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Thomas Bach ist seit 2013 Präsident des Internationalen Olympischen Komitees
Thomas Bach gilt als Favorit bei der Wahl zum IOC-Präsidenten © getty

In Buenos Aires stellt das IOC die Weichen: Wer wird Präsident? Wo steigt Olympia 2020? Und was wird eigentlich aus den Ringern?

Buenos Aires - Thomas Bach will als erster Deutscher "Herr der Ringe" werden, drei Städte hoffen auf den Zuschlag für die Sommerspiele 2020 - und das olympische Schwergewicht Ringen auf eine neue Chance: Die 125. Vollversammlung des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) in Buenos Aires (6. bis 10. September) ist mit drei Entscheidungen von enormer Tragweite eine der wichtigsten der 119-jährigen IOC-Geschichte.

Bach (59) will den Sport in aller Welt mehr denn je beeinflussen, als neunter IOC-Präsident seit 1894 und Nachfolger des scheidenden Belgiers Jacques Rogge.

"Ich habe ein paar ganz gute Ideen, wie der Sport in Zukunft gestaltet werden sollte. Dies möchte ich gerne gemeinsam mit meinen IOC-Kollegen umsetzen", sagt der Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB).

Bach gilt als Favorit

Bach stellt sich zum krönenden Abschluss der Session am kommenden Dienstag unter dem Motto "Einheit in Vielfalt" zur Wahl. "Es gibt Herausforderungen für Olympische Spiele und das IOC, die man unter drei Schlagworten zusammenfassen kann: Nachhaltigkeit, Glaubwürdigkeit, Jugend", sagt er.

Bach geht nach mehr als zwei Jahrzehnten des Strippenziehens als Favorit ins Rennen. Im Wahlkampf, der sich bis zur Entscheidung in der Metropole an der Mündung des Rio de la Plata noch zuspitzen wird, versucht er, seine fünf Konkurrenten seit Wochen zu ignorieren.

Auf Nachfragen nach seinem größten Widersacher lautete seine Antwort stets, dass er "in solchen Kategorien" nicht denke und allein an seiner eigenen Mehrheit arbeite.

Konkurrenz aus Costa Rica

Chancen werden auch Richard Carrion zugeschrieben. Der Top-Banker aus Puerto Rico ist Rogges Finanzexperte und für die traumhaften Geldreserven des IOC hauptverantwortlich: Sie haben sich trotz zweier Weltwirtschaftskrisen in den vergangenen zehn Jahren auf 900 Millionen Euro verneunfacht.

Gleichauf mit Carrion scheint Ng (sprich "Äng") Ser Miang aus Singapur zu liegen, ein Milliardär und ehemaliger Segler. Ng läutete die heiße Phase des Wahlkampfes mit einer Stellungnahme in der "Süddeutschen Zeitung" zu Bach ein, der wegen seiner Nähe zu Scheich Ahmad al-Sabah aus Kuwait, dem angeblichen Königsmacher im IOC, in der Kritik steht.

Das IOC bräuchte "einen Präsidenten von höchster Integrität, der unabhängig ist, frei von jeglichem Einfluss von außen und frei von Vorwürfen", sagte Ng süffisant.

Auch Bubka unter den Bewerbern

Als krasse Außenseiter gelten der Schweizer Denis Oswald, Wu Ching-Kuo aus Taiwan und Stabhochsprung-Weltrekorder Sergej Bubka (Ukraine). "Diese Wahl ist im IOC die wichtigste aller Zeiten", sagt der Finne Peter Tallberg, nach dem Russen Witali Smirnow dienstältestes IOC-Mitglied.

Eine gut drei Jahre alte Äußerung von Bubka lässt erahnen, dass Bach die Nase weit vorne haben könnte. Die Leichtathletik-Ikone bezeichnete den Deutschen bei der IOC-Session 2010 in Vancouver als "einzig denkbaren Nachfolger" für Rogge, nachdem Bach mit einer überwältigenden Mehrheit von 80:14 Stimmen erneut zum IOC-Vize gewählt worden war.

Kritik an Bach wächst

Allerdings wirkte Bach, der auf dem Weg zu seinem Traumziel vermehrt unter Druck gerät, zuletzt eher wie ein Mann, der einen Vorsprung ins Ziel zu retten hat. In der Heimat musste der Taktiker wegen seiner zögernden Anti-Doping-Politik und seiner rigiden Vorgehensweise gegen kritische Journalisten, deren Berichterstattung er mit anwaltlicher Hilfe im Keim ersticken wollte, immer mehr Kritik einstecken. (BERICHT: Bach spürt den Gegenwind)

Was das IOC-Wahlvolk davon hält und was sich in der letzten Woche noch für Stimmenverschiebungen ergeben könnten - niemand weiß es genau.

Wo steigen die Spiele 2020?

Flankiert wird der heiße Wahlkampf von zwei weiteren brisanten Entscheidungen. Vor allem die Wahl des Austragungsortes der Olympischen Spiele 2020 am Samstag hat es in sich. Erwartet wird ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen Madrid und Tokio.

Istanbul hat es durch die jüngsten gewalttätigen Unruhen in der Stadt wohl bereits selbst verbockt. Der umstrittene Ministerpräsident Recep Erdogan will vor Ort im Hilton Buenos Aires versuchen zu retten, was noch zu retten ist.

Probleme bei allen Kandidaten

"Wir sind in der glücklichen Lage, dass es drei sehr starke Kandidaturen gibt, die alle unterschiedliche Herausforderungen bewältigen müssen", sagt Bach.

Madrid hat vor allem mit der Wirtschaftskrise zu kämpfen, Tokio versucht händeringend, die Atom-Katastrophe von Fukushima in den Griff zu bekommen. Allerdings gehen aktuell alarmierende Nachrichten von neuerlichen Störfällen am Reaktor um die Welt.

Ringer hoffen auf Wiederaufnhame

Am Sonntag schließlich buhlen Ringen, Squash und Baseball/Softball um den freien Platz für die Spiele 2020. Nachdem die IOC-Exekutive das jahrtausende alte Ringen, seit 1896 mit einer Ausnahme (1900) immer im Olympiaprogramm, im Februar gestrichen hatte, fegte ein Proteststurm durch die Sportwelt und einte sogar politische Gegner in den USA, Iran und Russland.

Vor allem wegen mächtiger Unterstützer wie Russlands Präsident Wladimir Putin gilt eine Wiederaufnahme des Ringens ins Kernprogramm als so gut wie sicher.

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