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Thomas Bach ist seit 2013 Präsident des Internationalen Olympischen Komitees
Thomas Bach ist seit 1991 Mitglied des IOC © imago

Der Tauberbischofsheimer Thomas Bach ist am Ziel. Zum ersten Mal in der Geschichte regiert ein Deutscher als IOC-Präsident den Weltsport.

Buenos Aires - Mit einem deutlich hörbaren "Uff" betrat der neue IOC-Präsident Thomas Bach das Rednerpult, alle Anspannung fiel von ihm ab, als er sichtlich bewegt die Standing Ovations seiner IOC-Kollegen entgegennahm:

Nach einem triumphalen Durchmarsch regiert Bach als erster Deutscher an der Spitze des IOC den Weltsport.

"Dankeschön", sagte der 59-Jährige in mehreren Sprachen: "Danke für diese Ehre. Ich danke zunächst allen Kollegen und lieben Freunden von Herzen, die für mich gestimmt haben. Das ist ein überwältigendes Zeichen des Vertrauens."

Absolute Merhheit im zweiten Wahlgang

Der Top-Favorit aus Tauberbischofsheim erreichte bei der 125. Session in Buenos Aires schon im zweiten Wahlgang die notwendige absolute Mehrheit von 49 Stimmen.

Sein vermeintlich härtester Konkurrent Richard Carrion aus Puerto Rico landete weit abgeschlagen mit nur 29 Stimmen auf dem zweiten Platz.

Bach tritt damit an der Spitze des Ringeordens die Nachfolge von Jacques Rogge an.

Am Ende seiner zwölfjährigen Amtszeit öffnete der Belgier um 12: 41 Uhr Ortszeit (17.41 Uhr MESZ) den Siegerumschlag und verlas den Namen "Thomas Bach".

Kreis schließt sich

Für den Fecht-Olympiasieger von 1976 schließt sich 32 Jahre nach seinem internationalen Durchbruch als Sport-Funktionär 1981 beim IOC-Kongress in Baden-Baden der Kreis.

Als erst neunter Präsident seit ihrer Gründung 1894 wird der Wirtschaftsanwalt die Weltregierung des Sports mindestens in den kommenden acht Jahren und höchstens die nächsten zwölf leiten.

Der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) verliert dagegen seinen Gründungspräsidenten und unangefochtenen Anführer.

Dank an Vorgänger Rogge

Dieser bedankte sich umgehend bei seinem Vorgänger und langjährigen Wegbegleiter Rogge "für Dein Vertrauen, das Du in mich während Deiner zwölfjährigen Präsidentschaft gesetzt hast. Und ich hoffe sehr, dass ich auf Deinen guten Rat zählen kann, auch in den kommenden Jahren."

Er wolle, sagte Bach weiter, "mein Bestes tun, alle unterschiedlichen Interessen in der Olympischen Bewegung zu berücksichtigen. Deswegen möchte ich Ihnen zuhören und mit allen von Ihnen einen andauernden Dialog führen. Sie sollen wissen, dass meine Tür, meine Ohren und mein Herz Ihnen immer offen stehen. Lasst uns dieses großartige Weltorchester, das IOC, zusammen in Harmonie führen."

Bach überwältigt von Zustimmung

Eine Stunde nach seiner "Krönung" war der sonst so kühl-beherrschte Machtmensch Thomas Bach "immer noch überwältigt von der Zustimmung, die ich spüren durfte. Diese Zuneigung war beinahe körperlich spürbar, ich bin überglücklich."

Neunter Präsident seit 1894

Für den Fecht-Olympiasieger von 1976 schließt sich 32 Jahre nach seinem internationalen Durchbruch als Sport-Funktionär 1981 beim IOC-Kongress in Baden-Baden und 36 Jahre nach dem Gewinn der Mannschafts-WM an gleicher Stelle in Buenos Aires ("Es war in einem kalten Winter") der Kreis.

Als erst neunter Präsident seit ihrer Gründung 1894 wird er die Weltregierung des Sports mindestens in den kommenden acht Jahren und höchstens die nächsten zwölf leiten.

Der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) verliert dagegen seinen Gründungspräsidenten und unangefochtenen Anführer.

Keine Chance für Konkurrenten

Nach Jahren des Strippenziehens und einem monatelangen Wahlkampf ließ der auch im IOC mitunter kritisch betrachtete Bach seinen Konkurrenten am Dienstag in Buenos Aires keine Chance.

