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Der Basketballer Dirk Nowitzki führte bei den Spielen in Peking die deutsche Delegation an © getty

Mit dem kleinsten Olympiateam seit der Wiedervereinigung reist Deutschland zu den Sommerspielen nach London.

Frankfurt/Main - Mit dem kleinsten Olympiateam seit der Wiedervereinigung, aber den gleichen Zielen wird Deutschland zu den Sommerspielen in London (27. Juli bis 12. August) reisen.

Nach den Pleiten der Mannschaftssportarten wird das deutsche Team in der britischen Hauptstadt wohl aus maximal 400 Sportlern bestehen.

Im Fußball, Handball und Basketball wurde kein Olympiaticket gelöst.

Das kleinste Team seit der deutschen Vereinigung im 1990 ging zehn Jahre später in Sydney mit 428 Athleten an den Start. In Peking 2008 waren es 441 Sportler.

"Ganz oben mitmischen"

"Es ist offensichtlich, dass uns die eine oder andere Mannschaftsportart fehlt. Dennoch haben wir den Anspruch, auch in London ganz oben in der Weltspitze mitzumischen. Aber wir wissen auch, dass es in London den härtesten Konkurrenzkampf geben wird, den es je gegeben hat", sagte DOSB-Präsident Thomas Bach am Dienstag nach der 49. Präsidiumssitzung des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) in Frankfurt/Main.

Bach, zugleich Vizepräsident des Internationalen Olympischen Komitees (IOC), versicherte aber, dass der DOSB mindestens so gut abschneiden wolle wie in Peking:

"Wir verfolgen das Ziel, unseren Platz in der Weltspitze der besten Nationen erfolgreich zu verteidigen. Allerdings wächst die Konkurrenz aus Japan, Südkorea, der Ukraine oder auch Großbritannien stetig. Bei den anderen Nationen waren nie so viel Geld und Know-how im Spiel."

16 Siege und 41 Medaillen

2008 in Peking hatte Deutschland mit 16 Siegen und insgesamt 41 Medaillen hinter China (51 Gold), den USA (36), Russland (23) und den Briten (19) Platz fünf in der Nationenwertung belegt.

Doch Goldmedaillen alleine stehen für Bach nicht im Vordergrund: "Als Athlet ist man glücklich, wenn man bei Olympia seine persönliche Bestleistung abruft. Und wenn die Athleten zufrieden sind, dann sind wir auch zufrieden", sagte Bach, der in den Einzelsportarten die ein oder andere Überraschung erwartet:

"Wir können davon ausgehen, dass sich einigen Athleten, deren Sportarten sonst nicht so im Fokus stehen, große Chancen bieten."

Erfurter Dopingaffäre wirft Schatten voraus

Damit die Olympia-Vorbereitungen geräuschfrei über die Bühne gehen können, erhofft sich Bach eine schnelle Aufklärung der Erfurter Dopingaffäre (NADA verspricht: "Es wird nicht am Geld scheitern").

"Wir hoffen, dass das Verfahren noch vor Olympia zum Abschluss kommt. Aber das liegt natürlich in den Händen der Staatsanwaltschaft", sagte Bach.

Der Mediziner Dr. Andreas Franke hat zwischen 2006 und 2011 als Vertragsarzt am Olympiastützpunkt (OSP) Thüringen in Erfurt gearbeitet.

Bei mindestens 30 Athleten hat Franke Blut entnommen, mit UV-Licht bestrahlt und reinjiziert, nach eigener Darstellung ausschließlich zur Behandlung und Vorbeugung von Infekten.

Die meisten Kontrollen in der Olympia-Geschichte

NADA und auch die Welt-Anti-Doping-Agentur WADA sehen in der Methode einen Dopingverstoß.

In London wird es die meisten Kontrollen in der Olympia-Geschichte geben. Rund 6000 sind geplant.

"Es werden verstärkt Ziel- und Blutkontrollen durchgeführt, um ein engmaschiges Netz zu haben. Darüber hinaus werden wir von DOSB-Seite aus besondere Anstrengungen unternehmen", sagte Bach.

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