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Robert Harting (r., mit Joachim Gauck) gewann bei Olympia in London die Goldmedaille © getty

Bei der Verleihung des Silbernen Lorbeerblatts hebt Bundespräsident Gauck die Bedeutung der Sportler und deren Erfolge hervor.

Berlin - Das ehrfürchtige Ambiente im Schloss Bellevue und die Autorität von Bundespräsident Joachim Gauck schienen selbst den deutschen Hockey-Nationalspielern Respekt einzuflößen.

Anders als das Traumschiff MS Deutschland bei der rauschenden Rückreise aus London überstand Gaucks Amtssitz die Ansammlung der nationalen Sportelite am Mittwoch gänzlich unbeschadet.

Für eine weitere Olympia-Party war der Anlass auch zu würdevoll.

Gauck verlieh den deutschen Medaillengewinnern der Olympischen und Paralympischen Spiele von London das Silberne Lorbeerblatt.

Gauck schwärmt von Athleten

Dabei hob Gauck vor allem deren Vorbildfunktion für die Gesellschaft hervor.

"Wir brauchen Sie nicht nur als Sportler, sondern auch als Vorbilder in allen anderen Lebensbereichen", sagte der 72-Jährige in seiner Festrede an die rund 150 anwesenden Athletinnen und Athleten.

"Mein größter Wunsch heute ist, dass die ganze Gesellschaft begreift, dass wir nicht furchtsam Herausforderungen scheuen, sondern sie annehmen. Diese Einstellung hat Sie, liebe Ehrengäste, nicht unglücklich, sondern stark gemacht."

Harting sehr ehrlich

Gauck musste bei der Veranstaltung viele Hände schütteln und Lorbeerblätter verteilen, doch seinen Humor verlor er dabei nicht.

"Bevor Sie sich danach erkundigen: Das ist echtes Silber", sagte er in die Menge.

Bei Diskus-Olympiasieger Robert Harting dürfte die höchste Auszeichnung in Deutschland für sportliche Spitzenleistungen dennoch keinen Sonderplatz in der Wohnung bekommen.

"Bei mir kommt alles in eine Kiste im Keller", behauptete der Berliner, der die Ehrung dennoch "mit Stolz" entgegengenommen habe.

"Ein Foto für Omi" mit Gauck

Da Gauck sowohl bei den Olympischen als auch den Paralympischen Spielen in London vor Ort gewesen war, sei die Verleihung für ihn "ein schöner Termin mit vielen erhabenen Erinnerungen".

Vor allem die Begegnungen im Deutschen Haus während der Spiele seien ihm im Gedächtnis geblieben: "Dort konnten die Athleten mal den Bundespräsidenten anfassen und ein Foto für Omi machen."

Gauck thematisiert Doping

Das deutsche Staatsoberhaupt sparte in seiner Rede jedoch auch das Thema Doping nicht aus.

"Wir können uns nur dann an den Höchstleistungen erfreuen, wenn sie ehrlich erbracht wurden", sagte Gauck: "Ich könnte es mir leichter machen und diese Seite des Sports komplett ausblenden. Schließlich sind wir bei einer Feierstunde. Aber damit würde ich der Symbolik des Lorbeerblattes nicht gerecht werden."

"Es gibt nur einen Sport"

Schützin Manuela Schmermund, die dem Deutschen Behinderten Sportverband (DBS) in der ersten Paralympics-Entscheidung mit Silber die erste Medaille beschert hatte, hob die Bedeutung der Auszeichnung für die Gleichstellung hervor.

"Eigentlich gibt es nicht den paralympischen und den normalen Sport, sondern nur einen Sport", erklärte Schmermund.

Das Silberne Lorbeerblatt wurde am 23. Juni 1950 vom ersten deutschen Bundespräsidenten Theodor Heuss gestiftet.

1993 wurden erstmals bei einer gemeinsamen Verleihung durch Alt-Bundespräsident Richard von Weizsäcker Olympia-Starter und Paralympics-Teilnehmer für ihre in Barcelona gewonnenen Medaillen geehrt.