Mit der absoluten Mehrheit der 93 wahlberechtigten IOC-Mitglieder versetzte er schon im zweiten Wahlgang seinen vier verbliebenen Konkurrenten Richard Carrion, Ng Ser Miang (Singapur/6 Stimmen), Denis Oswald (Schweiz/5) und Sergej Bubka (Ukraine/4) den K.o.

Außenseiter Wu Ching-Kuo (Taiwan) war im ersten Wahlgang nach einer Stichwahl mit Ng ausgeschieden.

Neue Ära im Weltsport

Die Wahl Bachs läutet eine neue Ära im Weltsport ein.

Mit Spannung darf erwartet werden, wie der mit allen Wassern gewaschene Jurist als Nachfolger des seit Jahren gesundheitlich schwer angeschlagenen Rogge sein Wahlmanifest in die Tat umsetzt. "Einheit in Vielfalt" propagierte er, kündigte an, ein "Präsident für alle" zu werden.

Sotschi als erste große Herausforderung

Einen strikten Kampf gegen Doping und Wettbetrug will er führen, Afrika als Olympia-Gastgeber die Tür öffnen, dem Gewinnstreben um jeden Preis Einhalt gebieten - und er scheut auch vor ganz großen Projekten wie der Einführung eines Olympia-TV-Kanals nicht zurück. KOMMENTAR: Hoffnung auf entfesselten Bach

Schon im kommenden Jahr steht ihm eine gewaltige Herausforderung ins Haus: die Winterspiele in Sotschi, die nicht nur wegen Wladimir Putins Anti-Homosexuellen-Gesetz schon jetzt im Kreuzfeuer der Kritik stehen.

"Als erstes müssen wir hervorragende Olympische Spiele in Sotschi organisieren, und ich bin davon überzeugt, dass uns das auch gelingt", sagte Bach kurz nach seiner Wahl.

Deutscher Sport am Wendepunkt

Aber auch der deutsche Sport steht am Wendepunkt.

Seit 2006 war Bach erster Präsident des neu gegründeten DOSB, Führungsdiskussionen hat es nie gegeben.

Hans-Peter Krämer, Vizepräsident Wirtschaft und Finanzen, wird mit dem Rücktritt Bachs, der spätestens bei der Präsidiumssitzung Anfang kommender Woche erfolgen wird, den Chefposten vorübergehend übernehmen, bis im Dezember 2014 Neuwahlen anstehen.

"Wir haben alle Zeit der Welt", sagte DOSB-Generaldirektor Michael Vesper in Buenos Aires.

Einen logischen Bach-Nachfolger gibt es nicht, nicht wenige Insider erwarten im deutschen Sport nun ein Hauen und Stechen, denn der große Leader ist weg.

Beginn 1981 in Baden-Baden

Dessen sportpolitischer Marsch in den Olymp hatte 1981 beim IOC-Kongress in Baden-Baden begonnen.

Bach gehörte damals der legendären ersten IOC-Athletenkommission an, die mächtig auf den Putz haute und die altgedienten Funktionärsriegen aus Ost und West mit jeder Menge Selbstbewusstsein und der Forderung nach lebenslangen Dopingsperren aufschreckte.

Seit 1991 im IOC

Nichts konnte seine Karriere stoppen. 1991 kam er ins IOC, 1996 in die Exekutive, 2000 wurde er zum Vizepräsidenten gewählt und immer mit traumhaften Wahlergebnissen im Amt bestätigt.

Er lenkte den großen IOC-Bestechungsskandal vor den Spielen von Salt Lake City geschickt aus dem Licht der Öffentlichkeit und gab sich als Leiter der juristischen Kommission stets als strikter Kämpfer gegen Doping.

Zögerliche Haltung im Anti-Doping-Kampf

Zuletzt geriet Bach wegen seiner zögerlichen Haltung im Anti-Doping-Kampf und seiner umstrittenen Präsidentschaft in der deutsch-arabischen Handelsgruppe Ghorfa vermehrt unter Beschuss.

Und seine Kritiker sind bis heute überzeugt, dass die Darstellung des Multifunktionärs, von so ziemlich allen Skandalen um Doping und Korruption im IOC nie etwas mitbekommen zu haben, unglaubwürdig ist.

Das alles kann Bach nun egal sein. Er hat sein großes Ziel erreicht.