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Christian Ude und Thomas Bach (v.l.) arbeiteten auch an der Bewerbung für 2018 © getty

Nicht nur OB Ude befürchtet Nachteile für eine Bewerbung um die Winterspiele 2022. Der neue IOC-Präsident ist optimistisch.

München - Der Oberbürgermeister von München war mit dem Wahlergebnis nicht zufrieden. Das ist verständlich.

Christian Ude (SPD) kämpft in diesen Tagen nicht nur um das Amt des bayerischen Ministerpräsidenten - mit noch mehr Leidenschaft setzt er sich für Olympische Spiele in München und im Freistaat ein.

Und so sagte Ude nach herzlicher Gratulation mit Bedauern: "Als neuer IOC-Präsident und fairer Sportsmann" könne Thomas Bach "eine mögliche Münchner Bewerbung" nun "natürlich nicht mehr vorantreiben". (BERICHT: Bach ist der Herr der Ringe)

Offizielle Zurüchaltung

Zumindest öffentlich müsste sich Bach künftig zurückhalten. Eine unverhohlene Parteinahme wie einst durch seinen Mentor Juan-Antonio Samaranch (Spanien) im Fall der Sommerspiele 1992 in Barcelona darf sich der neue IOC-Präsident nicht erlauben.

Doch in vielsagenden Worten deutete Bach an, dass seine Wahl trotzdem eher positiv für München sein könnte. "Wenn es zu einer Bewerbung kommt", sagte er, "werden sich die Mitglieder (des IOC, Anm. der Red.) schon daran erinnern, wie sehr ich mich für die Münchner Bewerbung eingesetzt habe."

Michael Vesper, Generaldirektor des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB), sieht das bei "Sky" etwas anders: "Ein deutscher Präsident kann sich jetzt sicher nicht einfach für eine deutsche Bewerbung aussprechen. Wir müssen mit unserem eigenen Konzept überzeugen und nicht auf Schützenhilfe des deutschen IOC-Präsidenten hoffen."

Neureuther bleibt positiv

Im Kampf um die Spiele 2018 unterlag München klar dem südkoreanischen Pyeongchang. Doch auch, wenn Bach jetzt offiziell nicht mehr Partei für eine deutsche Bewerbung ergreifen düfte - im Hintergrund könnte er sehr wohl einwirken.

"Ich glaube trotzdem, dass er viel Gutes für uns tun kann. Er wird uns richtig führen", sagt Christian Neureuther. (BACH: Das packt mich immer noch)

Der ehemalige Skirennläufer und seine Frau, "Gold-Rosi" Mittermaier, kämpfen mit Leidenschaft um die Winterspiele in München und den drei Partnerkommunen.

"Albatross" sieht kein Problem

Selbst ein Bach-Kritiker wie der Schwimm-Olympiasieger Michael Groß glaubt, dass ein deutscher IOC-Präsident kein Nachteil für die Münchner wäre. Es sei "ein persönliches Anliegen" von Bach gewesen, "sich für Olympia 2018 in München einzusetzen", daran werde sich nun wohl kaum etwas ändern.

Es wäre für Bach "ein historischer Moment" als IOC-Präsident, sollte München 50 Jahre nach den Sommerspielen auch Winterspiele ausrichten können, sagte Groß und betonte, dass München im Sinne der Nachhaltigkeit bestens geeignet sei.

Allerdings: Noch steht ja nicht mal fest, ob sich München überhaupt bewerben kann.

Volksentscheide am 10. November

Am 30. September müssten zunächst die Fachverbände ihre Zustimmung geben. Und dann, nach der bayerischen Landtagswahl an diesem Sonntag und der Bundestagswahl am darauf folgenden, wird alles vom 10. November abhängen.

An diesem Tag kommt es in München, in Garmisch-Partenkirchen, in Ruhpolding sowie in Berchtesgaden zu einem Bürgerentscheid - und das dabei erforderliche 4:0 für Olympia ist so sicher derzeit nicht.

Die Diskussion um den Einfluss von Bach auf eine Bewerbung von München ist also völlig verfrüht. Ude und seine Mitstreiter müssen zunächst die Bevölkerung für sich gewinnen und an die Urne bringen: Da bleibt viel Überzeugungsarbeit.

Ernste Konkurrenten

Sollte die Bevölkerung in München und den Partnerkommunen ihre Zustimmung zu einer erneuten Bewerbung geben, bleiben noch vier Tage, um die Unterlagen beim IOC abzugeben (14. November).

Die Vorarbeiten hinter den Kulissen laufen längst - ein Zeitproblem würde München nicht bekommen.

Frühestens ab Mitte November stellt sich also die Frage, ob und was Bach für München ausrichten könnte. Und gegen wen. Die Stadt Almaty in Kasachstan will sich bewerben, außerdem haben Krakau/Polen (mit Partnern in der Slowakei), Lwiw/Ukraine sowie Barcelona/Spanien mehr oder weniger deutlich ihr Interesse bekundet.

Wohl auf jeden Fall dabei sein wird Oslo, die Einwohner der norwegischen Hauptstadt haben jedenfalls mit 53 Prozent dafür gestimmt. Ude spricht denn auch nicht ohne eine gewisse Besorgnis von einem "starken Konkurrenten".

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