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Thomas Bach ist seit Mai 2006 Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes © getty

Der DOSB-Boss bewirbt sich um das IOC-Präsidenten-Amt. Die Chancen für die Olympiabewerbung 2022 dürfte das schmälern.

Frankfurt/Main - Kaum hatte Thomas Bach offiziell zum Gipfelsturm in den Olymp des Weltsports angesetzt, da kamen auch schon die guten Wünsche von Angela Merkel.

"Die Bundeskanzlerin begrüßt seine Kandidatur sehr und wünscht ihm Erfolg", teilte eine Regierungssprecherin mit.

Unmittelbar zuvor hatte Bach auf einer Pressekonferenz in Frankfurt verkündet, was eigentlich keine Überraschung mehr war: Der 59-Jährige wird sich am 10. September in Buenos Aires als Nachfolger des scheidenden IOC-Präsidenten Jacques Rogge zur Wahl stellen.

"Ich glaube, dass meine langjährige Erfahrung und aufgebauten Vertrauensverhältnisse sowie mein Herzblut als Athlet und Olympiasieger den ein oder anderen überzeugen können", begründete Bach seine Entscheidung.

Bach will mit Motto überzeugen

Ganz staatsmännisch war der DOSB-Boss einen Tag, nachdem er Jacques Rogge per Telefon über seine Kandidatur informiert hatte, in grauem Anzug und mit hellblauer Krawatte vor die Medien getreten.

Mit seinem Wahlkampfmotto "Einheit in Vielfalt" will er bis zum Stichtag bei der 125. Vollversammmlung in Buenos Aires auch die rund 100 Mitglieder des IOC-Imperiums überzeugen.

"Die programmatischen Aussagen werden unter diesem Titel stehen. Es bringt die Universalität der olympischen Idee auf der einen Seite und die Solidarität des internationalen Sports auf der anderen Seite gut zum Ausdruck", sagte der Wirschaftsanwalt aus Tauberbischofsheim.

Münchens Chancen geschmälert?

Bachs Erfolg oder Misserfolg dürfte auch Einfluss auf die Chancen der deutschen Bewerbung um die Ausrichtung der Winterspiele 2022 haben.

Den Ambitionen von München, das nach der gescheiterten Kandidatur für 2018 einen neuen Anlauf erwägt, könnte Bachs Kandidatur schaden: Insider, die mit der inneren Logik des IOC vertraut sind, halten für wenig wahrscheinlich, dass binnen zwei Jahren in zwei wichtigen Abstimmungen zweimal ein deutscher Bewerber siegt.

Tröger sieht Bach als Favoriten

Bach bewirbt sich als zweiter Deutscher nach Willi Daume 1980 um das höchste Amt im Weltsport.

Für Walther Tröger, den ehemaliger Präsidenten des Nationalen Olympischen Komitees (NOK), geht Bach "als klarer Favorit" ins Rennen. "Seine Kandidatur ist absolut logisch und war von langer Hand vorbereitet", sagte der 84-Jährige.

Bach habe ein Konzept und eine Strategie, alles andere sei im IOC nicht vorhersehbar.

Aus dem Grund hält Tröger auch einen Doppelsieg für Bach und München nicht für unmöglich: Die deutsche Bewerbung für 2022 sei "so gut, dass sie für sich steht".

Glückwünsche von Niersbach

DFB-Präsident Wolfgang Niersbach begrüßt die Entscheidung des ehemaligen Weltklasse-Fechters.

"Er hat uns persönlich von seiner Entscheidung informiert, und ich habe ihn spontan dazu beglückwünscht", sagte Niersbach.

Er wisse, "welch außergewöhnlich hohe Wertschätzung" Bach im internationalen Sport genieße, "über welch große Erfahrung und enorme Kompetenz er verfügt".

DOSB-Generalsekretär Michael Vesper beteuerte, "dass der ganze deutsche Sport" hinter Bach stehe, und bezeichnete ihn als "echten Mannschaftskapitän, der stets den Dialog mit seinen Partnern sucht".

Bach will keine Bezahlung

Der Kandidat betonte derweil schon einmal, dass er nicht der erste vollbezahlte IOC-Chef werden will.

"Ich würde das Amt als Ehrenamt wahrnehmen", sagte Bach. Sein guter Freund, der 71-jährige Rogge, hatte jüngst angekündigt, der IOC-Exekutive vorschlagen zu wollen, den bezahlten Präsidenten zu bewilligen.

Bach, 1976 in Montreal Fecht-Olympiasieger mit der Florett-Mannschaft, stürzte sich am Donnerstagnachmittag voller Tatendrang in den Wahlkampf.

Florett-Erfolg macht Bach Hoffnung

"Als Sportler liebt man die Wettkampfsituation. Deshalb freue ich mich auf die vier Monate Wettkampf", sagte der Jurist mit dem großen Netzwerk an Kontakten.

Als gutes Omen wertete Bach die Tatsache, dass er mit dem Florett-Team 1977 ausgerechnet in Buenos Aires Weltmeister wurde. "Damals lagen wir im Finale gegen Italien mit 1:7 zurück und haben trotzdem noch gewonnen."

Das Gefecht ging als "die Legende" der Finalkämpfe in die Geschichte ein. "Vielleicht ist das ein gutes Omen", sagte Bach und schmunzelte.

Rogge hält große Stücke auf Bach

Der fränkische IOC-Vize gilt in Fachkreisen als Favorit auf den olympischen Chefsessel.

Im Falle einer Wahl wäre Bach, dessen mögliche Gegenkandidaten sich bis 6. Juni beim IOC erklären müssten, der neunte Präsident in der Geschichte der 1894 gegründeten Weltsport-Regierung.

Auch Rogge hält große Stücke auf den Deutschen.

"Thomas Bach hat alle Qualitäten, die ein Präsident braucht: Er ist intelligent, kennt den Sport, liebt den Sport, kann Teams bilden, er hat das Geschick", hatte der nach zwei Amtsperioden ausscheidende Belgier schon 2011 gesagt.

Trainingslager für Bach

Dass er als erster Kandidat seinen Hut in den Ring geworfen hat, begründete Bach pragmatisch. "Meine innerliche Entscheidung ist vor ein paar Tagen gefallen. Ich wollte jetzt nicht mit einer Hängepartie antreten und den Kollegen offen gegenübertreten", sagte er.

Bereits am Rande der anstehenden Veranstaltung der Italienischen Olympischen Akademie in Rom wird Bach wichtige Gespräche führen und auf Stimmenjagd gehen.

"Ich mache mich auf den Weg ins Trainingslager", sagte der 59-Jährige am Donnerstag vor seinem Abflug. Auch der Besuch der Kanu-WM in Duisburg (27. August bis 1. September) steht bereits im Terminplan von Bach.

Vergleich zu Daume hinkt

Einen Vergleich mit jenen Zeiten, in denen sich Willi Daume 1980 als erster Deutscher um das höchste Amt im Weltsport bewarb, lässt Tröger übrigens nicht zu:

"Damals gab es keine Vorbereitung. Da haben sich gestandene Persönlichkeiten zur Wahl gestellt, die für Seilschaften nicht verfügbar waren. Das hat sich inzwischen verändert."