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Der frühere Fecht-Olympiasieger Thomas Bach ist seit 2006 DOSB-Präsident. © getty

Wird DOSB-Präsident Thomas Bach IOC-Oberhaupt? Wie läuft die Wahl, wer macht mit? SPORT1 beantwortet die wichtigsten Fragen.

Buenos Aires - In der argentinischen Hauptstadt gibt an diesem Dienstag IOC-Präsident Jacques Rogge am frühen Abend seinen Nachfolger bekannt. SPORT1 beantwortet die relevanten Fragen im Vorfeld der Wahl.

Was liegt an?

Die Wahl des neunten Präsidenten des Internationalen Olympischen Komitees (IOC). Bis jetzt waren Präsident: Demetrius Bikilas (Griechenland/1894 bis 1896), Pierre de Coubertin (Frankreich/1896 bis 1925), Henri de Baillet-Latour (Belgien/1925 bis 1942), Sigfrid Edström (Schweden/1942 bis 1952), Avery Brundage (USA/1952 bis 1972), Michael Killanin (Irland/1972 bis 1980), Juan Antonio Samaranch (Spanien/1980 bis 2001) und Jacques Rogge (Belgien/2001 bis 2013).

Wer kandidiert?

Thomas Bach (Tauberbischofsheim/59 Jahre), Richard Carrion (Puerto Rico/60), Ng Ser Miang (Singapur/64), Denis Oswald (Schweiz/66), Wu Ching-Kuo (Taiwan/66) und Sergej Bubka (Ukraine/49). (Die Kandidaten: Fünf gegen Bach)

Welcher Kandidat ist Favorit?

Thomas Bach! Seit dem IOC-Kongress 1981 in Baden-Baden hat er eine innerhalb des Verbandes eine steile Karriere hingelegt, er gilt als hervorragend vernetzt und hat sich auf vielfältige Weise das Vertrauen vieler IOC-Mitglieder erarbeitet. Skandale in der olympischen Familie hat er unbeschadet überstanden. Der bisherige Schatzmeister Richard Carrion und Multimillionär Ng Ser Miang dürften ihm gefährlich werden.

Der Schweizer Kandidat Dieter Oswald kritisierte Bach einen Tag vor der Wahl wegen dessen Kontakte zum kuwaitischen IOC-Mitglied Scheich Ahmad al-Sabah. "Ich möchte einen unabhängigen Kandidaten, der nicht auf bestimmte Allianzen angewiesen ist und der seine Position für nichts anderes nutzt als zum Wohle des Sports", sagte er dem öffentlich-rechtlichen Schweizer Radiosender RTF.

Wie läuft die Wahl ab?

Geheim. Stimmberechtigt sind alle IOC-Mitglieder, auch die Kandidaten, nicht allerdings deren Landsleute. Noch-Präsident Jacques Rogge wird auf sein Wahlrecht verzichten. Sobald ein Kandidat ausgeschieden ist, können das betreffende Mitglied und dessen Landsleute wieder mitwählen. Erlangt ein Kandidat die absolute Mehrheit der abgegebenen Stimmen, ist er Wahlsieger. Es wird solange gewählt, bis ein Kandidat die absolute Mehrheit erreicht. Solange dies nicht der Fall ist, fällt der Kandidat mit den wenigsten Stimmen in einem Wahlgang heraus.

Was ändert sich für Bach, wird er Präsident?

Er würde mit seiner Frau Claudia nach Lausanne ziehen. Fast alle seine Ämter würde er abgeben: Das des DOSB-Präsidenten, aber auch Wirtschaftsposten wie sein umstrittenes Präsidentenamt beim deutsch-arabischen Handels-Dienstleister Ghorfa. Ausnahme: Aufsichtsratschef der Weinig AG will er bleiben, einer Firma in seiner Heimat Tauberbischofsheim, die Holzverarbeitungsmaschinen produziert.

Wer würde Bachs Nachfolger als DOSB-Präsident?

Völlig offen. Hans-Peter Krämer, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Krebshilfe, würde als DOSB-Vizepräsident Wirtschaft und Finanzen satzungsgemäß Übergangspräsident. Ambitionen auf eine dauerhafte Bach-Nachfolge hat der 72-Jährige nicht. Die Mitgliederversammlung am 7. Dezember wäre die erste Gelegenheit für die Wahl eines Nachfolgers. Niemand hat bislang offiziell Interesse an einer Kandidatur gezeigt, hinter den Kulissen wird aber bereits gerangelt. Insider erwarten ein intensives Werben potentieller Kandidaten.

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