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Die deutschen Athleten holten in London 44 Medaillen © getty

In der Debatte um die Athletenförderung werden die Vorschläge für Reformen konkreter. Mehr Transparenz wird gefordert.

Berlin - Mehr Transparenz, mehr Beteiligung der Atheten und eine größe Einbindung externer Experten: In der Debatte um die Zukunft der Förderung deutscher Spitzenathleten werden die Vorschläge für Reformen immer konkreter.

Dagmar Freitag als Vorsitzende des Deutschen Bundestages forderte klare Einschnitte, während der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) und das Bundesinnenministerium (BMI) charmant abblockten.

"Es ist doch erstaunlich, dass sich jetzt mehr und mehr Verbände zu Wort gemeldet haben. Damit wird deutlich, dass eine breite Debatte gewünscht und auch notwendig ist", sagte die SPD-Politikerin. Es wäre hilfreich, wenn bei der Anpassung des Fördersystems externe Sachverständige eingebunden würden. (BERICHT: Harting wettert gegen Bach)

Freitag: "Ich denke da an Sportwissenschaftler wie Professor Eike Emrich oder Professor Joachim Mester von der Sporthochschule Köln."

Vesper gesprächsbereit

DOSB-Generaldirektor Michael Vesper zeigte sich durchaus aufgeschlossen. "Ich begrüße zunächst jeden konstruktiven Vorschlag. Allerdings sind wir ein System, das demokratischen Regeln unterliegt. Deshalb sollten Vorschläge in die Gremien einfließen, bevor sie in der Zeitung erscheinen", sagte Vesper am Rande des Sportausschusses des Deutschen Bundestages.

Gut Ding will Weile haben

Forderungen nach schnellen Reformen wich Vesper aus: "Wir sind den Beschlüssen der Mitgliederversammlung von 2007 verpflichtet."

Auch Gerhard Böhm, Abteilungsleiter Sport im BMI, gab kurzfristigen Änderungen keine Chance. "Der Haushalt muss bis Anfang November stehen. Darin enthalten ist auch die Konzeption der Grundförderung für den olympischen Zyklus bis 2016. Ich weiß nicht, wie da noch grundlegende Veränderungen durchgesetzt werden sollen", sagte der Vertreter des größten Geldgebers, meinte aber auch: "Letztendlich ist das eine Entscheidung des Sports."

Kritik von DTTB und DLV

Der DOSB hatte in der vergangenen Woche beschlossen, am bisherigen Modell der Förderung sowie an den Zielvereinbarungen weitgehend festzuhalten. Das stieß vor allem beim Deutschen Tischtennis-Bund (DTTB) und beim Deutschen Leichtathletik-Verband (DLV) auf Kritik.

Diskus-Olympiasieger Robert Harting (Berlin) forderte mehr Geld für Athleten und attackierte DOSB-Präsident Thomas Bach direkt.

SPD will mehr Transparenz

Auch bei der Offenlegung der Zielvereinbarungen will Freitag dauerhaft mehr Transparenz erreichen. Die SPD brachte einen Antrag in den Sportausschuss ein, wonach die Zielvereinbarungen für alle zukünftigen Olympischen Spiele dem Sportausschuss zugänglich gemacht werden sollten.

Bei Olympia in London hatten zwei Journalisten die Offenlegung vor Gericht durchgesetzt. "Nachdem die Beschwerde gegen die Veröffentlichung vom Oberverwaltungsgericht abgelehnt wurde, müssen DOSB und BMI ihr Versteckspiel endlich beenden", sagte Freitag.

Athletensprecher fordert Maßnahmen

Auch nach Einschätzung des Athletensprechers Christian Breuer sei "das Gesamtkonzept der Mittelverteilung im deutschen Spitzensport zu überdenken und zu reformieren".

In einem offenen Brief an den Sportauschuss kritisierten die Athleten vor allem das BMI. Der hohe Grad an Bürokratie bei der Verteilung der Gelder stelle ein großes Problem dar. Es würden immer mehr Ressourcen, Mittel, Personal und Energie in das Füllen von Aktenordnern gesteckt, anstatt den Athleten optimal zu fördern, hieß es.

Kritik an NADA-Rotstift

Heftige Kritik übte die Athleten-Kommission auch an der immer noch fehlenden finanziellen Unterstützung für die Nationale Anti Doping Agentur (NADA). Das Kontrollsystem werde "mit Füßen getreten". Die Mittelkürzung durch den Bund sei unhaltbar.

Auch die SPD sprach von einer "drohenden Blamage" auf internationaler Ebene, falls die Finanzierung nicht gewährleistet werde. Der NADA fehlen immer noch 1,35 Millionen Euro für den Haushalt des kommenden Jahres.