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Die Krawalle in London begannen vor einer Woche im Problemviertel Tottenham © dpa

Nach den Unruhen fordert ein FDP-Politiker, Olympia nach Deutschland zu verlegen. Die Sportausschuss-Chefin widerspricht.

Von Benjamin Bauer

München - Ziehen die Unruhen in London womöglich weitere Kreise, als bislang vermutet wird?

Fest steht: Die öffentliche Sicherheit ist in Gefahr ? und damit auch Sportveranstaltungen. 2012 steht die größte überhaupt in London auf dem Programm. ( 434896DIASHOW: Die Olympischen Spielstätten)

Die Olympischen Sommerspiele sollen in ziemlich genau einem Jahr reibungslos und friedlich über die Bühne gehen.

Doch Olympia scheint in Gefahr. Das glaubt zumindest FDP-Politiker Manuel Höferlin. Das Mitglied des Bundestags bringt in der "Bild" Deutschland als möglichen Ersatzaustragungsort ins Gespräch: "Holt Olympia nach Deutschland!" fordert er hinsichtlich der Randale.

"Die Idee zeugt von Naivität"

Symbolisches Kopfschütteln löst die Aussage Höferlins bei Dagmar Freitag aus, der Vorsitzenden des Sportausschusses im Deutschen Bundestag.

"Die Idee, Olympia 2012 in Deutschland durchzuführen, halte ich für absurd", urteilt Freitag gegenüber SPORT1 über den Vorschlag Höferlins.

"Deutschland hat letztlich gezeigt, dass es große Sportveranstaltungen durchführen kann, aber Olympische Spiele erfordern eine längere und sorgfältige Vorbereitungszeit. Die Idee zeugt von Naivität", kanzelt die 58-Jährige Höferlin ab.

Gienger warnt

Dennoch blickt auch Freitag mit einem wachen Auge nach London: "Die Sportler haben ein Anrecht auf Sicherheit."

Auch Eberhard Gienger (CDU, 60), Mitglied des Sportausschusses des Bundestages und Ex-Turnweltmeister, legt großen Wert auf Sicherheit: "Das IOC muss gewährleisten, dass das Sicherheitskonzept der Olympischen Sommerspiele 2012 überprüft wird. Die Spiele müssen vor Unruhen sicher sein", so Gienger in der "Bild".

Der Fußball kapituliert

Eine Sicherheit, die aktuell in England nicht überall gegeben ist: Das Fußball-Länderspiel zwischen England und Vize-Weltmeister Niederlande wurde aufgrund der Krawallen abgesagt.

Auch in der Premier League ruht am kommenden Wochenende der Ball.

In Tottenham, Ausgangspunkt der Tumulte, wird die Erstliga-Partie gegen den FC Everton nicht angepfiffen. Weitere Spiele sind von einer Absage bedroht. Der Fußball kapituliert vor den Unruhen.

Anders sieht es beim Badminton aus. Das in London stattfindende WM-Turnier verläuft reibungslos.

Optimismus bei Vesper

Am 27. Juli 2012 soll in der englischen Hauptstadt das Olympische Feuer entzündet werden. Die "Jugend der Welt soll sich bei sportlichen Wettkämpfen messen und sich nicht auf den Schlachtfeldern bekämpfen" ? so lautet das Credo der Olympischen Bewegung.

Jene Schlachtfelder, die gerade über die britische Insel verstreut sind und bald der Vergangenheit angehören sollten, damit im Sommer 2012 statt Autos nur das Olympische Feuer brennt.

Optimistisch blickt Michael Vesper, Generaldirektor des deutschen Olympischen Sportbundes, in die Zukunft und sieht Olympia nicht bedroht durch eine Wiederholung der Randale in einem Jahr: "Ich glaube nicht, dass es dazu kommt, weil die Sicherheitskräfte daraus ihre Konsequenzen ziehen werden. Ich bin sehr optimistisch, dass so etwas dann nicht passieren wird."

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