Asterix in Rio: Eine Favela leistet Widerstand
Rio de Janeiro - Ganz Rio de Janeiro freut sich auf Olympia 2016. Ganz Rio de Janeiro?
Nein, eine 4000-Seelen-Enklave inmitten der brasilianischen Ausrichter-Metropole lässt sich von der Euphorie über die Ausrichtung der Sommerspiele 2016 nicht einlullen - und setzt sich gegen Umsiedlungspläne der Regierung im Zuge der Olympiavorbereitung zur Wehr.
"Die Favela Vila Autodromo könnte so etwas werden wie unser gallisches Dorf, das dem Eindringling getrotzt - und gewonnen hat", sagte Carlos Vainer von der Bundesuniversität Rio de Janeiro in Anspielung auf Comic-Held Asterix und seine Mitstreiter.
Dem Highway im Weg
Zum Verdruss der Favela-Bewohner soll die von Kokosnusspalmen gesäumte Siedlung nahe einer idyllischen Lagune einem mehrspurigen Highway weichen, um die verkehrstechnische Anbindung an den Olympiapark zu optimieren.
Den Raub der Heimat will die Stadt Rio de Janeiro durch neue und günstige Wohnungen nahe der Favela kompensieren.
"Wir werden alles tun, um die Menschenrechte zu wahren", sagte Bürgermeister Eduardo Paes. Außerdem würde ein Großteil der Bewohner in unzumutbaren sanitären Zuständen leben.
Alternativplan statt Zaubertrank
Doch die Betroffenen bleiben trotz der Verständigungsbemühungen unversöhnlich. "Die Zwangsräumung ist absurd. Gott hat uns diese kleine Ecke des Paradieses gegeben", sagte der 71-jährige Pedro Paulo Franklin.
Der frühere Feuerwehrmann und seine Leidensgenossen haben zwar keinen Kessel voller Zaubertrank, um sich wie die Bewohner des gallischen Dorfes gegen die Römer zu stemmen.
Dafür haben sie sich mit Städteplanern aus Rio verbündet und einen alternativen Plan ausgearbeitet, der die Zerstörung der heimischen Gefilde doch noch abwenden soll.
Auch eine Geldfrage
"Das Problem kann innerhalb der Dorfgemeinschaft gelöst werden", sagte Städteplanerin Giselle Tanaka. Um die vom Bürgermeister angesprochenen Mängel zu bekämpfen, sollen die zu nahe an der Lagune gebauten Häuser abgerissen werden.
Die dadurch verlustig gegangene Wohnfläche würde durch einen Ausbau der übrigen Behausungen in die Höhe kompensiert werden. Zudem beinhalten die Planspiele gepflasterte Straßen, den Bau einer Schule und die Verbesserung der sanitären Zustände.
"Aus politischer, umwelttechnischer, städtischer und finanzieller Perspektive ist der Plan der Leute besser", sagte Carlos Vainer der Nachrichtenagentur AFP. Und günstiger. Laut Schätzungen der Anwohner würde ihr auf sieben Millionen Dollar veranschlagtes Projekt lediglich halb so viel Geld verschlingen wie die Umsiedlungsszenarien der Regierung.
Robin Hood für Reiche?
Doch nach Meinung der Favela-Bewohner handelt es sich dabei sowieso nur um ein perfides Manöver, die Siedler zu vertreiben und sich die begehrten Grundstücke unter den Nagel zu reißen.
"Der Highway führt eigentlich geradeaus, macht dann aber dann einen Schlenker durch die Favela. Damit soll nur ein Argument für die Räumung geschaffen werden", so Vainer.
"Unsere Regierung verhält sich wie Robin Hood - nur umgekehrt", sagte Altair Guimaraes, der Präsident der Anwohnergemeinschaft von Vila Autodromo.
Denn im Gegensatz zu dem Held aus der angelsächsischen Mythologie, würden die Verantwortlichen nicht die Armen, sondern die Reichen beschenken.
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