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Thomas Bach ist seit dem 10. September 2013 IOC-Präsident
Thomas Bach gab im Mai 2013 seine Kandidatur als IOC-Präsident bekannt © getty

Thomas Bach ist neuer IOC-Präsident. Der "Denker" pflegt strategische Kontakte. Vor allem der zu al-Sabah ist umstritten.

Von Maik Rosner

München - Es gibt diese intimen Momente noch immer. Nur seltener sind sie geworden. Und ein bisschen distanzierter.

Wenn Thomas Bach in Tauberbischofsheim mit seinen alten Freunden zusammensitzt und eine Runde Schafkopf spielt, dann ist er für viele noch der Thomas, den sie von klein auf kennen. Aus seiner Zeit als Fechter, als Olympiasieger 1976 mit der Florettmannschaft, als Weltmeister.

Bach ist dann als entspannter Gefährte zu beobachten, beinahe als Kumpel.

Der Thomas, der es aus der unterfränkischen Provinz am Dienstagabend zum ersten deutschen IOC-Präsidenten gebracht hat.

Distanz bei offiziellen Auftritten

Auch bei deutschen Fecht-Meisterschaften schaut er noch gerne vorbei. Doch sobald der Rahmen etwas offizieller wird ist auch die Distanz zu spüren, die mittlerweile zwischen ihm und seinen alten Bekannten liegt.

Bach steht dann schon mal im feinen Anzug mit dem Florett auf der Planche, der alten Zeiten wegen ? und der Bilder. Er ist dann zwar noch immer der Thomas, aber ein anderer Thomas. Der Funktionär, der Weltmann.

Das kann in der Provinz auch ein bisschen weh tun, jedenfalls den alten Gefährten, die geblieben sind und staunend auf seine Karriere blicken.

Bach dankt auch seinen Gegnern

Am Dienstag in Buenos Aires hat der 59 Jahre alte Jurist nach seiner Wahl vor allem gedankt, sogar jenen, die nicht für ihn gestimmt haben. Demütig waren seinen Gesten, ganz so, wie er es stets geschafft hat, Förderer für sich zu gewinnen.

Und dankbar sein muss er nun vielen Unterstützern von einst.

Dem Chef von Adidas, Horst Dassler, der ihn 1985 in den Konzern holte. Dem NOK-Präsidenten Willi Daume, einem seiner größten Förderer. Dem IOC-Präsidenten Juan Antonio Samaranch, Daumes Kontrahent, Dasslers bevorzugter Kandidat 1980 und eine Art Vaterfigur für Bach. Oder Unternehmen wie Siemens, deren Nähe er suchte.

IOC-Vorsitz krönt Karriere

Bach konnte mit allen gut, egal, wie umstritten sie oder seine Bindungen zu ihnen waren. Und er lernte früh, schon als Sportler und Athletensprecher, worauf es ankommt in der Welt der Funktionäre. Allianzen schmieden, Netzwerke knüpfen, Strippen ziehen.

Und im richtigen Moment zur Stelle zu sein. Nun hat er seine Karriere gekrönt. Er hält die Fäden an oberster Stelle in den Händen, als Herr der Ringe.

Bach ist damit auch der Herr der Strippen.

Bach taktierte bis Mai

Erst im Mai hat er sich zu diesem lange vorbereiteten Ansinnen bekannt. Zuvor blieb er stets in der Deckung.

Bach taktierte und wartete auf den richtigen Moment. Mit Kalkül, wie früher auf der Planche.

Den "Denker" haben sie ihn damals genannt. Es hieß unter Trainer Emil Beck, Bach denke nicht nur an die Attacke, sondern auch an die Parade Riposte des Gegners, um diese mit der nächsten Attacke zu beantworten.

Zu seiner Kandidatur sagte Bach zuletzt: "Das ist nicht wie ein Blitz aus heiterem Himmel gekommen. Der Schritt zu kandidieren ist wohl überlegt."

Umstrittener Königsmacher aus Kuwait

So umstritten wegen Affären wie Dassler, Samaranch und andere ist auch sein jüngst wichtigster Förderer, Scheich Ahmad al-Sabah aus Kuwait. Er gilt als Königsmacher im IOC, und er hat sich entgegen der Regeln zu Bach bekannt.

"Ich mache alles, was helfen kann", sagte al-Sabah nebulös und verwies auf Verabredungen, die er vor zwölf Jahren, rund um die Wahl des bisherigen IOC-Präsidenten Jacques Rogge, mit Bach getroffen habe.

Gemutmaßt wird, dass es um künftige Ämter und Ausrichterstädte geht. Bach will sich daran nicht erinnern.

Bach will Coubertin nacheifern

Kritik lässt er ohnehin abperlen, wie zuletzt beim Thema Doping. Wenig Angriffsfläche zu bieten hat er früh auf der Planche gelernt.

Als Bach zuletzt vor einer Büste Pierre de Coubertins stand, dem Vater der Olympischen Spiele der Neuzeit, sagte der nun neunte IOC-Präsident: "Ich würde ihm gerne sagen, dass sein Werk eigentlich in ganz guten Händen ist."

Es liegt nun in seinen. Und die Strippen laufen endgültig bei ihm zusammen.