Ein Deutscher ist Sport-Papst. Glückwunsch mit Vorbehalt, Herr Bach. Der neue IOC-Boss hat einige Bedenken zu zerstreuen.

Die Würfel sind schnell gefallen, ein Deutscher steigt zum Sport-Papst auf. Allerdings hat Thomas Bach auf dem Weg zu seiner Kür als IOC-Präsident nichts dem Zufall überlassen.

Der Doktor der Rechte, seit 2000 Vizepräsident im Internationalen Olympischen Komitee, tat im Vorfeld der Wahl von Buenos Aires alles, um nicht anzuecken und keine potenziellen Stimmgeber zu verprellen.

Im eigenen Land geriet er auch deswegen zunehmend unter Druck. Kritischen Medien schickte Bach statt Antworten auf ihre Fragen Anwaltsschreiben ins Haus.

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Um eine Stellungnahme zu den unsäglichen Äußerungen Jelena Issinbajewas, die Russlands Homosexuelle diskriminierende Gesetze gutgeheißen hatte, drückte er sich ebenso wie um eine klare Position im Anti-Doping-Kampf. Stattdessen ließ er wissen, dass Doping zu seiner Zeit als Aktiver im Fechten kein Thema war.

Und dann ist da noch sein Amt als Strippenzieher in der arabischen Welt für die Ghorfa, dass Die Grünen im Bundestag auf die Agenda gebracht hatten. Dennoch ließ der DOSB-Boss seinen Generaldirektor Michael Vesper bei SPORT1 versichern, er sei "komplett unabhängig in jeder Hinsicht".

Nicht wenige behaupten indes, dass Bach vor allem von seinem Ehrgeiz und Machthunger getrieben ist. Nun sollte aber keiner glauben, dass dies den Tauberbischofsheimer von seinen gescheiterten Gegenkandidaten unterscheidet.

Und es hat - umgekehrt betrachtet - ja auch sein Gutes: Ganz oben angekommen, kann sich Bach nun von allen Fesseln lösen und die gewaltigen Baustellen schließen.

Als da wären: die neue Konkurrenz für die Olympischen Spiele durch Highlight-Fabriken wie die X-Games.

Das nicht annähernd gelöste Dopingproblem in fast allen olympischen Sportarten.

Manipulationsversuche und Wettskandale, die gerade dort zunehmen, wo die Aufmerksamkeit und dadurch die Geldflüsse am größten sind.

Und schließlich geht es auch in der Chefetage des IOC nicht eben transparent zu. Die Vergabe von Olympischen Spielen und Änderungen am Kanon der Sportarten werden zunehmend von wirtschaftlichen Interessen bestimmt.

Einigkeit besteht darüber, dass Bach die Fähigkeiten hat, viele Probleme wirksam zu bekämpfen, wenn nicht zu lösen. Es besteht eine gute Chance, dass er dies auch mit vollem Elan angeht und das Streben nach einer zweiten Amtszeit nicht sein Wirken dominiert.

Unter diesem Vorbehalt: Glückwunsch!

Ein deutscher Präsident, dem in der Heimat viel Kritik entgegenschallt, ist allemal besser als einer, der im eigenen Land nicht hinterfragt wird.

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