Zu den Chancen der anderen Mannschaften sagt der Fecht-Olympiasieger von 1976 mit dem Florett-Team: "Im Handball und Volleyball wird es schwer, im Basketball bin ich optimistisch, nachdem jetzt feststeht, dass Dirk Nowitzki bei der EM im September dabei ist. Im Wasserball zeigt es sich in Kürze bei der jetzt laufenden WM."

Während der Spiele in London wird es laut Thomas Bach im traditionellen Deutschen Haus auch ein Fanfest geben. "Dabei können die Fans auch in Kontakt mit unserer Olympiamannschaft kommen."

Vorbereitungen auf einem guten Weg

Die Vorbereitungen in London sieht der Vizepräsident des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) auf einem guten Weg.

"Die Sportstätten sind zu 90 Prozent fertig, auch das Budget ist absolut im Plan. Ich gehe davon aus, dass Sebastian Coe, der mit mir in der IOC-Athletenkommission saß, beste Voraussetzungen für faszinierende Olympische Spiele und eine große Begeisterung der Bevölkerung schafft."

Diese würde es mit Sicherheit auch geben, wenn Deutschland wieder Olympische Spiele ausrichten würde, versichert Bach gut zwei Wochen nach dem Scheitern der Münchner Bewerbung um die Winterspiele 2018 gegen Pyeongchang/Südkorea. (BERICHT: Fassungslosigkeit nach Münchens Waterloo)

Erneute Münchner Kandidatur fraglich

Ob München 2022 noch einmal antritt, oder es eine Bewerbung um Sommerspiele gibt, werde sich zeigen: (EINWURF: Ja zu Geld und Tränendrüse)

"Zunächst müssen wir abwarten, ob es für Deutschland bessere Möglichkeiten gibt für eine Bewerbung um Sommer- oder Winterspiele. Das hängt von internationalen Faktoren ab, aber auch von der innenpolitischen Situation."

Laut Bach muss mit Blick auf eine mögliche weitere deutsche Bewerbung erst einmal geprüft werden: "Wer tritt für die Sommerspiele 2020 an, was kristallisiert sich dabei heraus, und welche Kandidaten gibt es für 2022? Erst dann werden wir entscheiden, ob eine Bewerbung Sinn macht und für was und wann."

Drei deutsche Kandidaten

Thomas Bach sieht allenfalls drei deutsche Städte als mögliche Ausrichter für Olympische Sommerspiele 2024 oder 2028:

"Berlin und Hamburg haben ihr Interesse ja schon über die Medien bekundet. Ich sehe eher weniger als vier deutsche Städte in der Lage, Sommerspiele auszurichten."

Für eine erneute Bewerbung um Winterspiele sieht Bach für 2022 nur München in Frage kommen.

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