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Die Präsidentschaftskandidaten (v. l. n. r.): Carrion, Bubka, Bach, Ng, Wu, Oswald © getty

Das IOC wählt seinen neuen Präsidenten. SPORT1 stellt die Konkurrenten des Deutschen Thomas Bach vor und beurteilt ihre Chancen.

Buenos Aires - Fünf Männer stellen sich neben dem Präsidenten des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB), Thomas Bach, zur Wahl des IOC-Chefs. Das Internationale Olympische Komitee bestimmt in Buenos Aires den Nachfolger von Jacques Rogge. Bach gilt als aussichtsreichster Kandidat, ist wegen seines rigiden Umgangs mit kritischen Journalisten und angesichts Lobbyismus-Vorwürfen aber nicht unumstritten. Die Kandidaten und ihre Chancen im Überblick:

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Thomas Bach (Tauberbischofsheim)

Geb.: 29. Dezember 1953

Beruf: Wirtschaftsanwalt

Olympische Vergangenheit: Mannschafts-Olympiasieger 1976 in Montreal im Florett

Aufgaben im IOC: Mitglied der Exekutive (1996 - 2004, Vizepräsident (2004 und seit 2006), Vorsitzender der juristischen Kommission, Vorsitzender der Evaluierungskommission für die Winterspiele 2002 und die Sommerspiele 2004, Vorsitzender der Disziplinarkommission bei Olympia, Verkäufer der olympischen TV-Rechte für Europa.

Andere Aufgaben: Seit 2006 Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB).

Pro: Er hat bereits viele Aufgaben in der olympischen Bewegung ausgefüllt. Bach spricht fließend Englisch und Französisch und ordentlich Spanisch. Scheich Ahmad al-Sabah (Kuwait), der einflussreiche Chef der Vereinigung aller Nationalen Olympischen Komitees (ANOC), unterstützt ihn.

Contra: Einige Mitglieder monieren das zu offensive Lobbying von Scheich al-Sabah. (BERICHT: Bach spürt den Gegenwind)

SPORT1-Prognose: Bach ist der ganz klare Favorit. Alles andere als seine Wahl wäre eine Überraschung.

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Sergej Bubka (Ukraine)

Geb.: 4. Dezember 1963

Beruf: Geschäftsmann

Olympische Vergangenheit: Olympiasieger 1988 in Seoul im Stabhochsprung, Teilnehmer an vier Olympischen Spielen. Er hält die Weltrekorde im Freien (6,14 Meter) und in der Halle (6,15 Meter). 43 Sprünge über sechs Meter.

Aufgaben im IOC: Seit 2012 ist er reguläres Mitglied der Exekutive. Zuvor war er Vorsitzender der Athletenkommission (2002 - 2008). Vorsitzender der Entouragekommission seit 2010.

Andere Aufgaben: Präsident des Nationalen Olympischen Komitees der Ukraine. Seit 2007 Vizepräsident des Leichtathletik-Weltverbandes IAAF.

Pro: Der Stabhochsprung-Weltrekordler hat den prominentesten Namen. Hochrangige Positionen im IOC, in der IAAF und im Nationalen Olympischen Komitee seiner Heimat.

Contra: Gilt als zu jung und wenig glaubwürdig im Anti-Doping-Kampf.

SPORT1-Prognose: Er ist trotz seiner Prominenz Außenseiter.

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Richard Carrion (Puerto Rico)

Geb.: 26. November 1952

Beruf: Banker

Olympische Vergangenheit: Keine

Aufgaben im IOC: Mitglied der Exekutive (2004 - 2012). Unter anderem seit 2002 Vorsitzender der Finanzkommission. Chefverkäufer der olympischen TV-Rechte für die USA und den Rest der Welt außer Europa. Mitglied der Koordinierungskommission für die Spiele 2016 in Rio de Janeiro.

Andere Aufgaben: Vorsitzender und Geschäftsmann der Banco Popular, Vorstandsmitglied der New Yorker Notenbank Federal Reserve. Seit 2010 zudem im Vorstand des Internationalen Basketball-Verbandes (FIBA).

Pro: Er ist der Top-Finanzexperte des IOC: Handelte den Rekord-Vertrag über 4,38 Milliarden Dollar mit NBC aus für die TV-Rechte in Amerika bis 2020. Mitverantwortlich für den Anstieg der IOC-Reserven von 100 auf 900 Millionen Dollar.

Contra: Er war nie ein Topsportler und wird daher von zahlreichen Mitgliedern auf seine Rolle als Finanzmann reduziert. Keine klaren Unterstützer.

SPORT1-Prognose: Er ist der ernstzunehmendste Herausforderer für Bach.

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Denis Oswald (Schweiz)

Geb.: 9. Mai 1947

Beruf: Jura-Professor

Olympische Vergangenheit: Nahm an drei Olympischen Spielen teil. Der ehemalige Ruderer holte 1968 in Mexiko City Bronze im Vierer mit Steuermann.

Aufgaben im IOC: Mitglied der Exekutive (2000 - 2012), Vorsitzender der Koordinierungskommission für die Spiele 2004 in Athen und 2012 in London.

Andere Aufgaben: Präsident des Internationalen Ruder-Verbandes (1989 - 2013). Präsident der Vereinigung aller olympischen Sommersportverbände (2000 - 2012). Richter am Internationalen Sportgerichtshof CAS.

Pro: Viel Erfahrung als Funktionär, wichtige Rolle im IOC und internationalen Sportorganisationen. Juristischer Hintergrund, spricht fließend Französisch, Englisch und Deutsch.

Contra: Sein Alter. Der Schweizer wird eher der alten als der neuen Generation im IOC zugeordnet.

SPORT1-Prognose: Oswald geht als Außenseiter in die Wahl.

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Ng Ser Miang (Singapur)

Geb.: 6. April 1949

Beruf: Unternehmer, Diplomat

Olympische Vergangenheit: Keine

IOC-Aufgaben: Mitglied der Exekutive seit 2005, Vizepräsident seit 2009.

Andere Aufgaben: Präsident des Organisationskomitees für die ersten Olympischen Jugendspiele 2010 in Singapur. Vizepräsident des Internationalen Segel-Verbandes (1994 - 1998), Botschafter in Ungarn und Norwegen.

Pro: Kandidat des aufstrebenden Sportverbandes aus Asien. Erfahrung als Cheforganisator der Jugendspiele. Diplomatische Vergangenheit, sehr beliebt bei IOC-Mitgliedern.

Contra: Gilt für einige als zu nett und nicht charismatisch genug.

SPORT1-Prognose: Er ist neben Richard Carrion ebenfalls ein ernstzunehmender Herausforderer für Bach.

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Wu Ching-Kuo (Taiwan)

Geb.: 18. Oktober 1946

Beruf: Architekt

Olympische Vergangenheit: Keine

IOC-Aufgaben: Mitglied der Exekutive seit 2012

Andere Aufgaben: Seit 2006 Präsident des Internationalen Boxverbandes (AIBA).

Pro: Asiatischer Kandidat. Führte AIBA dank zahlreicher Reformen aus der größten Glaubwürdigkeitskrise der Verbandsgeschichte. Länger Mitglied des IOC als jeder andere Kandidat.

Contra: Hohes Alter. Zu wenig Einfluss auf höchster IOC-Ebene. Fehlende Unterstützung Chinas. Er war nie ein Topsportler.

SPORT1-Prognose: Der Taiwanese ist krasser Außenseiter. Seine Chancen tendieren gegen Null.

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