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Diskuswerfer Robert Harting wurde 2009 und 2011 Weltmeister © getty

Dem Diskus-Olympiasieger geht der DOSB-Boss "auf den Senkel". Er fordert mehr Selbstkritik und Veränderungen. Vesper kontert.

Kreta - Die Sonne stand gerade im Zenit, da platzte Diskus-Olympiasieger Robert Harting der Kragen.

In bislang nicht gekannter Deutlichkeit attackierte einer der Chef-Kritiker des Sportfördersystems den Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) und dessen Präsidenten Thomas Bach.

"Mir geht auf den Senkel, dass es eine extreme Diskrepanz zwischen Ausführern und Entscheidern gibt. Ein Bach weiß nicht, was ein Julius Brink tut", sagte Harting.(NEWS: Alles zur Leichtathletik)

Anstatt sich im Urlaub auf Kreta von den Strapazen einer langen und erfolgreichen Saison zu entspannen, holte Harting am Dienstag zum großen Rundumschlag gegen den Verband aus.

Harting spricht Klartext

"Die Verteilung des Geldes ist undurchsichtig. Da hat der Deutsche Olympische Sportbund einiges zu tun, man muss selbstkritisch mit sich umgehen. Ich hoffe, dass sich wirklich etwas ändert, sonst geht das alles gegen den Baum", sagte Harting.

Der 27-jährige Welt- und Europameister fühlt sich vom DOSB ungerecht behandelt, "wenn der Verbandspräsident mir persönlich sagt: unser Ziel ist nicht die Finanzierung der Athleten, sondern die duale Karriere. Und dass sie primär nicht dafür verantwortlich sind, dass die Athleten Geld verdienen.

Wenn Athleten Geld verdienen wollen, sollen sie Lotto spielen - das höre ich von dem DOSB-Präsidenten. Ich, der acht Stunden am Tag trainiert und danach noch zwei Stunden Uni macht. Da fehlen mir die Worte, da fehlen mir einfach die Worte. Das ist sowas von daneben. Das ist so selbstgefällig und einfach blass."

DOSB reagiert gelassen

DOSB-Präsident Bach hatte kürzlich im Gespräch mit dem Berliner Tagesspiegel gesagt: "Wenn einer den olympischen Leistungssport mit der Zielsetzung beginnt, durch einen Olympiasieg ausgesorgt zu haben, würde ich ihm eher empfehlen zur Lotto-Annahmestelle zu gehen."

Der DOSB nahm die Breitseite von Harting - zumindest nach außen - gelassen zur Kenntnis. "Wir freuen uns über jeden Diskussionsbeitrag. Dies gilt selbst in diesem Fall, wo Robert Harting offenkundig polemisch und auf falschen Fakten basierend argumentiert", sagte Generaldirektor Michael Vesper:

"Der DOSB unterstützt die Sporthilfe und damit die Athletenförderung vertraglich fixiert mit jährlich 1,2 Million Euro - pro Olympiade also 4,8 Millionen Euro, das scheint Robert Harting nicht zu wissen. "

Darüber hinaus sei die Kanalisierung der öffentlichen Gelder für die Sportförderung entscheidend: "Da hat Robert Harting vollkommen Recht."

"Harting ist herzlich eingeladen"

Für die Verteilung der Gelder gibt es seit 2006 erstmals einen Schlüssel, den die Mitgliederversammlung zweimal mit überwältigender Mehrheit beschlossen hat.

"Im Übrigen werden die sportpolitischen Entscheidungen im Präsidium unter Mitwirkung des gewählten Vorsitzenden der Athletenkommission getroffen", sagte Vesper und fügte an: "Robert Harting ist herzlich eingeladen, sich in diesem Gremium zu engagieren und sich der demokratischen Wahl zu stellen."

Vesper verwies außerdem auf die duale Karriere, die als Verbindung von Sport und Beruf von der Athletenkommission zu einem ihrer wichtigsten Anliegen gemacht worden sei.

"Da hört es irgendwo auf"

Harting sieht bei der Lösung des Problems jedoch nicht die Sportler in der Pflicht.

"Wir können nicht Sport machen, nicht studieren, diversen Parteien dienen und jetzt auch noch das Sportsystem umbauen. Da hört es irgendwo auf", sagte Harting:

"Dafür gibt es genug Leute, die dafür Geld bekommen und sich politisch gebildet haben, um jetzt den Schritt vom Funktionär, der sitzt, hin zum Aktiven zu machen."

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