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Thomas Bach wurde 2008 zum Ehrenbürger der Stadt Tauberbischofsheim ernannt © getty

Kurz vor der IOC-Präsidentenwahl schickt DOSB-Präsident Thomas Bach seinen Anwalt gegen mehrere Zeitungen in die Spur.

München - Thomas Bach gerät vor der wichtigsten Wahl seines Lebens immer mehr unter Druck.

Der 59-Jährige, der am 10. September in Buenos Aires erster deutscher Präsident des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) werden will, wird verstärkt mit Kritik an seinen vielfältigen wirtschaftlichen Engagements und mit unbequemen Fragen zu seiner Vergangenheit konfrontiert. (BERICHT: Bach spürt den Gegenwind)

Bach reagiert kurz vor dem sportpolitischen Weltereignis dünnhäutig und versucht, die Berichterstattung mit Hilfe seines Anwalts zu verhindern.

Drohschreiben an mindestens drei Redaktionen

Der "Main-Post", die Bach Fragen im Zusammenhang mit der viel diskutierten Studie zu Doping in Westdeutschland stellte, schickte der Wirtschaftsanwalt aus Tauberbischofsheim statt inhaltlicher Antworten eine Stellungnahme seines Rechtsbeistands Christian Schertz.

Der Berliner Medienanwalt drohte mit rechtlichen Schritten im Falle von "Verdachts-Berichterstattung". Vergleichbare Schreiben gingen an die "Berliner Zeitung" und mindestens an ein weiteres Medium.

Bach versuchte, sich über seinen Pressesprecher Christian Klaue zu rechtfertigen. "Es gab Dutzende Gespräche und Interviews mit nationalen und internationalen Medien in den vergangenen Wochen, übrigens auch mit der 'Main-Post'", teilte Klaue mit, "aber wir bitten um Verständnis, dass Herr Bach nicht auf jede in absurde Fragen verpackte Unterstellung reagiert."

Gespräche mit DDR-Trainern?

Unter anderem fragte die Zeitung nach Kontakten des Fecht-Olypiasiegers von 1976 zum damaligen Tauberbischofsheimer Fecht-Guru Emil Beck:

"Der Ihnen bekannte, frühere Fechttrainer und Chef des Leistungszentrums in Tauberbischofsheim, Emil Beck, war lange Jahre auch Vorsitzender der Trainervereinigung im Deutschen Sportbund. Nach unseren Informationen hatte er Kontakt zu DDR-Trainern gesucht. Haben Sie an Gesprächen mit DDR-Trainern teilgenommen? Wenn ja, können Sie sich erinnern, worum es ging?"

Fragen nach Freiburger Ärzten

Die "Berliner Zeitung" hatte Bach unter anderem gefragt, ob er jemals bei den umstrittenen Freiburger Ärzten Joseph Keul und Armin Klümper, zentrale Figuren der Doping-Studie, in Behandlung gewesen sei.

"Zu Ihren Fragen kann festgestellt werden, dass sich hier jegliche Verbindung zu unserem Mandanten in einem etwaigen Bericht verbietet", schrieb Anwalt Schertz der "Main-Post".

Deren Rechtsvertreter Johannes Weberling sagte dazu: "Das offenbar hinter dem Vorgehen von Herrn Bach stehende Verständnis des Grundrechts der Pressefreiheit in einer freien Gesellschaft hat mich regelrecht erschreckt."

Kontakte nach Arabien

Auch anderweitig muss Bach, der am Samstag in Richtung Buenos Aires aufbricht und deshalb nicht an der am Montag in Berlin stattfindenden Sondersitzung des Bundestags-Sportausschusses zur Dopingstudie teilnehmen wird, vor der Wahl mit Kritik leben.

Die Tatsache, dass der IOC-Vize und DOSB-Boss zeitgleich Vorsitzender der Ghorfa ist, einer Gruppe, die für deutsche Unternehmen Kontakte in die arabische Welt knüpft, ruft Unverständnis hervor.

"Wenn der Präsident der Ghorfa gleichzeitig in einem Gremium Führungspositionen anstrebt, das eigentlich für Völkerverständigung und Frieden stehen möchte, dann habe ich kein gutes Gefühl, gerade wenn ich sehe, wie sehr die Ghorfa Rüstungsimporte unterstützt und wie wenig sie sich offensichtlich um menschenrechtlich verantwortliches Unternehmensverhalten kümmert", sagte Mathias John von Amnesty International dem ARD-Magazin "Monitor".

Unterstützung vom DFB

Die Grünen hatten dieses Engagement Bachs, der FDP-Mitglied ist, auch schon auf die politische Bühne in Berlin gehievt.

Reinhold Robbe von der Deutsch-Israelischen Gesellschaft sagte in Monitor: "Herr Bach muss sich schon gewisse Fragen gefallen lassen, wie er seine neutrale Position auch als einer der führenden Sportfunktionäre in der Bundesrepublik Deutschland vereinbaren will mit der Praxis, die gegen Israel von der Ghorfa betrieben wird."

Unterstützung erhielt Bach am Freitag erneut vom Deutschen Fußball-Bund. Das DFB-Präsidium beschloss auf seiner Sitzung in Frankfurt am Main, sich geschlossen hinter die Kandidatur von Bach zu stellen.

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